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Das Leben in den Zeiten von Corona – Gespräch mit Tina Frennstedt

Interview

Tina Frennstedt ist eine der renommiertesten Kriminalreporterin- nen Schwedens und gilt als Expertin für Fälle, die nie aufgeklärt wurden. Sie hat bei den Tageszeitungen „Dagens Nyheter“ und „Expressen“ gearbeitet. Ihre Reportagen über schwedische Krimi- nalfälle sind preisgekrönt und bilden den realitätsnahen Hinter- grund für ihr hochspannendes Thrillerdebüt „COLD CASE – Das verschwundene Mädchen“. Tina Frennstedt lebt in Stockholm und schreibt bereits an der Fortsetzung der COLD-CASE-Reihe.

Wie hat sich Ihr Alltag verändert in den letzten Wochen?

Als der Lockdown in Kraft trat, steckte ich gerade mitten in den Arbeiten an einer Fernsehsendung über Verbrechen. Ich bin also nicht wie die restlichen Schweden zu Hause geblieben, sondern habe – unter den nötigen Hygienevorkehrungen natürlich – Interviews mit der Polizei und Opfern geführt. Davon abgesehen hatte Corona auch Auswirkungen auf den Start meines neuen Buches, das in Schweden im März erschien („Cold Case: Das gezeichnete Opfer“): Alle für den Erscheinungstag geplanten Aktionen wurden gecancelt … Ich lebe seither also sehr digital, was leider ganz und gar nicht damit zu vergleichen ist, Leserinnen und Leser und überhaupt Menschen von Angesicht zu Angesicht zu treffen.

Wo schreiben Sie aktuell – Schreibtisch, Sofa, Küchentisch, Balkon, Garten?

An meinem Arbeitsschreibtisch und auf dem Sofa, beides im gleichen Raum. Ich schreibe nie draußen, ich muss mich auf meine Arbeit konzentrieren können.

Wer leistet Ihnen zu Hause Gesellschaft?

Tagsüber ist das meine Hündin Maja, ein zehn Monate alter Bichon Havaneser, und später dann meine Freundin. Außerdem natürlich meine Tochter, die die ganze Zeit über zur Schule geht – hier in Schweden bleiben die Schulen für jüngere Schülerinnen und Schüler geöffnet.

Welche Schutzmaßnahme fällt Ihnen überraschend leicht?

Als Schriftstellerin sitze ich zu Hause oder in einem Büro, um zu arbeiten, daher nehme ich in dieser Hinsicht kaum eine Veränderung wahr. Ich bin es auch gewohnt, meinen Tagesablauf selbst zu strukturieren.

Und was fehlt Ihnen am meisten oder wofür brauchen Sie am meisten Disziplin?

Nicht mehr an meinen Fingernägeln zu kauen! Oder auch nicht mehr ins Fitnessstudio gehen zu können, wobei ich jetzt wieder dort bin und nach dem Trainieren immer die Geräte desinfiziere … Hier in Schweden finden wir gerade langsam wieder in ein normales Leben zurück. Die Bars und Cafés in Stockholm sind wieder gut gefüllt, was auch ein wenig Angst macht …

Was hilft, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt? Haben Sie einen Tipp?

Geht joggen oder holt einen Hund in die Familie.

Wovon haben Sie Vorräte angelegt?

Von nichts. Ich habe mich gegen Hamsterkäufe gewehrt und trotzdem überlebt.

Die Deutschen hamstern Toilettenpapier und Mehl, die Franzosen Rotwein und Kondome, die Niederländer Cannabis und Käse. Was ist in Schweden derzeit stark nachgefragt und deswegen kaum erhältlich – und wie viel besitzen Sie persönlich davon?

Siehe meine vorherige Antwort. Ich schätze, die meisten Dinge sind in Schweden noch erhältlich …

Was ist die richtige Lektüre, um die nächsten Wochen zu überstehen?

Ich würde einmal ein Buch lesen, das irgendwo an der Küste von Österlen spielt und in dem es um einen Cold Case geht, einen ungeklärten Fall. Denn es wird sicherlich schwierig für Deutsche, diesen wunderschönen südlichen Teil Schwedens in diesem Jahr zu besuchen.

Welches Kinderbuch empfehlen Sie, wenn der Vorlesestoff demnächst ausgeht?

Alle Kinder sollten die „Good Night Stories for Rebel Girls“ gelesen haben.

Warum lohnt es sich, Ihr aktuelles Buch zu lesen?

Weil es um Cold Cases geht und darum, was mit Menschen geschieht, wenn diese Fälle ungeklärt bleiben. Und weil die Hauptfigur, Tess Hjalmarsson (und ihre Helferin Marie Erling) etwas anders tickt als traditionelle Ermittler. Und hoffentlich finden einige Leute es auch ein wenig unterhaltsam.

Welches Buch lesen Sie selbst gerade?

Ich habe gerade angefangen, den Krimi meiner schwedischen Kollegin und erfolgreichen Autorin Sofie Sarenbrant zu lesen. Gleichzeitig lese ich auch Werke meiner alten Heldin unter den Autorinnen: Patricia Cornwell. Als Inspiration für mein eigenes Schreiben und um zu verstehen, was sie so großartig macht/gemacht hat.

Welche Worte möchten Sie Buchhändlerinnen und Buchhändlern mit auf den Weg geben, um durchzuhalten?

Ich hoffe wirklich, dass die kleineren Buchhandlungen überleben werden. Ich genieße es so sehr, dorthin zu gehen und ein Buch in meiner Hand zu sehen, zu fühlen, bevor ich es kaufe. Buchhandlungen sind wunderbare Orte.

Interview © Bastei Lübbe

Bild © Gabriel Liljevall

Das aktuelle Buch: „Cold Case – Das verschwundene Mädchen“

Tina Frennstedt – Cold Case – Das verschwundene Mädchen
Genre: Thriller
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-431-04138-5
Veröffentlichung: 31.01.2020
Preis: 14,90 €
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Spannung pur von Schwedens neuer Top-Thrillerautorin
Er lauert Frauen in den frühen Morgenstunden auf. Er überfällt sie in ihren Wohnungen. Er tötet sie – und verschwindet. Als an einem Tatort Spuren auftauchen, die auf einen alten Vermisstenfall hinweisen, übernimmt Tess Hjalmarsson, Expertin für COLD CASES, die Ermittlungen. Hängt das spurlose Verschwinden der damals 19-jährigen Annika, deren Fall nie gelöst wurde, tatsächlich mit den aktuellen Serienmorden zusammen? Tess ermittelt unter Hochdruck. Ein Rennen gegen die Zeit beginnt. Denn eines ist sicher: Der Serienmörder wird wieder zuschlagen …

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