Berichte & Fotos

Kultur in Zeiten von Corona – Impressionen aus dem Staatstheater Wiesbaden

„Wo einst das Leben aufblühte herrscht nun Stille. Corona hat immer noch das Land fest im Griff. In einigen Branchen merkt man auch nach 10 Monaten keinen Fortschritt. Für viele Bereiche wurden Pläne und Lösungen gefunden, in der Kultur- und Veranstaltungsbranche herrscht weiterhin Unklarheit wie es weitergehen soll. Natürlich muss man alles genau in Betracht ziehen was Einfluss auf das komplexe Geschehen nehmen könnte, dieses setzt aber einen gewissen Fahrplan für die kommenden Wochen und Monate voraus. Wo wir beim Kern des Problems angekommen sind.

Theoretisch kann man keinen Plan für die Entwicklung eines Virus aufstellen, die Veranstaltungsbranche braucht aber eine gewisse Sicherheit um ihre Veranstaltungen zu produzieren. Der Entwicklungsprozess einer Veranstaltung ist sehr komplex wovon Außenstehende kaum Ahnung haben da ihnen die Einblicke in die internen Abläufe fehlen. Daher ist es in jetzigen Zustand kaum möglich sinnvoll zu planen. Denn selbst wenn man unter bestimmten Auflagen nur im kleinen Rahmen die Bühne bespielen könnte würde es wirtschaftlich keinen Sinn machen da die laufenden Kosten entsprechend steigen sobald wieder Betrieb herrscht.

Betroffen sind nicht nur die Veranstalter, Künstler und Dienstleister, sondern auch die Spielhäuser wie in diesem Fall das Staatstheater Wiesbaden.

Seit Monaten herrscht hier Stillstand, die kulturelle Hilfe vom Bund und den Ländern deckt nur das nötigste um den Grunderhalt des Gebäude zu sichern und den notwendigen Verwaltungsbetrieb aufrecht zu erhalten. Ein Großteil der Belegschaft ist in Kurzarbeit um auch hier die Kosten zu senken. Leider bleiben bestimmte Kosten immer bestehen da egal ob ein Programm gespielt wird oder nicht die Betriebskosten vom Gebäude weiterlaufen. Doch das alles kann nicht auf ewig so weitergehen, man sagt zwar dass die Toten erst am Ende gezählt werden, doch will man es wirklich so weit kommen lassen? Wie lange helfen die staatlichen Subventionen noch, welche Hilfe kann sonst erwartet werden? Diese Fragen prägen den Alltag aller Menschen die in der Kulturbranche tätig sind. Fragen die nicht einfach zu beantworten sind.

„When the crowds are gone“ – „Wenn das Volk gegangen ist“

Ein leerer Saal ist in diesem Falle das perfekte Abbild der aktuellen Situation. Die Bühne ist geräumt, im Hintergrund stehen Bühnenbilder und Technik, verlassen und einsam warten sie darauf aus dem Winterschlaf erweckt zu werden. Einsam und verlassen steht inmitten der Stuhlreihen ein Mischpult ohne Auftrag, es wartet auf seine Bestimmung. Der Kronleuchter lässt es nur erahnen wie prunkvoll er sonst erstrahlt. Im Hintergrund ertönt eine Bohrmaschine, viel hat der Haustechniker in diesen Zeiten nicht zu tun. Nur die Pausenbeleuchtung lässt einen Endruck der eigentlichen Pracht des Gebäudes erahnen.

Von der ehemaligen Kaiserloge sieht man über die Menge die nicht anwesend ist. Die Loge des Landes Hessen ist ebenso verwaist wir der Rest der Ränge.

Aus der Not und um die Hygieneauflagen zu erfüllen hat man ein Notkonferenzzimmer im Foyer eingerichtet da hier die notwendigen Abstände am ehesten ermöglicht werden konnten. Dort wird zur Zeit die aktuelle Situation aufgearbeitet und man sucht nach Lösungen wie es in naher Zukunft weitergehen könnte. Angepeilt ist der 28.03.2021 für erste Vorstellungen in dem altehrwürdigem Gebäude, ob es durchführbar sein wird steht jetzt noch in den Sternen. Auch unter welchen Auflagen ein Neubeginn machbar sein wird muss noch beschlossen werden.

Noch arbeitet die Kantine in Notbesetzung für die paar übrig gebliebenen Mitarbeiter vor Ort, doch auch hier wird bald ein Ende sein da immer weniger Kollegen im Haus arbeiten können.

Fakt ist dass die Künstler und die gesamte Belegschaft schon mit den Hufen scharren und auf den Neustart Kultur warten. Das kulturelle Erbe muss erhalten bleiben damit auch nachfolgende Generationen nicht darauf verzichten müssen.

Aus diesem Grund besuchte ich das Staatstheater Wiesbaden um die aktuelle Situation in Bilder zu fassen. Oft sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Die Bilderreihe zeigt wie es aktuell aussieht wenn die Besucher fernbleiben. Stellen sie sich vor wie es dort normalerweise aussieht, wenn die Gäste die Ränge bevölkern oder in der Pause im Foyer der ein oder andere Plausch getätigt wird. Es wird dunkel im Saal, ein Scheinwerfer erstrahlt, die Künstler betreten die Bühne. Doch nicht heute, nicht heute…

Mit diesen Gedanken lasse ich sie nun alleine und in den Erinnerungen verweilen.

Stille wo einst das Leben blühte – Doch die Show muss weitergehen, irgendwann bestimmt…

Fotos & Text © Jan Heesch

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