Hardcore ist tot und SALÒ lebt lauter denn je

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Am 10. April 2026 erscheint das neue Album Hardcore von SALÒ auf Phat Penguin. Mit der Single rotten.com legt er schon jetzt die Nerven frei. Der Song springt zwischen Kindheit und Gegenwart, zwischen Smartphone und Straße, zwischen rot weiß roter Realität und globaler Gewalt. Rot ist das Blut, weiß sind die Knochen. Dazwischen liegt Gewöhnung.

Seit 2019 mischt SALÒ die deutschsprachige Indie Szene auf. Zwischen Anarcho Pop, Punk, Electroclash und bitterer Gesellschaftsanalyse hat er sich vom Wiener Geheimtipp zur radikalen Stimme einer überreizten Generation entwickelt. Songs wie Apollonia sitzt bei Edeka an der Kassa oder Ich glaube nicht an Dinosaurier sind längst Kult.

Hardcore ist kein Retroversuch. Es ist eine Abrechnung mit digitaler Abstumpfung, Konsum und Selbstoptimierung. Eine Liturgie für verlorene Seelen mit Glitzer unterm Auge. Und eine Einladung zur Eskalation mit Tiefgang. Ab Ende April geht SALÒ auf HARDCORE IST TOT TOUR 2026 durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

rotten.com wirkt wie ein Protokoll der digitalen Verrohung. Wann hast du gemerkt, dass dich dieser Blick auf Gewalt und Konsum nicht mehr loslässt.

Naja, ich hab bemerkt, dass mich dieser Blick eben schon längst losgelassen hat – Dass ich abgestumpft bin – Wenn man im richtigen (bzw. falschen Algorithmus) feststeckt dann scrollt man irgendwann nur noch durch die Krisen-Bilder durch wie durch Ads. So funktioniert das Hirn – Irgenwann schockt nichts mehr, man habituiert auf den Horror. 

Ihr schreibt Rot ist das Blut, weiß sind die Knochen. Wie viel bewusste Provokation steckt in solchen Bildern und wie viel nüchterne Beobachtung eurer Gegenwart.

Ich glaube nicht an die bewusste Provokation – Ich beschreibe die Welt mit den Worten die ich kenne – Bin ich als Person provokant? Vielleicht! Fakt is, Kriege kommen und gehen, Führer sterben und werden wieder eingesetzt, alles ist im ständigen Fluss, die einzige Konstante is, dass Blut rot und Knochen weiß sind. 

Euer Album heißt Hardcore. Gleichzeitig steht die These im Raum, Pop sei tot, Punk nie greifbar gewesen und Hardcore erledigt. Ist das für euch Abgesang oder Kampfansage.

Lustig wie nie jemand punk sein wollte früher, bzw. heutzutage wehrt man sich immer noch gegen den Begriff, weil man sich fürchtet als Poser dazustehen. Am Ende des Tages ist alles Rock n Roll. Und ist der tot? 

Eure Texte schwanken zwischen Selbstironie und radikaler Verletzlichkeit. Wo endet für euch die Pose und wo beginnt der reale Schmerz.

Der reale Schmerz beginnt immer auf der Bühne. 

In rotten.com prallen Krieg, Konsum und Alltagsroutine aufeinander. Ist das Zuspitzung oder beschreibt ihr schlicht eine Normalität, die viele längst akzeptiert haben.

Zuspitzung ist immer nur die Lupe, die auf eine Sachlage gerichtet wird. Das Objekt der Beobachtung bleibt immer dasselbe.

Ihr sprecht von Trümmern aus Männlichkeit, Moral und Mainstream. Was wollt ihr konkret infrage stellen. Und was soll danach bestehen bleiben.

Moral is ein Ornament, dass sich die Leute ans Revers heften wie damals diese Buttons oder coole Aufnäher. 

Eure Liveshows gelten als Katharsis. Was passiert bei euch als Band auf der Bühne körperlich und emotional. Und was erwartet ihr vom Publikum in diesem Moment.

Wenn ich auf die Bühne gehe, dann lasse ich all meine sozialen Masken, die man trägt um in eine Gesellschaft zu passen, fallen. Ich trete dem Publikum quasi nackt gegenüber, metaphorisch natürlich. Vom Publikum erwarte ich mir nichts. Und am allerwenigsten, dass sie beim Break in die Knie gehen und in die Luft springen wenn der Beat wieder einsetzt. Das ist mitunter das Schlimmste, was die junge Musiklandschaft heutzutage zu bieten hat. Das würde ich verbieten und unter harte Strafe stellen.

Seit 2019 habt ihr euch von der Wiener Indie Szene in größere Clubs gespielt. Verändert wachsende Reichweite eure künstlerische Radikalität oder schärft sie sie eher.

Ja, je größer eine Location, desto diffuser die Nähe zum Publikum. Darum haben wir uns auch entschieden, in Wien zwei mal das WUK zu spielen statt einmal die Arena.

Hardcore erscheint am 10. April 2026 bei Phat Penguin. Wie gestaltet ihr im Produktionsprozess euer Verhältnis zwischen künstlerischer Freiheit, Marktmechanismen und klarer Haltung.

Ich mach mir da gar nicht so viel Gedanken. Wir machen einfach Musik und das Label bringt das raus. Die Haltung steckt in den Texten. 

Wenn ihr auf die HARDCORE IST TOT TOUR 2026 blickt, von Leipzig bis Wien. Was soll nach einem Abend mit SALÒ im Kopf und im Körper des Publikums weiterarbeiten.

Wir würden uns wünschen, die Besucher*innen rufen im Anschluss ihre Eltern oder die Oma an und erzählen, was für einen schönen Abend sie mit uns hatten und dass sie beim nächsten mal unbedingt dabei sein sollten.

Danke für deine Zeit, deine Offenheit und den Mut, Dinge auszusprechen, die viele nur scrollen. Hardcore ist kein Soundtrack zum Nebenbei hören. Es ist Reibung. Ich wünsche dir für das Album am 10. April 2026, für die Tour ab Ende April und für alles, was danach kommt, volle Häuser, klare Haltung und genau die Unruhe, die Kunst braucht.

Interview by CK 

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