Musik

Schwessi – Achtung Überlebensgefahr

Pop, Rock

„Achtung Überlebensgefahr!“ ruft die Wahl-hamburgerin Schwessi, lehnt plötzlich im Türrahmen, wie die lang verreiste große Schwester des Deutsch-Pop, formt das Peace-Zeichen und nimmt uns mit in neun lässige Popsongs voller Ohrwurmmelodien. Dem Ernst des Lebens begegnet sie mit herrlich bissigem Optimismus und Wortwitz. Auf dem ersten Soloalbum ihrer 25-jährigen Musikkarriere, die sich von der Schülerband bis hin zum Songwriting mit Udo Lindenberg streckt, singt sie mit ihrer warmen, kratzigen Stimme über eine politisch unkorrekte Liebe, die Weisheit der Teenager im Kampf gegen die Kapitalismushörigkeit der Eltern, den Alleinerziehenden-Alltag und die Gefahr des Überlebens. Von Frauenhand gemachte Gitarrenmusik mit einem Flair von Hip Hop und Reggae, mit Texten, die so liebevoll und punktgenau verfasst wurden, dass man bei jeder Zeile gleichzeitig lachen und nicken muss.

Was man Schwessis Songs anhört: Sie ist eine Frau, die Dinge erlebt hat. Die keine Erfahrung vergessen hat und die fast alles nachfühlen kann. Ihre Texte entstehen aus eigenen Beobachtungen heraus, scharf analysiert, liebevoll formuliert und immer erschreckend exakt auf den Punkt gebracht. Unter dem titelgebenden Motto „Achtung Überlebensgefahr“ widmet sich die Songwriterin dem hoffentlich baldigen Abschied von der alten, apokalyptischen Welt – und dem Blick nach vorn auf die Utopie jener Welt, in der wir leben wollen. Und nicht nur mit dem Fortbestehen unserer Spezies setzt sich Schwessi auseinander, sie beleuchtet auch, was es braucht, damit die Liebe, unser Planet, die Gesellschaft und ihre Werte, die Demokratie, und die eigene Integrität nicht zugrunde gehen. Sie selbst sprang dem Tod bereits einige Male ganz real von der Schippe und weiß: Am Ende kann alles gut werden, aber das ist halt deutlich mehr Arbeit als einfach aufzugeben! 

„Sie befinden sich in Überlebensgefahr – you are in danger! Es könnte sein, 
dass wir alle überleben! Bitte brechen Sie nicht in Panik aus! Please follow 
the pink escape signs and paint some hearts on the wall.”

(aus „Achtung bidde!“)

 „Revolution“ singt sie aus der Sicht eines Teenagers, deren Ziele so viel konkreter und weitsichtiger sind als die ihrer vermeintlich vernünftigen Eltern, oder „Hallo Selbstmitleid“, in dem sie schmerzhaft genau die Lebenswelt einer alleinerziehenden Mutter in wenige Minuten Musik komprimiert. 

„Sie schreit ins Megafon: Ich scheiß auf eure Millionen, mich könnt ihr 
nicht dressier’n. Ihr fahrt uns voll an die Wand, habt unsere Zukunft 
verbrannt. Ihr könnt uns nicht regier’n!“

(aus „Revolution“)

Neben dem Blick auf Menschen und ihre alltägliche Gefühlswelt seziert Schwessi auch furchtlos das große Ganze: „Wer ist das Volk?“ ist ein Liebeslied an die Demokratie, und die grundsätzliche Frage, wie sie sich angesichts der steigenden Popularität rechtsextremistischen Gedankenguts so fühlt. Und in „Alles geht“ plädiert die Songwriterin zum lässigen Beat liebevoll für Diversität, Empathie und Toleranz: „Wir sind so frei, wir denken querbeet, egal ob Morgenjoint oder Abendgebet.“

Angriffslustig klingt die Hamburgerin in „Kopf oder Zahl“, wenn es um den Stand der Emanzipation geht. Der energische HipHop-Track feiert die Erfolge, die Frauen bereits erreichten: „Es ist schwer zu verkraften, was wir schon alles schafften: Sind Kanzlerin, gewinnen Weltmeisterschaften“, stellt aber auch fest, dass viele Frauen trotz allem noch immer vor Konflikten zurückschrecken und nicht unbequem sein möchten.

Und ja, auch Liebeslieder kann Schwessi. Wunderschöne sogar – aber die sind natürlich nie einfach belanglose Balladen. Das gefühlvolle „Ohne Worte“ ist eine zarte Liebeserklärung an eine eigentlich perfekte Beziehung,  die sich aber hartnäckig dagegen sperrt, eine zu sein („Wir passen uns nicht an und nirgendwo rein, sitzen zwischen allen Stühlen, kann das vielleicht genauso sein mit unseren Gefühlen?“). In „Die politisch nicht korrekte Libido“ widmet sie sich mit einem Augenzwinkern der Beziehung zu jemandem, der in Sachen Lifestyle und politischer Einstellung allem widerspricht, wofür frau eigentlich sonst steht. Aber Liebe – da kann man halt nix machen! Dieses Problem thematisiert Schwessi auch im packenden Popsong „Ich bin so frei“: Was tun, wenn romantische Gefühle einem plötzlich die Freiheit nehmen, die man sich vorher selbst so hart erkämpft hat? 

2018 brachte Schwessi ihre erste EP „Liebe in Zeiten der Apokalypse“ raus. Das Album sollte ursprünglich kurz darauf folgen – doch gleich zwei apokalypsenähnliche Hindernisse stellten sich diesem Projekt in den Weg. Erst musste Schwessi sich von einem handfesten Burnout erholen, dann legte die Corona-Pandemie die Musikszene lahm. Jetzt aber ist es endlich so weit: Am 15. Oktober kommt endlich „Achtung Überlebensgefahr“, die erste Single „Kannst du mich hören“ erschien bereits am 27. August, mit einem spektakulären Musikvideo.

Schwessi macht praktisch von Kleinauf Musik – und seit ungefähr damals trägt sie auch den Spitznamen Schwessi, der ihr pragmatischerweise von ihrem Bruder verpasst wurde. Später stand sie mit dem Rap-Projekt schwess auf der Bühne, sang in der rein weiblich besetzten Rockband Jane From Out Of Space, war eine Hälfte eines Elektro-Akustik-Duos und schrieb Songs für Theaterstücke, Hörspiele und Kindermusicals. Aus all diesen Stationen nahm sie Erfahrungen mit, die jetzt auf wunderbare Weise in ihren eigenen Songs zusammenfinden. 

Die Single „Kannst du mich hören“ erschien am 27. August bei Pussy Empire Recordings, die zweite Single-Auskopplung „Wer ist das Volk“ am 1. Oktober – und das Album „Achtung Überlebensgefahr“ gibt‘s am 15. Oktober 2021

Schwessi
Achtung Überlebensgefahr

Label: Pussy Empire Recordings
VÖ: 15.10.2021
Genre: Pop, Rock
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