Als am Sonntagabend erneut die Lichter im ausverkauften Stadion erloschen, war sofort klar: Der zweite Abend der M72-Tour von Metallica würde keine bloße Wiederholung des ersten Abends werden. Genau das ist das Konzept hinter dem gefeierten „No Repeat Weekend“ – zwei komplett unterschiedliche Shows, keine doppelten Songs, andere Supportbands und dennoch dieselbe gigantische Produktion mit der ikonischen Centerstage mitten im Stadion. Bereits am 22.05.2026 war das erste Konzert restlos ausverkauft gewesen, doch auch die zweite Nacht zog wieder zehntausende Fans an und verwandelte die Arena in einen Tempel des Heavy Metal.
Den Auftakt machten die schwedischen Ausnahme-Entertainer von Avatar, die sich einmal mehr als perfekte Festival- und Stadionband präsentierten. Mit „In the Airwaves“ eröffneten sie ihr Set düster und intensiv, ehe „Let It Burn“ die ersten Moshpits des Abends entfachte. Frontmann Johannes Eckerström wirkte wie ein wahnsinniger Zeremonienmeister zwischen Horror-Zirkus und Metal-Gala und zog das Publikum vom ersten Moment an in seinen Bann.
„The Eagle Has Landed“ wurde lautstark mitgesungen, während „Death and Glitz“ die theatrale Seite der Band hervorhob. Besonders „The Dirt I’m Buried In“ entfaltete live eine enorme Wucht und zeigte eindrucksvoll, wie stark Avatar inzwischen auch im großen Stadionformat funktionieren. Als schließlich „Smells Like a Freakshow“ erklang, verwandelte sich das Innenfeld endgültig in eine tobende Masse. Mit „Hail the Apocalypse“ lieferten die Schweden ein finales Statement ab und verabschiedeten sich unter frenetischem Jubel.
Danach übernahmen Pantera das Kommando – und die Stimmung schlug schlagartig von theatralisch zu brachial um. Schon der Opener „A New Level“ donnerte mit zerstörerischer Kraft durch das Stadion. „Mouth for War“ und „Strength Beyond Strength“ machten sofort klar, dass Pantera auch Jahrzehnte nach ihrer Hochphase nichts von ihrer Aggressivität eingebüßt haben.
Die Band spielte kompromisslos, roh und unglaublich druckvoll. Bei „Becoming“ und „I’m Broken“ verwandelte sich der Innenraum in ein einziges Chaos aus Circle Pits und fliegenden Haaren. Besonders beeindruckend war die Wucht von „5 Minutes Alone“, das live wie ein Faustschlag wirkte. Mit „This Love“ zeigte die Band ihre düstere emotionale Seite, ehe „Fucking Hostile“ sämtliche Zurückhaltung im Publikum pulverisierte.
Spätestens bei „Walk“ sang das gesamte Stadion mit, während „Domination / Hollow“ für einen der intensivsten Momente des Abends sorgte. Der finale Klassiker „Cowboys From Hell“ hinterließ schließlich verbrannte Erde und bereitete die perfekte Bühne für den Headliner des Abends.
Als die ersten Töne von „Whiplash“ erklangen und Metallica die Bühne betraten, explodierte die Arena förmlich. Die gigantische Centerstage bewährte sich erneut als Herzstück der Produktion: Egal wo man stand oder saß, die Band war ständig in Bewegung und immer präsent. Die Rundumbühne machte aus einem Stadionkonzert ein erstaunlich intensives Erlebnis.
Mit „For Whom the Bell Tolls“ folgte direkt der erste kollektive Gänsehautmoment, ehe die überraschende Rückkehr von „The Shortest Straw“ besonders die langjährigen Fans begeisterte. Dass Metallica an diesem Wochenende tatsächlich komplett unterschiedliche Setlists spielten, verlieh jedem Song zusätzliche Bedeutung. „Until It Sleeps“ brachte eine selten gespielte melancholische Note in die ansonsten enorm aggressive Setlist.
Mit „Lux Æterna“ zeigte die Band, dass auch neues Material problemlos neben Klassikern bestehen kann, bevor „Leper Messiah“ für eine Reise tief in die Thrash-Metal-Vergangenheit sorgte. Der traditionelle „Kirk and Rob Doodle“-Part überraschte diesmal mit einer Version von Accepts „Fast as a Shark“ und wurde vom deutschen Publikum begeistert aufgenommen.
Danach wechselte die Stimmung erneut: „Fade to Black“ tauchte das Stadion in ein Meer aus Handylichtern, während „Wherever I May Roam“ durch die offene Stadionkulisse eine fast epische Atmosphäre entwickelte. Instrumental gewaltig wurde es bei „The Call of Ktulu“, dessen düstere Intensität live überwältigend wirkte.
Mit „The Unforgiven“ erreichte der emotionale Spannungsbogen seinen Höhepunkt, ehe das Publikum bei „Whiskey in the Jar“ ausgelassen feierte. Danach gab es keine Pause mehr: „Blackened“ und „Moth Into Flame“ sorgten für pure Eskalation, bevor „One“ mit Pyrotechnik, Explosionen und Maschinengewehr-Samples das Stadion erschütterte.
Der finale Abschluss mit „Enter Sandman“ verwandelte die gesamte Arena noch einmal in einen gigantischen Chor. Tausende Stimmen sangen jede Zeile mit, während Feuer, Licht und Sound ein monumentales Finale erzeugten.
Der zweite Abend der M72-Tour bewies eindrucksvoll, warum dieses Konzept derzeit als eines der spektakulärsten Live-Erlebnisse im Metal gilt. Zwei ausverkaufte Nächte, keine Songwiederholung, unterschiedliche Supportbands und eine Produktion, die Maßstäbe setzt. Während der Freitag bereits ein Großereignis gewesen war, zeigte der Samstag die härtere, düsterere und kompromisslosere Seite dieses einzigartigen Wochenendes – ein Konzert, das den Fans noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.
Bilder und Text by Jan Heesch
Avatar
Pantera
Metallica


















































































