Landkreis Alzey-Worms

Anwohner wehren sich gegen Eventlocation in Hochborn, Pächter hält dagegen

Während Hochzeiten und andere Feierlichkeiten in der Pandemie nur eingeschränkt möglich waren wird 2022 wieder gefeiert und so manches verschobene Fest nachgeholt. Auch im Weingut Hahn in Hochborn, einer Eventlocation, die sich auf Hochzeiten spezialisiert hat, feierten in diesem Jahr viele Paare ihren schönsten Tag. Doch die Anwohner stört dies massiv. Von schönsten Tagen ist bei ihnen schön länger keine Rede mehr. 

Die Betreiber der Eventlocation hätten über zwei Jahre ihr Gewerbe ohne Genehmigung ausgeführt, so eine Nachbarin, die ihren Namen nicht genannt haben will. Die Nutzungsänderung sei erst im Frühjahr 2022 genehmigt worden und dies, obwohl sich die Anwohner von Anfang an über nächtliche Ruhestörung beschwerten und bei den Ämtern anzeigten. Man würde sich nicht an Auflagen halten, nach 22 Uhr oder auch an Sonntagen die Ruhezeiten nicht einhalten. 

Um mehr Gehör und Aufmerksamkeit zu erhalten, riefen sie gegen die angeblich rücksichtlose Art der Besucher sowie der passiven Art der Betreiber zu einer friedlichen Kundgebung auf. Gefolgt sind dem Aufruf etwas mehr als ein Dutzend Nachbarn. 

Im Gespräch mit dem Pächter Steffen Gebhardt gegen über dieser Zeitung ergibt sich ein vollkommen anderes Bild. Bereits in der 2. Jahreshälfte 2021 habe man nach ersten Klagen der Anwohner zu einem Bürgertreffen geladen und die Nöte und Fragen der Anwohner gemeinsam erörtern wollen. Daraufhin wurde ein Lärmschutzgutachten erstellt, dass man als Maßstab für die Lautstärke der Feierlichkeiten ansetze, aber in den meisten Fällen weit unterschreite. Ein Dorn im Auge der Anwohner seien die Freien Trauungen auf der Wiese hinter der Location. Diese dauerten meist nicht länger als 45 Minuten, während denen 3-4 Lieder live performt und ein Trauredner*in mit Mikrofon spreche und dies meist zu Beginn der Veranstaltung in den Nachmittagsstunden. Die Anwohner gingen mittlerweile so weit, dass sie vom Balkon angrenzender Häuser mit Technomusik per Lautsprecher das Ja-Wort der Brautpaare torpedieren. 

Die Behauptung man habe keine Genehmigungen für Veranstaltungen am Sonntag sei schlichtweg falsch. Die engagierte Security wäre von Seiten Gebhardts beauftragt für Ruhe und Ordnung außerhalb der Location zu sorgen und weiteren Zwist zu vermeiden. Weder die Behauptungen über die Lärmbelästigung noch andere teils unappetitliche Behauptungen, wie sich Gäste auf dem Nachhauseweg verhielten, seien bisher mit Beweisen belegt worden. 

Auch den Behörden liegen keine offiziellen Ordnungswidrigkeiten, wie z.B. das nicht einhalten der Nachtruhe vor. Das Verhalten von Gästen und Besuchern außerhalb der Location kann den Betreibern nicht angelastet werden, so das Amt gegenüber der Zeitung. 

An ein friedliches Miteinander sei aber nicht mehr zu denken, so die Anwohner. Die Betreiber hätten nun ihrerseits sogar Anwohner angezeigt, weil sie ihren Rasen mähten und dies die Religionsausübung innerhalb der Location störe. Sie würden gar von Betreiber und dessen Security bedroht. 

Gebhardt wiederum sagt, eine Anzeige sei bisher noch schwebend. Er macht aber auch deutlich, dass eine friedliche Kundgebung für ihn nicht heißt, dass man mit Trillerpfeifen und Buhrufen ein frisch getrautes Brautpaar mit in den Konflikt zieht. Weiterhin führt er an, dass sein Unternehmen mittlerweile 13 Festangestellte beschäftige, eine beachtliche Summe an Gewerbesteuer zahle, für Auslastungen in Hotels in der Umgebung sorge und man mit der Location für eine Aufwertung des Angebots in der Region sorge. Das Verhalten der Anwohner sei teils existenzbedrohend, wenn z.B. falsche Google Bewertungen abgegeben würden, mindestens jedoch geschäftsschädigend. 

Die Situation wäre nicht immer so gewesen, so die Anwohner gegenüber dieser Zeitung. Mit dem vorherigen Betreiber, dem Besitzer des Weingutes Hahn, hätte es keinerlei Probleme gegeben. Man habe ein gutes nachbarschaftliches Miteinander gepflegt, sei auf dessen Weinverkostungen und jährlichen Festen stets Gast gewesen. Natürlich habe man im ersten Schritt mit dem Pächter, Herrn Gebhardt das Gespräch gesucht, doch nachdem sich die Situation nicht änderte, wurden Bürgermeisterin, Verbandsgemeinde sowie der Landrat kontaktiert. Die Anwohner haben schriftlichen Widerspruch gegen die Genehmigung der Eventlocation eingereicht und hoffen nun auf den Entzug derselben. Auch Gebhardt behält sich weiter juristische Schritte vor. Bei den verhärteten Fronten wird vermutlich am Ende ein Richter*in entscheiden müssen. 

Foto © Mirco Metzler

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