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Das Leben in den Zeiten von Corona – Gespräch mit Mara Andeck

Interview

Mara Andeck wurde 1967 geboren. Sie hat Journalismus und Biologie studiert, volontierte beim WDR und arbeitet heute als Wissenschaftsjournalistin. Sie lebt mit ihrem Mann, zwei Töchtern und ihrem Hund in einem kleinen Dorf bei Stuttgart.

Wie hat sich Ihr Zuhause oder Ihr Platz zum Schreiben in den letzten Wochen verändert?

Mein Platz zum Schreiben ist unverändert, ich arbeite ja immer im Homeoffice. Bis jetzt hat sich nur mein Wohnzimmer ein bisschen verändert. Dort steht jetzt nämlich ein altes Trimm- rad und guckt mich vorwurfsvoll an. Noch weiche ich seinem Blick verlegen aus … Verändert hat sich auch meine Terrasse. In den Blumentöpfen wachsen jetzt Kartoffeln, weil ich keine Blumen hatte. Mein Hundekind hat die zwar anfangs alle wieder ausgegraben, aber nach dem zweiten Pflanzen habe ich ein Netz über die Töpfe gespannt, jetzt bleiben sie drin und gedeihen sehr gut. Ich muss immer lachen, wenn ich sie sehe.

Wer leistet Ihnen zu Hause Gesellschaft?

Mein Mann und meine beiden Hunde.

Was haben Sie Neues gelernt in den letzten Wochen?

Ich habe viele Menschen neu kennengelernt. Manche mag ich jetzt mehr, manche weniger.

Und wofür brauchen Sie am meisten Disziplin?

Ich versuche, fröhlicher zu wirken, als ich bin. Jammern hilft ja echt keinem. An manchen Tagen ist das leichter, an anderen schwerer.

Wofür oder für wen haben Sie die Regeln gebrochen?

Gar nicht. Ich finde die Regeln nachvollziehbar und kann sie leicht einhalten. Allerdings niese ich nur im größten Notfall in die Armbeuge, das finde ich eklig, besonders bei T-Shirt-Wetter. Ich benutze Taschentücher, wann immer es geht.

Was hilft, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt? Haben Sie einen Tipp?

Kartoffeln in Blumentöpfe pflanzen. Hunde. Lachen!!! Ganz allein Karaoke singen. Lesen!!!

Können Sie der aktuellen Zeit auch etwas Positives abgewinnen?

Natürlich fallen mir auch jetzt sehr viele positive Dinge ein, und ich erlebe auch viel Positives. Aberder Pandemie kann ich nichts Gutes abgewinnen. Wirklich gar nichts. ☹

Gibt es etwas, wofür Sie sich interessieren, wofür Sie sich vor Corona noch nicht interessiert haben?

Gartenarbeit. Ich war bisher eher der Gartentyp, der mit einer Kaffeetasse im Grünen sitzt. Und Unkraut ist ja auch grün. Jetzt denke ich manchmal darüber nach, ob ich nicht doch gestaltend in die Wildnis hinterm Haus eingreifen sollte, statt nur Blumentöpfe zu bepflanzen. Dieser Denkprozess ist allerdings noch nicht abgeschlossen.

Was sind Ihre Pläne für die Zeit nach Corona? Worauf freuen Sie sich am meisten?

Ich habe gerade starkes Meerweh und möchte unbedingt baldmöglichst an einem einsamen, nordischen Strand spazieren gehen.

Was ist die richtige Lektüre, um auch die nächsten Wochen zu überstehen?

Ich lese gerade bevorzugt historische Romane, die vor der Entdeckung des Penicillins spielen. In einer Zeit also, in der man noch an Krankheiten sterben konnte, die uns heute nicht mal mehr ins Bett zwingen. Damals mussten die Leute auch damit klarkommen, dass ein zunächst harmloser Schnupfen tödlich enden konnte. Und wir müssen das immer noch, auch wenn wir es manchmal vergessen. Es ist hilfreich, sich das manchmal klarzumachen.

Welches Kinderbuch empfehlen Sie, wenn der Vorlesestoff demnächst ausgeht?

„Die Saurios“ von Stephanie Polák, ein Vorlesebuch für Kinder ab fünf, das in eine spannende, lustige, von Echsen bewohnte Wildwest-Welt entführt. Ein Buch mit sehr viel Sprachwitz, das auch Erwachsenen beim Vorlesen Spaß macht.

Warum lohnt es sich, Ihr aktuelles Buch zu lesen?

Ich versuche immer, meine Leserinnen und Leser zum Lachen oder wenigstens zum Lächeln zu bringen. Nicht mit jeder Zeile, aber doch, so oft es die Handlung zulässt. Und jedes Lachen stärkt das Immunsystem und verbessert die Laune nachhaltig. Das ist wissenschaftlich erwiesen.

Welches Buch lesen Sie selbst gerade?

„Eine Buchhandlung auf Reisen“ von Christopher Morley. Ein hinreißendes, warmherziges, witziges Buch über eine Frau Anfang des 20. Jahrhunderts, die einem spontanen Entschluss folgend ihre Farm verlässt und eine fahrende Buchhandlung übernimmt, die in einem bewohn- baren Pferdewagen untergebracht ist.

Welchen Lieblingsbuchhändler/Lieblingsbuchhändlerin möchten Sie an dieser Stelle besonders grüßen?

Ich grüße alle Buchhändler*Innen sehr herzlich. Und ganz besonders Christoph Neumann von „Leanders Bücherwelt“ in Neu-Isenburg. Ich habe ihn im vergangenen Sommer bei einer Lesung kennengelernt und war  beeindruckt von  seiner  Freundlichkeit und  von seiner Leidenschaft für Bücher. Hoffentlich geht es ihm gut!

Interview © Bastei Lübbe

Bild © Tomas Rodriguez

Das aktuelle Buch – Wunder & so – Falls ich dich vermisse

Mara Andeck – Falls ich dich vermisse
Genre: Erzählendes Jugendbuch
Verlag: Boje
ISBN: 978-3-414-82571-1
Veröffentlichung: 28.02.2020
Preis: 12,90 €
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