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Das Leben in den Zeiten von Corona – Gespräch mit Tabea Bach

Interview

Tabea Bach war Operndramaturgin, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Sie wurde in der Hölderlin-Stadt Tübingen geboren undwuchs in Süddeutschland sowie in Frankreich auf. Ihr Studium führte sie nach München und Florenz. Heute lebt sie mit ihrem Mann in einem idyllischen Dorf im Schwarzwald, Ausgangspunkt zahlreicher Reisen in die ganze Welt. Die herrlichen Landschaften, die sie dabei kennenlernt, finden sich als atmosphärische Kulisse in ihren Frauenromanen wieder.

Wie hat sich Ihr Alltag verändert in den letzten Wochen?

Lesungen wurden leider abgesagt. Dafür bekomme ich eine Menge Anfragen zu Radio-Lesungen, Podcasts, Stellungnahmen und sogar kleinen Videolesungen. Und natürlich sind wir alle ein wenig einsamer geworden.

Wo schreiben Sie aktuell – Schreibtisch, Sofa, Küchentisch, Balkon, Garten?

Da ich ohnehin immer im Homeoffice arbeite, ändert sich da nichts für mich. Ich arbeite an meinem Schreibtisch, so wie immer.

Wer leistet Ihnen zu Hause Gesellschaft?

Mein Mann, der ebenfalls freiberuflich arbeitet – auch das ist wie vor Corona.

Welche Schutzmaßnahme fällt Ihnen überraschend leicht?

Da ich in einem kleinen Schwarzwalddorf wohne, fällt mir das sogenannte „social distancing“ nicht schwer. Nach wie vor unterhalte ich mich mit der Nachbarin über den Zaun hinweg (Abstand inbegriffen) oder bei meinem täglichen Waldspaziergang mit den üblichen Hunde-Besitzern, nur eben mit zwei Metern mehr Abstand. Ich bin sehr froh darüber, dass mein Alltag sich nicht so wesentlich verändert hat.

Und was fehlt Ihnen am meisten oder wofür brauchen Sie am meisten Disziplin?

Ich bin sehr traurig darüber, meine Freundinnen schon so lange nicht mehr getroffen zu ha- ben. Geburtstagsfeiern mussten ausfallen, ebenso lieb gewordene Rituale wie die Tasse Kaf- fee in unserem Lieblingscafé nach dem Einkaufen. Bei uns gleich um die Ecke ist ein Fitness Verein, wo mein Mann und ich regelmäßig trainieren – der ist jetzt natürlich geschlossen. Auch wird unser Freibad sicherlich dieses Jahr nicht öffnen, das ich normalerweise während der Saison fast jeden Morgen als sogenannte „Frühschwimmerin“ mit eigenem Schlüssel gleich morgens um 7 Uhr so gerne besuche. Stattdessen steht uns der Wald hinter unserer Haustür offen, und dafür bin ich sehr dankbar. Disziplin ist notwendig, um mein Fitnessprogramm auf zuhause umzustellen, und das gelingt nicht immer.

Was hilft, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt? Haben Sie einen Tipp?

Wir in Deutschland dürfen ja immerhin noch das Haus verlassen. Ein Teil meiner Familie lebt in Madrid, wo die Menschen nun schon im 2. Monat in ihren Wohnungen bleiben müssen und nur zum Einkaufen „raus“ dürfen. Ich rate jedem, dem die Decke auf den Kopf fällt, eine Grün- anlage aufzusuchen, die es ja in allen Städten gibt, dort allerdings wirklich Abstand zu wahren. Oder sich ein gutes Buch zu holen und in die Geschichte einzutauchen.

Wovon haben Sie Vorräte angelegt?

Für mein Frühstücksbrot „brauche“ ich Mandelmus und Honig von einem lokalen Imker. Davon habe ich mir ein paar Gläser in den Schrank gestellt. Mein Mann dagegen hat sich mit Nüssen eingedeckt. Jetzt, da ich darüber nachdenke, muss ich sehr lachen – wir sind offenbar so etwas wie Eichhörnchen.

Wie viele Rollen Klopapier besitzen Sie aktuell?

Jetzt bin ich tatsächlich nachzählen gegangen: Wir haben noch sieben Rollen von einer Großpackung. Sollte ich mir Sorgen machen?

Was ist die richtige Lektüre, um die nächsten Wochen zu überstehen?

Jeder Mensch ist anders. Ich empfehle jedem die Lektüre, die dafür sorgt, dass er sich wohlfühlt und ein gutes Gefühl zurückbehält. Beim einen sind das Krimis, beim anderen Liebesro- mane. Natürlich freue ich mich, wenn man Trost bei Tabea-Bach-Romanen findet.

Welches Kinderbuch empfehlen Sie, wenn der Vorlesestoff demnächst ausgeht?

„Malve will keine Elfe sein“ von Heike Abidi

Warum lohnt es sich, Ihr aktuelles Buch zu lesen?

Weil der Roman „Die Seidenvilla“ gerade in unserer Zeit, in der wir nicht verreisen können, wie eine Reise ins wunderschöne Veneto ist und den Leser mitten in eine spannende Geschichte voller sinnlicher Erlebnisse entführt. Wie eine begeisterte Leserin schrieb: „Ich war selbst in der Geschichte und fühlte mich, als sei ich ein Teil von ihr, als seien Angelas Freundinnen auch meine.“ Außerdem schwelgt man nur so in dem, was den schönsten Stoff der Welt ausmacht – die Seide.

Welches Buch lesen Sie selbst gerade?

„Ein Traum vom Glück“ von meiner lieben Kollegin Eva Völler

Was möchten Sie dem Buchhandel zum Durchhalten mitgeben?

Für jede einzelne kreative Idee, wie wir in diesen Zeiten Bücher zu den Lesern bringen können, möchte ich ein dickes Dankeschön sagen. Bitte macht weiter so und helft mit, dass unsere Branche überlebt – von uns Autoren angefangen über die wunderbaren Menschen in den Verlagen und natürlich den Buchhändlern, ohne die die Welt so viel ärmer wäre.

Welchen Lieblingsbuchhändler/Lieblingsbuchhändlerin möchten Sie an dieser Stelle besonders grüßen?

Ich möchte gerne drei grüßen: Sabine Katz von der Buchhandlung „Bücherstube“ in Gerns- bach, bei der man meine Bücher auch mit persönlicher Widmung bis ins Haus bestellen kann. Ebenso die Buchhandlung „Bücherwurm“ von der famosen Andrea Biedermann in Gaggenau.

Und Mila Becker von Buch & Präsent in Voerde.

Interview © Bastei Lübbe

Bild © Claudia Toman

Das aktuelle Buch: Die Seidenvilla Und ab 29.05.2020: „Im Glanz der Seidenvilla“

Tabea Bach – Die Seidenvilla
Genre: Roman
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-17962-6
Veröffentlichung: 27.03.2020
Preis: 11,00 €
Amazon: Bei Amazon kaufen
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