Interviews

Das Leben in den Zeiten von Corona – Gespräch mit Sylvia Deloy

Interview

Sylvia Deloy, Jahrgang 1967, wuchs in einer kleinen Stadt in Nie- dersachsen auf. Sie studierte Kommunikationswissenschaft, Germanistik und Marketing und arbeitete danach als Redakteurin und Autorin für unterschiedliche TV-Sendungen. Sie schriebDrehbücher und Skripte für Comedy-Serien und erhielt 1999 gemeinsam mit einer Co-Autorin den zweiten Preis des Sat.1-Drehbuch-Wettbewerbs. 2011 veröffentlichte sie ihren ersten Liebesroman für Jugendliche mit dem Titel „Sterne, Stress undKussalarm“.
Sylvia Deloy lebt mit ihrem Ehemann und zwei Kindern in Köln.

Wie hat sich Ihr Zuhause oder Ihr Platz zum Schreiben in den letzten Wochen verändert?

Vor Corona war ich vormittags meist allein zu Hause und hatte täglich einige Stunden Zeit und Ruhe, um an meinem Manuskript zu arbeiten. Nun leisten mir meine beiden heranwachsenden Töchter Gesellschaft. Sie machen Homeschooling in der Küche, haben Videokonferenzen in meinem Büro und führen lange Facetime-Telefonate in der ganzen Wohnung. Und natürlich haben sie viele Fragen. Wie Mathe geht, wann das Mittagessen fertig ist, und ob es noch irgendwo weiße Socken gibt, zum Beispiel. Mit anderen Worten: Es geht in diesen Tagen sehr lebhaft zu bei uns, und ich bin froh, wenn das Wetter schön ist. Dann überlasse ich meinen Kindern drinnen das Feld, und ich flüchte mich in den Garten und schreibe dort.

Wer leistet Ihnen zu Hause Gesellschaft?

Meine beiden Töchter (siehe oben), ab und zu mein Mann (zuweilen auch im Homeoffice), und seit Neuestem eine kleine Entenfamilie, die eigentlich bei den Großeltern wohnt und nun bei uns (Corona-) Ferien macht.

Was haben Sie Neues gelernt in den letzten Wochen?

Ich habe gelernt, was „Zoom“ ist – und wie es funktioniert. Und dank YouTube weiß ich jetzt, wie man eine Maske näht. Und ich habe gelernt, dass man sich überraschend schnell an Umstände gewöhnt, die bis vor kurzem noch undenkbar waren.

Und wofür brauchen Sie am meisten Disziplin?

Dafür, mich allen Unsicherheiten und Ablenkungen zum Trotz jeden Morgen an den Computer zu setzen und konzentriert an meinem aktuellen Manuskript zu arbeiten.

Wofür oder für wen haben Sie die Regeln gebrochen?

Ich war bisher standhaft! ☺

Was hilft, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt? Haben Sie einen Tipp?

Ich gehe dann laufen. Zu zweit (dann natürlich mit Abstand) oder allein (dann mit Guter-Laune-Musik auf den Ohren). Sich auspowern an der frischen Luft tut der Gesundheit gut – und dem Gemüt sowieso.

Können Sie der aktuellen Zeit auch etwas Positives abgewinnen?

Es entsteht gerade viel Kreativität und Solidarität. Leute gehen für ihre Nachbarn einkaufen, es wird bei offenem Fenster musiziert und gesungen. Menschen rücken in dieser schwierigen Zeit enger zusammen. Es wäre schön, wenn man davon ein bisschen was rüber retten könnte in die Zeit nach Corona.

Gibt es etwas, wofür Sie sich interessieren, wofür Sie sich vor Corona noch nicht interessiert haben?

Ich habe angefangen, regelmäßig Podcasts zu hören. Gerne Lustiges, aber auch Podcasts, in denen es um Achtsamkeit, gesundes Leben und Nachhaltigkeit geht. Das werde ich auch nach Corona beibehalten.

Was sind Ihre Pläne für die Zeit nach Corona? Worauf freuen Sie sich am meisten?

Ich freue mich am meisten darauf, wieder verreisen zu können, wohin ich möchte. Und darauf, bei uns ein großes Gartenfest zu machen, mit vielen Freunden und Nachbarn, Lampions in den Bäumen und leckeren Würstchen auf dem Grill!

Was ist die richtige Lektüre, um auch die nächsten Wochen zu überstehen?

Geschichten, die einen in eine andere Welt entführen, Hoffnung machen und etwas fürs Herz sind.

Welches Kinderbuch empfehlen Sie, wenn der Vorlesestoff demnächst ausgeht?

Ich fand es toll, und meine Töchter auch, als ich es ihnen vor einigen Jahren vorgelesen habe: „Sommersprossen auf den Knien“ von der norwegischen Autorin Maria Parr.

Warum lohnt es sich, Ihr aktuelles Buch zu lesen?

Mein Buch „Das Glück ist zum Greifen da“ ist eine romantische Komödie. Es geht um die junge Serbin Ana, Mutter von musikalisch hochbegabten Zwillingen, die eines Tages Post vom Ausländeramt bekommt, mit der Nachricht, dass sie und ihre Kinder Deutschland verlassen müssen. Ana beginnt, für ihr Bleiberecht zu kämpfen, und erhält viel Unterstützung von Freunden und Nachbarn – und von dem netten, aber chaotischen Musiklehrer ihrer Kinder. Ana geht auch gerade durch eine schwierige Zeit, doch sie verliert weder Mut noch Humor. Das kann man sich von ihr abgucken, und deshalb lohnt es sich auch, das Buch zu lesen. Und weil es ein aktuelles Thema aufgreift, und von Freundschaft und Zusammenhalt erzählt.

Welches Buch lesen Sie selbst gerade?

Ich lese gerade „Die Geschichte des verlorenen Kindes“ von Elena Ferrante. Es ist der vierte und letzte Band ihrer neapolitanischen Saga, und eigentlich wollte ich mir den für unseren Sommerurlaub an der italienischen Latiumküste aufsparen. Doch nach Italien werden wir ja nun nicht reisen können und Neapel nicht besuchen. So lese ich es also jetzt schon. In den Urlaub werde ich dann unter anderem „Ostseegruft“ von Eva Almstätt mitnehmen, denn wir haben umdisponiert und werden einige Tage an der Ostsee verbringen.

Welchen Lieblingsbuchhändler/Lieblingsbuchhändlerin möchten Sie an dieser Stelle besonders grüßen?

Ich grüße ganz herzlich das Team von ‚BuchKultur‘ in Köln. Das ist unsere kleine „Veedels“- Buchhandlung in KölnRiehl, gleich bei mir um die Ecke, und ich bin sehr froh, dass es sie gibt.

Interview © Bastei Lübbe

Bild © Sergej Maingardt

Das aktuelle Buch – Das Glück ist zum Greifen da

Sylvia Deloy – Das Glück ist zum Greifen da
Genre: Roman
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-17921-3
Veröffentlichung: 31.01.2020
Preis: 10,00 €
Amazon: Bei Amazon kaufen
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