Musik

iske – Nackig unterm Mond

Pop

„Nackig unterm Mond“ mit diesem späten Debütalbum legt der Eutiner Hausarzt und Singer/Songwriter Ludger Iske eine Sammlung von zwölf Songs vor, die Erfahrung von sechs wach gelebten Jahrzehnten mit einer Perspektive von Hoffnung und Verbundenheit kombinieren.

Textlich der westdeutschen Liedermacher-Tradition der siebziger und achtziger Jahre verbunden, reflektiert das Album thematisch das Spannungsfeld von Verbindung trotz Spaltung, Resonanz trotz Abstumpfung, Hoffnungen trotz Angst und könnte unter dem Rheinischen Motto stehen. „Et is wie et is, et kütt wie et kütt, un et is noch immer jot jejange“…

Die Lieder selbst, klanglich und atmosphärisch warm und dicht umgesetzt vom Produzenten Mark Smith (u.a. Johannes Oerding, Florian Künstler), behandeln immer wieder Themen von Aufbruch, Neuanfang und Weitermachen.

Die lebenszugewandte Haltung des Arztes, Psychotherapeuten und Buddhisten drückt sich mit heiterem Ernst und ironischer Distanz auch bei schweren Themen wie Depression oder Klimawandel aus. Immer wieder taucht das Thema der Endlichkeit auf, und in immer neuen Variationen spielt iske die Haltungen durch, mit denen wir Menschen diesem unverhandelbaren Fakt begegnen können: sei es im vergnügten Annehmen der Einmaligkeit des Augenblicks wie in der Rückblicks-Ballade „Glück als Verstand“: „…kein Tag zu viel, kein Jahr zu lang / Kein Weg umsonst, kein schöner Land / So viel gelernt und soviel mehr vergessen / So viel Glück – viel mehr Glück als Verstand…“

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Oder in Dankbarkeit für das Erlebte, das Über-Leben bis hierher, das den kleinen Jungen würdigt, der der Sänger einmal war, das innere Kind, das in uns allen präsent bleibt und gesehen werden möchte, das immer noch und immer wieder die Lebendigkeit unserer Jugend durchdringen lässt: „…Stürzt wie ein Wasserfall, fliegt wie ein Stein / Liest Dir aus den Wolken und fängt Fische mit der Hand / Dreht dir die Birne aus dem Heiligenschein / Springt durch den Spiegel und macht Salto aus dem Stand…“ (aus dem Titelsong „Nackig unterm Mond“)

Auch ein fröhliches „Trotzdem!“ ist durchzuhören, eine grinsende Tapferkeit angesichts unserer kurzen Reise durch die Zeit – „…Was für ein wunderbares Spiel mit diesem hoffnungslosen Blatt / Von Anfang an in Unterzahl, vom ersten Zug schachmatt – was für ein großartiger Kampf, schon vor dem allerersten Schlag / Was für ein wundervoller Flug durch diesen kurzen Tag – durch diese Leben…“

Und immer wieder blitzt hörbar Hoffnung auf, eine nüchterne, abgeklärte Hoffnung, die nicht leicht zu enttäuschen ist, weil sie nicht auf Illusionen baut: „…wir haben nur uns, Menschenskinder, wir haben nur diese Welt“

Wir müssen miteinander reden, bevor hier alles zerfällt / Niemand in den Kulissen, keine unsichtbare Macht: Allein durch das Wort / Allein durch unser Wort wird das Licht angemacht…“

Und begründete Hoffnung strahlt auch durch die Songs „Regenbogen Malen“,der sich ein überraschendes Ende gönnt („todos diferentes- todos iguais“); „Jetzt kommt das beste Stück“ trägt diesen Willen, der Zukunft positiv und entschieden zu begegnen, schon im Titel, und die Ballade „Leg mir die Karten für die Kinder“ besteht sogar auf einem eigenen positiven Beitrag von iskes und vorherigen Generationen zu den Chancen der jetzt jungen, ohne die Verantwortung für die Folgen der letzten Jahre zu leugnen.

Musikalisch gibt es viel zu entdecken: Keins der Stücke bleibt dem Mainstream verhaftet, überraschende harmonische Übergänge durchgliedern das sehr entspannte, weiche und warme Soundprofil, das Mark Smith für diesen Künstler maßgeschneidert hat.

Rhythmisch kommt ebenfalls keine Langeweile auf, man meint die Jahrzehnte an Hörerfahrung des Songwriters durchzuhören, winzige Zitat- oder Referenzschnipsel glitzern durch die sehr eigenen und teil eigenwilligen Kompositionen. 

An keiner Stelle verleugnet das Werk seine Herkunft aus der Erbfolge aus deutschem Liedermaching, europäischem Folk und den Fußstapfen der großen amerikanischen Bahnbrecherbarden wie Paul Simon, James Taylor, Joni Mitchell oder Randy Newman.

Nabelschau, Weltschmerz, Selbstmitleid, finden sich in diesen Texten nicht- präzise und poetisch formen sie persönlichen Ausdruck zu einer gemeinsamen Aussage.

Dabei verzichtet iske auf die Vorstellung seiner „fremden“ Hälfte, bespielt das Album mit rein deutschsprachigen Songs und lässt damit auch ein englisch- und skandinavischsprachiges Folgewerk erwarten (versprochen).

Zusammengefasst ein Erstlingswerk, das auf ein langes Leben hoffen lässt, damit wir von diesem Barden mehr zu hören bekommen.

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