Interviews

Das Leben in den Zeiten von Corona, Gespräch mit Lydia Ruwe

Interview

Lydia Ruwe ist in den Kindermedien zu Hause: Nach Stationen bei Festivals, Medienprojekten und als Kinderbuchlektorin erhielt sie 2016 ein Autorinnenstipendium der Akademie für Kindermedien. Sie entwickelt und kuratiert Inhalte für Kinder und Jugendliche und schreibt u.a. für den KiKA. Am allerliebsten denkt sie sich in ihrem Berliner Schrebergarten neue Abenteuer für Irmelina Geisterkind aus.

Wie hat sich Ihr Alltag verändert in den letzten Wochen?

Vor allem die Freizeit hat sich verändert: Keine Verabredungen mit Freund*innen und Familie, keine Reisen, Veranstaltungen oder Sportkurse. Ich habe großes Glück, dass mein Arbeitsall- tag wenig betroffen ist: Als Autorin arbeite ich sowieso von zu Hause, und mein Teilzeitjob hat sich nun vorübergehend auch ins Homeoffice verlagert. Lesungen fallen natürlich leider erst mal aus.

Wo schreiben Sie aktuell – Schreibtisch, Sofa, Küchentisch, Balkon, Garten?

Am liebsten schreibe ich sowieso im Schrebergarten. Da kann ich den Meisen beim Nestbau zuschauen und zwischendurch den Acker umgraben oder Gemüse aussäen.

Wer leistet Ihnen zu Hause Gesellschaft?

Irmelina, Juna und jede Menge anderer Romanfiguren tummeln sich hier – und natürlich mein Mann.

Welche Schutzmaßnahme fällt Ihnen überraschend leicht?

Einmal mehr Zeit zu Hause zu verbringen ist auch ein toller Kontrast zu dem sonst recht voll- gestopften Alltag. Es ist eine Gelegenheit, gewisse Strukturen oder Muster einmal zu hinter- fragen – eine Entschleunigung.

Und was fehlt Ihnen am meisten oder wofür brauchen Sie am meisten Disziplin?

Ich bin froh, dass es Videokonferenzen gibt und Sozialkontakte auf diese Weise möglich sind, aber es ist eben doch nicht dasselbe, wie sich gegenüberzustehen, etwas gemeinsam zu unternehmen oder sich mal in den Arm zu nehmen. Ich freue mich sehr, wenn normale Treffen wieder möglich sind!

Was hilft, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt? Haben Sie einen Tipp?

Nach zu vielen Gesprächen am Computer werde ich manchmal richtig zappelig, dann hilft mir Bewegung an der frischen Luft – zum Glück ist das erlaubt. Eine Runde spazieren, Springseil springen oder einfach mal zu lauter Musik tanzen, das kann ich alles sehr empfehlen.

Wovon haben Sie Vorräte angelegt?

Ich esse sehr gerne Gurkensalat und musste mich anfangs beim Gurkeneinkauf wirklich zügeln – ich wollte ja auch niemandem etwas wegkaufen. Aber für Abhilfe ist gesorgt: Die Gurkenpflanzen wachsen schon im Garten, und bald kann ich bestimmt eigene Salatgurken ernten.

Wie viele Rollen Klopapier besitzen Sie aktuell?

Nur vier, aber ich habe gehört, dass mittlerweile sogar weniger Toilettenpapier verkauft wird als üblich. Ich mache mir also keine Sorgen um den Nachschub.

Was ist die richtige Lektüre, um die nächsten Wochen zu überstehen?

In dieser Zeit kann man sich eigentlich mal an die dicken Wälzer wagen, die schon lange ungelesen im Bücherregal warten – die halten dann auf jeden Fall eine Weile. Bei mir schlummert da zum Beispiel noch ein ganz spezieller Fall mit über 800 Seiten: Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten.

Welches Kinderbuch empfehlen Sie, wenn der Vorlesestoff demnächst ausgeht?

Als Kind habe ich die lustigen „Vier verrückte Schwestern“-Bücher geliebt, und meine Schwester hat damit sogar lesen gelernt. Mittlerweile gibt es sie allerdings nur noch gebraucht zu kaufen. Ich bin auch großer Fan der Mira-Comics! Die sind toll, authentisch, Mira ist absolut liebenswert – und am Ende gibt es sogar Zeichentipps für Kinder.

Warum lohnt es sich, Ihr aktuelles Buch zu lesen?

Wer in diesen Zeiten einmal eine Stippvisite in die Welt der Naturgeister machen möchte, der ist in dem kleinen Ort Hügelhausen genau richtig. Denn dort spielt „Irmelina Geisterkind“, und gemeinsam mit dem Menschenmädchen Juna erlebt sie allerhand Abenteuer. Nicht nur die Geschichte macht neugierig auf die Natur, auch der Basteltipp am Ende des Buchs. Und die Anleitung zur Baumbestimmung kann gleich beim nächsten Spaziergang ausprobiert werden – denn das ist ja zum Glück alles noch erlaubt.

Welches Buch lesen Sie selbst gerade?

Ich muss gestehen: gar keins. Ich schreibe aktuell an einem neuen Buch und ehrlich gesagt lese ich selten parallel zur heißen Schreibphase. Ich möchte mich ganz auf die Welt meiner Geschichte einlassen können. In meinen „Schreibpausen“ lese ich dafür umso mehr und schneller. Ich atme die Bücher regelrecht weg.

Was möchten Sie dem Buchhandel zum Durchhalten mitgeben?

Ich finde es wahnsinnig toll, wie schnell der Buchhandel auf die Situation reagiert und innovative Ideen umsetzt. Ich spüre auch eine große Solidarität mit dem lokalen Handel. Jede Krise ist auch immer die Chance für etwas Neues, eine Veränderung.

Welchen Lieblingsbuchhändler/Lieblingsbuchhändlerin möchten Sie an dieser Stelle besonders grüßen?

Oh, gerne die Buchhändlerinnen in meinem Kiez, die ein großes Herz für Kinder- und Jugend- literatur haben: die Grohnsche Buchhandlung und die Buchhandlung Odradek.

Das aktuelle Buch: „Irmelina Geisterkind – Das Geheimnis der Dorfeiche“

Lydia Ruwe – Irmelina Geisterkind – Das Geheimnis der Dorfeiche: Band 1
Genre: Erzählendes Kinderbuch
Verlag: Boje
ISBN: 978-3-414-82568-1
Veröffentlichung: 27.03.2020
Preis: 12,00 €
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