Interviews

Hunzgrippe

Interview

Hunzgrippe steht mit seinem Debüt-Album „Sparifankerl“ in den Startlöchern. Warum habt ihr euch entschieden, nach damaligen Bands in denen ihr gespielt habt, plötzlich in eurer bayrischen Heimatsprache zu singen?

Michi: Es war tatsächlich eine Herausforderung, denn es ist wirklich ganz was anderes als in Englisch oder auch Hochdeutsch zu texten. Und natürlich ist es, wenn man englischsprachige Sachen von uns noch im Ohr hat, auch erstmal ungewohnt.

Roli: Man kann mit seinem Dialekt viel besser seine Gefühle ausdrücken. Keine andere Sprache kann Empfindungen so ehrlich und klar darstellen wie die eigene Muttersprache.

Während sich andere Bands Producer und Studios buchen, habt ihr alles zu zweit gemacht. Wie kam das?

Roli: Da es bei uns technisch und auch spielerisch möglich war, alles zu zweit aufzunehmen, haben wir uns für die DIY-Variante entschieden. Ich habe mir im Keller ein kleines Studio eingerichtet, wo die Aufnahmen und der Mix stattfanden. Man hat halt keine langen Entscheidungswege und muss auch nicht warten, bis alle Bandmitglieder ihre Spuren eingespielt haben. Bei hoffentlich bald stattfindenden Liveauftritten werden wir aber schon mit einer Band auftreten.

Michi: Dafür haben wir mit verschiedenen sehr guten Herrschaften im Mastering gearbeitet, ganz unterschiedlich bei allen Songs. Das ist irgendwie wie eine Reise, könnte genauso auch auf einer Bühne inszeniert werden 🙂

Wo seht ihr euch eigentlich musikalisch? Was sind eure Einflüsse?

Roli: Vielleicht kann man es als NDW-Punk auf niederbayerisch bezeichnen. Meine Einflüsse kommen aus den unterschiedlichsten Musikstilen. Metal, Punk, Rock, Reggae usw. Sehr großen Einfluss auf mich haben Iron Maiden, Bad Religion und The Clash.

Michi: Ein Kollege sagte, dass man unsere Roots (aus dem Punk-Rock) wohl raushört bzw erkennt, woher wir kommen. Ich hab das mal als Lob gewertet, es hat was Eigenes mit stabilem Musikprägungsfundament 🙂

Euer Song „O´ Wanna“ hat eine erstaunliche Spielzeit von fast 9 Minuten – wieso macht man in Zeiten von Spotify und Limits von Spiellängen solch einen langen Titel?

Roli: Es ist zwar aus kommerzieller Sicht ein Desaster, aber manchmal braucht man solche Songs um auch sein Ego zu stärken in Hinsicht auf die songwriterischen Fähigkeiten. Bei „O´ Wanna“ war es mir wichtig, dass der Song in sich stimmig ist und auch nicht langweilig wird. Außerdem sollte er sich auch nicht so anhören, als würden nur verschiedene Soundfetzen aneinandergereiht. Michi: Trotz der modernen Arbeitsweise bei Veröffentlichungen & der starken Single-Ausprägung sehen wir uns weiterhin als Albumkünstler.

Textlich seid ihr schwer ausrechenbar, ihr malt viele Bilder und lasst Spielraum für Interpretationen. Ist das Absicht oder Gewohnheit?

Michi: Die Challenge, in seiner Muttersprache „Bayrisch“ zu singen, lässt zwanghaft vor Vollendung eines Textes jedes Wort auf eine Goldwaage legen. Vor allem im bayerischen Sprachgebrauch sind es ja nur Nuancen oder Betonungen, die etwas ganz ganz anders darstellen lassen. Und ich finde es ehrlich gesagt absolut klasse, wenn unsere Titel von Hörern ganz unterschiedlich aufgenommen werden. Und interpretiert werden. Und für Menschen auch benutzt werden. Darauf Feeback zu bekommen zeigt einem, dass es eigentlich nie aufhören soll mit Musikmachen…weil es wichtig ist…

Roli: Da weiß ich auch nicht immer, was in Michaels Kopf so vorgeht. Aber es stimmt, dass man die Songs verschieden interpretieren kann.

Ihr seid aufgewachsen mit den Ramones & Bad Religion. Ihr arrangiert anno 2021 aber wie moderne Bands der Neuzeit, lasst aber eure Wurzeln gerne und offensichtlich hörbar in eurem bunten Song-Cocktail. Seid ihr deshalb Punk oder Pop?

Roli: Auf jedem Fall mehr Punk als Pop. Wobei ich immer wieder gerne Synthie-Pop-Elemente in die Songs mit einbaue.

Michi: Ich denke die Texte zeigen klar, dass wir was zu sagen haben. Ergo: Kann das „Pop“ oder eher „Punk“? Die Etiketten sind vielleicht ein Relikt der Vergangenheit, aber ich für meinen Teil kann sagen, dass ich das ganze stilistisch grenzenlos sehe, ich aber niemals auf eine Message verzichten könnte.

Februar 2021

Hunzgrippe
Sparifankerl

Label: Modern Noise
VÖ: 21.05.2021
Genre: Alternativ & Indie
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