Mittwoch 7. Dezember 2022

Instrument – Sonic Cure

Genre: Alternative

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Von außen war es erstaunlich zu betrachten, mit welcher Wucht sich Markus Schäfer in dieses neue Projekt warf. Draußen stand die Welt still, flatterten Absperrbänder um Spielplätze, blieben die Bühnen der Welt leer und unbespielt und in München-Schwabing saß da einer und schrieb und spielte und tüftelte. Und klar, es war auch eine Flucht, eine Ablenkung davon, dass die gesamte Veranstaltungsbranche, in der nicht nur Markus tätig ist, in einen nie dagewesenen Abgrund blickte. Ein Hurra auf die Musik und die Kreativität, ohne die sich da wohl ein Schlund aufgetan hätte. Stattdessen wurden Ärger, Frust, Ängste, Solidarität und Hoffnungen schon bald im Instrument-Proberaum zusammen mit Nico Sierig und Hubert Steiner zerpflückt, heruntergebrochen, wieder zusammengesetzt, in einen musikalischen Kontext geschmissen. Und so muss sich die Welt fast schon bei Corona bedanken, denn ohne die Pandemie hätte es dieses Album wohl nie gegeben. 

Instrument
Sonic Cure

Label: The Instrument Village
VÖ: 11.11.2022
Genre: Alternative
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Nun also die Heilung für zwei Jahre Entbehrungen. Das wohl beste Resultat dieser Zeit: SONIC CURE. Das vierte Album der Münchner Band Instrument zeigt noch einmal eine deutliche Entwicklung im Vergleich zu den Vorgängeralben INSTRUMENT (2010), OLYMPUS MONS (2012) und READ BOOKS (2014). 

Instrument legen dabei die Finger in die großen und kleinen Wunden der Gesellschaft, besingen die Konsumgeilheit im Angesicht der Klimakatastrophe („Another Man‘s Ruin“), lassen sich über unfreundliche Nachbarn aus („Good Neighbour“) und hadern mit dem Stillstand der Coronapandemie („Home“), was die Band jedoch nicht als Kritik an den Maßnahmen verstanden haben will. 

Langjährige Fans kommen zudem mit einigen Instrumental-Stücken, in denen die Band einmal mehr ihr ganzes musikalisches Können in die Waagschale wirft, voll auf ihre Kosten. 

Markus, Nico und Hubi sind älter geworden, die Themen andere als noch vor einigen Jahren. Doch die Musik, dieses filigrane fast jazzig anmutende, rhythmisch vertrackte Rock-Schlagzeug, dass Sierig in Perfektion beherrscht, Schäfers riff-lastiger Bass und Steiners komplex harmonisierende Gitarre sind von einer Zeitlosigkeit, wie sie ihresgleichen sucht. 

In „Rebellious Heart“ thematisiert Instrument die inhärente Angst der alten weißen Männer zu Dinosauriern zu werden. Musikalisch sind sie davon weit entfernt und auch ihre Auseinandersetzung mit der Frage nach der eigenen Rolle in der Gesellschaft macht deutlich, dass dieses Album auf der Höhe der Zeit ist. Am besten zeigt sich das am Titelsong des Albums „Sonic Cure“: ein entfesselnder Song, der durch den Körper der Zuhörenden zuckt, bis kein Gliedmaß mehr ruhig ist. Es ist der Song, den wir nach Corona alle gebraucht haben, der den Dreck aus unseren Ohren spült, dynamisch, mitreißend, freudig und hoffnungsvoll auf eine Zeit, in der Musik nicht mehr nur in Wohnzimmern entstehen muss, während draußen die Welt still steht. Turn up the bass! 

Und dann ist da noch der eine Song auf der Platte, der so gar nicht in die Instrument-Tradition passt: In „Beer and a shot“ greift Markus Schäfer zur Akustikgitarre und singt in klassischer Singer-Songwriter-Manier über das Kennenlernen mit seiner Frau. „Sometimes destiny is your friend and not your enemy“ – und manchmal kann aus einer richtig beschissenen Situation wie einer Pandemie auch etwas sensationell Gutes entstehen, wie „SONIC CURE“ (11.11. The Instrument Village)

INSTRUMENT sind:

 Markus Schäfer (Gesang, Bass, Gitarre)

 Nico Sierig (Gesang, Schlagzeug)

Hubert Steiner (Gitarre

produziert: Tom Körbler und Instrument

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