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Das Leben in den Zeiten von Corona – Gespräch mit Clemens Traub

Interview

Clemens Traub, geboren 1997 in Karlsruhe, studiert Politik an der Johannes-Gutenberg-Universität zu Mainz und arbeitet als studentischer Mitarbeiter in der heute-Redaktion des ZDF. Seinen Freun- deskreis beschreibt er als sehr grün, er selbst ist SPD-Mitglied. Bei »Fridays for Future« mitzulaufen ist für viele in seinem Umfeld Pflicht. Traub wuchs in einem verschlafenen Dorf auf und kritisiert heute die moralische Überheblichkeit seiner großstädtischen Freunde. Sein kritischer Artikel über die »Fridays for Future«-Bewegung hat weithin Beachtung gefunden.

Wie hat sich Ihr Zuhause oder Ihr Platz zum Schreiben in den letzten Wochen verändert?

Da ich seit Corona deutlich häufiger an meinem Schreibtisch sitze, ist es ordentlicher geworden. Wenn Corona etwas Positives bewirkt hat, dann das!

Wer leistet Ihnen zu Hause Gesellschaft?

Meine lieben Studenten-WG-Mitbewohner.

Was haben Sie Neues gelernt in den letzten Wochen?

Hört sich zwar etwas abgedroschen an, aber im Leben ist anscheinend tatsächlich nichts planbar.

Und wofür brauchen Sie am meisten Disziplin?

Nach wie vor für das Geschirrabspülen. Wenn man meinen WG-Mitbewohnern Glauben schenken mag, bin ich der schlechteste Geschirrspüler der Welt. Vielleicht sollte ich über einen professionellen Work-Shop bei meiner Oma nachdenken.

Wofür oder für wen haben Sie die Regeln gebrochen?

Uh, bevor ich lügen muss, gestehe ich meine Taten: für meine Freundin.

Was hilft, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt? Haben Sie einen Tipp?

Alte Lieblingsfilme anschauen und im nächstgelegenen Wald zur Lieblingsmusik joggen gehen.

Können Sie der aktuellen Zeit auch etwas Positives abgewinnen?

Die viel gemeinsam verbrachte Zeit mit meinen engsten Freunden.

Gibt es etwas, wofür Sie sich interessieren, wofür Sie sich vor Corona noch nicht interessiert haben?

Tatsächlich versuche ich etwas Persisch zu lernen, in meinen Augen eine der poetischsten Sprachen der Welt. Meine Freundin ist Iranerin. Aber bisher ist der Fortschritt doch sehr desillusionierend.

Was sind Ihre Pläne für die Zeit nach Corona? Worauf freuen Sie sich am meisten?

Am meisten freue ich mich darauf, endlich wieder meine Familie in meiner schönen Heimat, der deutschen Weinstraße, besuchen zu können. Auch kann ich Lesungen aus meinem Buch kaum abwarten. Das wird sicherlich spannend und interessant. Auch über einen Urlaub in Italien oder den USA denke ich nach.

Was ist die richtige Lektüre, um auch die nächsten Wochen zu überstehen?

Eines meiner absoluten Lieblingsbücher: der amerikanische Roman „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ von Carson McCullers. Ein geniales und herzzerreißendes Buch, das perfekt für die Alltagsflucht geeignet ist.

Welches Kinderbuch empfehlen Sie, wenn der Vorlesestoff demnächst ausgeht?

Meine Mutter las mir immer „Wir Kinder aus dem Möwenweg“ vor. Zwar kein typisches Kinderbuch, aber auch den Klassiker „Moby Dick“ liebte ich.

Warum lohnt es sich, Ihr aktuelles Buch zu lesen?

Es ist ein interessanter „Insider“ über die „Fridays for Future“-Bewegung geworden. Außerdem liefert es, da ich beide Welten bestens kenne, interessante Einblicke in die Spaltung unserer Gesellschaft. Für politisch interessierte Leser eine absolute Empfehlung!

Welches Buch lesen Sie selbst gerade?

„Rückkehr nach Reims“ von Didier Eribon; ein großartiges und wichtiges politisches Buch.

Welchen Lieblingsbuchhändler/Lieblingsbuchhändlerin möchten Sie an dieser Stelle besonders grüßen?

Der „Bücher Pausch“ im pfälzischen Kandel war der Buchhändler meiner Kindheit. Mit großer Belustigung blicke ich zurück: „Die Wilden Kerle“ war das erste Buch meines Lebens, das ich alleine kaufte.

Interview © Bastei Lübbe

Bild © Clemens Traub

Das aktuelle Buch: „Future for Fridays? Streitschrift eines jungen ‚Fridays for Future‘ Kritikers“ 

Clemens Traub – Future for Fridays?
Genre: Politik und Gesellschaft
Verlag: Quadriga
ISBN: 978-3-86995-098-3
Veröffentlichung: 28.02.2020
Preis: 14,90 €
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Deutschland sucht die Supermoral – Warum »Fridays for Future« gerade unsere Zukunft verspielt
Seit die Schwedin Greta Thunberg systematisch die Schule geschwänzt hat, um gegen die aktuelle Klimapolitik zu demonstrieren, ist eine weltweite Bewegung entstanden. Vor allem Schüler und Studenten haben das Thema Klimaschutz auf die öffentliche Agenda gesetzt. Doch es wächst auch Kritik an der Bewegung.
Clemens Traub, als ehemaliger »Fridays for Future«-Demonstrant weit davon entfernt, den Klimawandel zu leugnen, distanziert sich von seinen Altersgenossen der Klimabewegung. Seine These: Sie treibt die soziale Spaltung unserer Gesellschaft aktiv voran und riskiert einen Bürgerkrieg: Hier die gebildeten Klima-Eliten –– dort die tumben Umweltzerstörer.
Wo ist der Raum für differenzierte Zwischentöne und einen sachlichen Meinungsaustausch? Klimapolitik muss sozial gerecht und vernünftig gedacht sein. Wer den gesellschaftlichen Zusammenhalt riskiert, wird die Welt nicht retten. Höchste Zeit für eine kluge Streitschrift.

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