Die Dunkelheit hat ein neues Gesicht, und es trägt Zylinder, Edelsteine und eine mitternachtsschwarze Satinrobe. Mit dem Auftakt der Deutschland Konzerte ihrer „SKELETOUR WORLD TOUR 2025“ verwandelte die schwedische Rockband GHOST die ausverkaufte Festhalle Frankfurt in einen okkulten Tempel aus Klang, Licht und Inszenierung. Die Fans – viele verkleidet als Nonnen, Papas und alles dazwischen – feierten eine Band, die sich nicht nur musikalisch, sondern auch visuell immer wieder neu erfindet.
No-Phone-Policy sorgt für echte Konzertatmosphäre
Bevor auch nur ein einziger Akkord durch die Festhalle hallte, hatte GHOST bereits ein Zeichen gesetzt: Dieser Abend sollte ganz im Zeichen des Moments stehen. Die kompromisslos durchgeführte No-Phone-Richtlinie verwandelte die Halle für ein paar Stunden in einen analogen Schutzraum – frei von der ständigen Reizüberflutung digitaler Welten. Kein Scrollen, kein Filmen, kein Posten – stattdessen ein kollektives Zurücklehnen ins Hier und Jetzt. Die Versiegelung der Handys in Yonder-Taschen am Einlass verlangte zwar etwas Geduld, belohnte jedoch mit einem unverfälschten Konzerterlebnis, das man nicht nur sah und hörte, sondern tief spürte.
Ein düster-glamouröser Neuanfang: Premiere für „Skeleta“-Songs
Die Tour dient als Auftakt zur neuen Ära der Band: „Skeleta“, das kommende Album, erscheint am 25. April 2025 – zwei Tage nach dem Frankfurt-Gig. Vier Songs wurden live präsentiert: Die bereits bekannten Singles „Lachryma“und „Satanized“ trafen auf die exklusiven Premieren „Peacefield“ und „Umbra“. Alle vier Songs offenbarten eine neue stilistische Tiefe: symphonisch, düster, eindringlich und gleichzeitig typisch Ghost – irgendwo zwischen sakralem Doom, orchestralen Bombast und okkulter Theatralik.
Eine Liturgie des Rock: Bühnenbild, Outfits und Atmosphäre
Optisch zeigte sich GHOST in neuem Gewand. Die namenlosen A Nameless Ghoul traten als juwelenbesetzte Skelette mit Zylindern auf – eine Mischung aus viktorianischem Zirkusdirektor und Totentanz – während Frontmann Tobias Forge alias Papa Emeritus V sich als Satin-gekleidete Inkarnation des modernen Todes präsentierte. Der Bühnenaufbau war – zumindest anfangs – minimalistisch: Nur das GHOST–Logo thronte in Lichtschrift über der Szene. Doch im Laufe des Abends entfaltete sich eine visuelle Liturgie aus Kirchensäulen, digitalen Buntglasfenstern und epischen, sakralen Projektionen, die sowohl religiöse als auch weltliche Stimmungen kunstvoll miteinander verwoben.
Zwischen Messe und Massaker
Die Setlist des Abends war ein meisterhaft kuratierter Streifzug durch die Ghost-Diskografie – von frühen Hymnen wie „Ritual“ und „Year Zero“, über emotionale Höhepunkte wie „He Is“ und „Darkness at the Heart of My Love“, bis hin zum ekstatischen Finale mit den Dauerbrennern „Dance Macabre“ und „Square Hammer“.
Mehr als ein Konzert – ein Erlebnis zwischen Himmel und Hölle
GHOST haben es einmal mehr geschafft, die Grenzen zwischen Rockkonzert, Theaterstück und spiritueller Zeremonie aufzulösen. Die Show in der Frankfurter Festhalle war ein durchkomponiertes Kunstwerk – musikalisch präzise, visuell überwältigend, emotional tiefgehend. Mit der SKELETOUR WORLD TOUR 2025 und dem kommenden Album „Skeleta“ beweist die Band, dass sie weiterhin bereit ist, alte Haut abzustreifen und sich neu zu erfinden – ohne dabei ihre Seele zu verlieren.
Ghost ist nicht nur eine Band. Ghost ist ein Kult.
Text & Fotos © by Boris Korpak | bokopictures


















































