Interviews

Interview mit Christa Pöppelmann „Unser Schrebergarten für Dummies“

Die Sonne lacht. Die Menschen zieht es nach draußen in den heimischen Garten. Glücklich wer einen solchen sein Eigen nennen kann. Wem dieses Glück bislang verwehrt wurde, träumen davon. Doch Grundstücke sind rar und die Preise schnellen in ungeahnte Höhen. Da bietet der Erwerb eines eigenen Schrebergartens eine günstige Alternativ. Aber wie und vor allem wo finde ich einen Schrebergarten? Worauf sollte ich bei der Suche achten und mit welchen Kosten muss ich rechnen? Wir haben die Autorin von „Schrebergarten für Dummies“ Christa um Rat gefragt.

Wie und wo kann ich mich nach Schrebergärten umschauen? Gibt es da zum Beispiel eine Internet-Seite oder durch die Tageszeitung?

Kontaktadresse Nummer 1 sind die örtlichen Kleingartenvereine, beziehungsweise ihr überregionaler Dachverband, der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde. Die Webpräsenz lautet kleingarten minus Bund de. Wenn allerdings dort auf absehbare Zeit nichts zu kriegen ist – das ist regional extrem unterschiedlich – oder sie partout nicht in einem Kleingartenverein gärtnern möchten, dann müssen Sie andere Möglichkeiten ausprobieren. Es gibt diverse alternative Anbieter, aber auch die Möglichkeit zum Gartensharing, sogar die, selbst einen Verein zu gründen. Oder aber Sie suchen per Anzeige in einer Zeitung oder im Internet ein freies Grundstück, das als Schrebergarten taugt. 

Welche Kriterien gilt es für mich als zukünftigen Laubenpiper zu beachten? 

Leider so einiges. Das Schrebergartenwesen gedeiht in einem wahren Behördendschungel. Das fängt beim Bundeskleingartengesetz an, geht über örtliche Vorschriften und reicht bis zur Gartenordnung des jeweiligen Vereines. Allerdings: Nicht alles daran ist schlecht. Viele Vorschriften dienen ihrem Wohlbefinden und ihrem Schutz, zum Beispiele die niedrigen Pachtpreise und der relativ weitgehende Kündigungsschutz, den sie dank des Bundeskleingartengesetzes genießen, aber durchaus auch örtliche Vorschriften, was Ruhezeiten oder ökologischem Gärtnern angeht. Auf der anderen Seite aber dürfen sie in einem Kleingarten eben nicht dauerhaft wohnen, müssen wirklich Gärtnern und nicht nur Party feiern und auch die Ruhezeiten einhalten, die sie persönlich nicht bräuchten. Über all das kann ihnen ihr anvisierter Kleingartenverein Auskunft geben. Bei einem freien Grundstück ist das oft viel schwieriger herauszufinden, denn auch dort können Sie nicht machen, was Sie wollen, sondern müssen sich an Flächennutzungspläne oder allgemeine Vorschriften halten, aber selbst herausfinden, wie die Rechtslage ist.

Woran erkenne ich, dass der potenzielle Garten für mich geeignet ist?

Zuerst einmal sollte er natürlich gefallen. Sie sollen sich vorstellen können, sich dort wohl zu fühlen. Zweitens sollten Sie den Arbeitsaufwand dafür einigermaßen realistisch einschätzen können. Nichts ist blöder, als wenn sie sich in einen sehr gepflegten Garten verlieben, aber ihn am Ende nicht so erhalten können. Und drittens sollten sie sich schon beim ersten Kontakt mit einem Kleingartenverein die Gartenordnung aushändigen lassen, um zu wissen, was auf Sie zukommt. Es hat keinen Sinn sich auf eine Warteliste setzen zu lassen und erst später festzustellen, dass Dinge, die Sie sich unbedingt wünschen, zum Beispiel das Baumhaus für die Kinder, gar nicht möglich sind. 

Gibt es irgendeine Bedingung, die ein Schrebergarten unbedingt erfühlen sollte?

Oh, einige – Siehe Vorschriftendschungel. Aber wichtig ist, dass Sie wissen, was für Sie persönlich wichtig ist. Die anderen Bedingungen erfüllt ein Schrebergarten im Bestand ganz automatisch.

Mit welchen Kosten müssen zukünftige Schrebergärtner- und Gärtnerinnen rechnen, wenn sich ihr Glück vom eigenen Garten erfüllen wollen?

Wenn Ihr künftiger Garten dem Bundeskleingartengesetz unterliegt, dann ist die Pacht sehr billig. Um die 100 Euro im Jahr, vielleiht sogar weniger. Dazu kommen allerdings noch Dinge wie Vereinsbeitrag, Umlagen für die Gemeinschaftsanlagen, öffentliche Lasten wie Müllentsorgung oder Grundsteuer, Wassergebühren etcetera. Über den Daumen gepeilt muss man da noch mal mit 200 bis 250 Euro im Jahr rechnen, dazu Strom nach Verbrauch. Aber für jeden Schrebergarten wird auch eine Ablöse an den Vorpächter fällig. Das können durchaus ein paar 1000 Euro sein. Schließlich bekommen Sie eine Laube, angelegte Beete, Wege, Pflanzen und so weiter. Die Vereine haben dafür jedoch ein standardisiertes Verfahren, das dafür sorgt, das alles fair abläuft. Und man sollte sich nicht zu früh freuen, wenn die geforderte Summe niedrig ausfällt. Denn das bedeutet, dass eigentlich eher wenig vorhanden ist. Und wer schon mal im Gartencenter ein Auto mit Pflanzen, Erde, Baumaterial etcetera gefüllt hat, der weiß, dass da ganz schöne Kosten zusammenkommen. Und eine Autoladung ist auch für einen Kleingarten nicht viel.

Haben Sie noch einen Pflanztipp für Gartenneulinge, der nicht so arbeitsintensiv ist?

Aber ja: Frühjahrsblumen. Verbuddeln Sie einfach im Herbst nach Lust und Laune Tulpenzwiebeln und solche von Narzissen, Hyazinthen, Schneeglöckchen, Blausternchen, Winterlingen und Puschkinien. Das geht ratzfatz und im Frühling gibt es kaum Schöneres als die ersten bunten Blüten. Und sie kommen nicht nur jedes Jahr wieder, sondern vermehren sich auch noch ganz von alleine.

Pöppelmann, C.
Unser Schrebergarten für Dummies

Verlag: Wiley – VCH
Veröffentlichung: 08.09.2021
ISBN: 978-3-527-71891-7
Genre: Garten, Ratgeber
Preis: 17,00 €
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