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Das Leben in den Zeiten von Corona – Gespräch mit Sarah Lark

Interview

Sarah Lark, geboren 1958, wurde mit ihren fesselnden Neuseeland- und Karibikromanen zur Bestsellerautorin, deren Bücher in über 20 Ländern erscheinen. Nach ihren Auswanderersagas überzeugt sie inzwischen auch mit mitreißenden Romanen über Familiengeheimnisse und Lebensträume. Sarah Lark ist das Pseudonym einer er- folgreichen deutschen Schriftstellerin, die inSpanien lebt. Unter dem Autorennamen Ricarda Jordan schreibt sie
große historische Romane.

Wie hat sich Ihr Alltag verändert in den letzten Wochen?

So gut wie gar nicht. Obwohl wir in Spanien sehr viel schärfere Ausgangssperren haben als in Deutschland, bin ich doch sehr privilegiert. Ich lebe auf einer 3 Hektar großen Finca und habe zudem einen Hinterausgang, der direkt auf unbefestigte Wege führt. Also können wir alle reiten und spazieren gehen, wohin und wie lange wir wollen. Unsere „Pferdepaten“ und Einsteller sind auch durchweg nicht bange und kümmern sich trotz aller Verbote um ihre Pferde. Und nachmittags arbeite ich sowieso am Computer. Ich gehe ein bisschen seltener einkaufen – es gibt die absurdesten Regelungen, die immer mit Schlangestehen verbunden sind. Also schicke ich meinen Mitarbeiter, der dann eben für beide Familien einkauft – und sehr viel Geduld aufbringt, wenn es mal wieder endlos dauert. Er kennt inzwischen sogar schon meine Lieblingsweinsorten – ich muss also auf nichts verzichten.

Wo schreiben Sie aktuell – Schreibtisch, Sofa, Küchentisch, Balkon, Garten?

Am Schreibtisch wie immer.

Wer leistet Ihnen zu Hause Gesellschaft?

Im Haus meine Hunde Buddy und Floppy, meine Katzen Nschotschi und Moses und mein Blutegel Wenzel. Letzterer ist allerdings recht introvertiert und trägt nicht viel zum Gemeinschaftsleben bei.

Draußen treffe ich natürlich meine fabelhaften Mitarbeiter Nelu und Anna und ihre Kinder, und meine Freundin Sarah, mit der ich fast jeden Tag ausreite.

Welche Schutzmaßnahme fällt Ihnen überraschend leicht?

Gar keine. Ich finde das alles weit übertrieben, und das Meiste ist logisch nicht nachvollziehbar. Warum steckt man sich beim Schlangestehen weniger an, als wenn sich einfach zehn Leute mehr im Supermarkt verteilen? Warum sind Supermärkte weniger gefährlich als etwa Einrichtungshäuser? (Ich hatte gerade angefangen, mein Haus zu renovieren, als alles schließen musste.) Was bringt es, im Auto eine Maske zu tragen? Oder auf dem Traktor, wenn man allein auf dem Feld arbeitet? Die selbstgemachten Masken scheinen ohnehin eher Modeaccessoires zu sein als Schutz. Hier laufen Damen mit selbstgehäkelten Teilen im Lochmuster herum. Da müsste das Virus schon die Größe eines Hamsters haben, um sich abschrecken zu lassen.

Und wofür brauchen Sie am meisten Disziplin?

Ich würde ganz gern mal wieder mit Freunden Tapas essen gehen – oder mir eben mal was beim Chinesen bestellen. Aber besonders dramatisch ist das nicht. Selbstdisziplin braucht man immer, wenn man Pferde ausbildet und Bücher schreibt, das ist kein Problem. Allerdings fehlt mir die wöchentliche Korrektur durch meine Reitlehrerin – und ich hasse diese Maske. Gleich nach dem ersten Tragen hatte ich Herpes. Auch ein Grund, lieber Nelu zum Einkaufen zu schi- cken. Der hasst sie auch, trägt das aber wie ein Mann. 😊

Was hilft, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt? Haben Sie einen Tipp?

Wein und Schokolade.

Wovon haben Sie Vorräte angelegt?

Wein und Schokolade. 😊 Nein, tatsächlich habe ich gar nichts gehamstert, die Supermärkte haben ja offen.

Wie viele Rollen Klopapier besitzen Sie aktuell?

Ich tippe mal auf über drei und unter zehn. Aber ich gehe jetzt nicht ins Bad und zähle.

(Hat eigentlich mal jemand darüber nachgedacht, einen 3-D-Drucker anzuschaffen, um sich im Zweifelsfall unabhängig von der Herstellung dieses lebenswichtigen Materials zu machen? Man könnte sich da zum Beispiel in Mietervereinigungen zusammenschließen. 😊)

Was ist die richtige Lektüre, um die nächsten Wochen zu überstehen?

Meine Freunde und ich entwerfen zurzeit Dystopien – beispielsweise das Gedankenspiel: Die Ansteckungshäufigkeit Männer zu Frauen steht 70 zu 30 Prozent. Trotzdem können Frauen hochvirulent sein. Ab wann müssen wir uns also zum Schutz der männlichen Bevölkerung ganzkörperverhüllen? Freiwillig natürlich – zumindest bis die ersten Lieferungen Plastik-Burkas ausgabefähig sind. 😊

Ansonsten empfehle ich natürlich immer meine eigenen Bücher. Wie wär’s mal mit einer Ri- carda Jordan? Die aktuelle – „Das Lied der Pferde“ – ist ideal, um dem Alltag zu entfliehen.

Welches Kinderbuch empfehlen Sie, wenn der Vorlesestoff demnächst ausgeht?

Ich kenne gar nicht viele Kinderbücher, ich könnte höchstens mit Ratgebern zur Welpen-Erziehung aufwarten.

Wenn ich Kindern etwas vorlesen soll, denke ich mir die Geschichten selber aus. Meistens solche, in denen das betreffende Kind selbst die Hauptrolle spielt. Kinder lieben das! Versuchen Sie es mal!

Warum lohnt es sich, Ihr aktuelles Buch zu lesen?

Es lenkt zuverlässig vom Weltgeschehen ab.

Welches Buch lesen Sie selbst gerade?

Carl Hagenbeck: „Von Tieren und Menschen“.

Uralt, ich brauche es zwecks Recherche für mein neues Buch. Aber es liest sich wirklich gut, deshalb zieht es mich auch außerhalb der Arbeitszeit in den Bann.

Was möchten Sie dem Buchhandel zum Durchhalten mitgeben?

Ich denke, alle Menschen werden froh sein, wenn sie wieder richtige Bücher anfassen und in Buchhandlungen stöbern können. Das macht einfach mehr Spaß als Einkaufen im Internet.

Aber grau ist alle Theorie. Vielleicht sollten wir Autoren einfach mal umsonst eine Lesung anbieten, wenn die Buchhandlungen wieder offen sind. In der Heimatstadt, damit keine Fahrtkosten anfallen. Ich mache das gern, wenn ich meine Eltern in Wentorf bei Hamburg besuche oder noch lieber in Detmold oder Lemgo in der Nähe meiner Freunde. Wenn jemand Interesse hat, können wir uns gern per Mail abstimmen.

Welche/n Lieblingsbuchhändler/Lieblingsbuchhändlerin möchten Sie an dieser Stelle besonders grüßen?

Roberto in Vera. Auch wenn der das Interview garantiert nicht liest.

Interview @ Bastei Lübbe

Foto © FinePic

Das aktuelle Buch – Das Lied der Pferde

Ricarda Jordan – Das Lied der Pferde
Genre: Historische Romane
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-17858-2
Veröffentlichung: 30.09.2019
Preis: 12,90
Amazon: Bei Amazon kaufen
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