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Interview mit Julia Maak

 „HypnoBirthing hat mir und meinem Mann sehr geholfen, unser erstes und schwieriges Geburtserlebnis aufzuarbeiten; ich konnte meine Ängste und Anspannung auflösen und durch Vertrauen ersetzen. So durften wir mit HypnoBirthing noch drei Traumgeburten erleben, und ich habe selbst als HypnoBirthing-Dozentin, Kursleiterin und Geschäftsführerin der HypnoBirthing Gesellschaft meine Berufung gefunden.“ Julia Maak und ihr Mann Dr. med. Matthias Maak, die gemeinsam „HypnoBirthing. Das Praxisbuch“ veröffentlicht haben, möchten allen werdenden Eltern helfen, das Potenzial von HypnoBirthing kennenzulernen und auszuschöpfen, und setzen sich dafür ein, die erfolgreiche Geburtshilfe-Methode von Marie Mongan näher an die Schulmedizin und die Leitlinien für klinische Geburtshilfe heranzuführen. 

„HypnoBirthing“ nach Marie F. Mongan ist eine bewährte, aus den USA stammende und mittlerweile auch in Europa beliebte Methode zur Geburtsvorbereitung. Wie wurden Sie selbst auf HypnoBirthing aufmerksam, und wie konnten Sie davon profitieren? 

Julia Maak: In meiner zweiten Schwangerschaft 2013 las ich zufällig in einem Magazin, dass Catherine, Herzogin von Cambridge, sich wohl auf die Geburt ihres ersten Kindes mit HypnoBirthing vorbereitet haben soll. Sie soll eine einfache und angenehme Geburt gehabt haben, und die gesamte Familie konnte wenige Stunden nach der Geburt die Klinik verlassen. Ich war fasziniert und neugierig, denn die Geburt unseres ersten Kindes war sehr herausfordernd gewesen. Ich recherchierte alles, was ich über HypnoBirthing finden konnte, und wollte die Vorbereitungsmethode unbedingt ausprobieren. Mein Mann war zunächst als Mediziner etwas skeptisch, willigte aber ein, einen Kurs zu besuchen, es auszuprobieren und mich zu unterstützen. Sein Motto lautete schon immer: „Wer heilt, hat Recht.“ Unsere damalige Entscheidung, einen HypnoBirthing-Kurs zu besuchen, sollte mein bzw. das Leben unserer gesamten Familie verändern. Wir sind sehr dankbar, dass wir noch drei weitere tolle, entspannte und selbstbestimmte Geburten erleben durften. 

Zusammenfassend würde ich es so beschreiben: HypnoBirthing hat mir und meinem Mann sehr geholfen, das erste, ziemlich herausfordernde Geburtserlebnis aufzuarbeiten und gemeinsam herauszufinden, was wir für eine selbstbestimmte und entspannte Geburt brauchten und anders machen wollten. Ich konnte meine Ängste und Anspannung auflösen und durch Vertrauen und Entspannung ersetzen. So durften wir mit HypnoBirthing noch drei Traumgeburten erleben, eine davon sogar komplett schmerzfrei. So habe ich durch HypnoBirthing schließlich auch meine Berufung und meinen absoluten Traumjob gefunden. 

Inzwischen sind Sie selbst beide in der HypnoBirthing Gesellschaft Europa GmbH (HBGE) engagiert. Was ist das Ziel dieser Gesellschaft, und wie sieht Ihre Arbeit für und mit HypnoBirthing aus? 

Dr. med. Matthias Maak: Das Ziel der HBGE ist es, dass alle Eltern, die sich eine entspannte HypnoBirthing-Geburt bzw. einen top HypnoBirthing-Kurs wünschen, diesen bei einer zertifizierten HypnoBirthing-Kursleiterin oder einem Kursleiter der HBGE belegen können. Die Kursleiterinnen und Kursleiter bieten das deutsche, qualitätsgesicherte original HypnoBirthing-Programm der HBGE nach Marie F. Mongan an. Dieses wird nur in Präsenz- oder Online-Livekursen für Paare vermittelt. Wie gut das Programm ist und wie zufrieden die teilnehmenden Eltern, zeigen unsere Umfragen unter den Teilnehmenden; 92 % empfehlen HypnoBirthing nach der Geburt weiter. 

Die HypnoBirthing-Gesellschaft hat mehrere Ziele. Zum einen sollen Eltern einen einfachen Zugang zu den wertvollen Kursen erhalten. Hierfür werden Kursleiterinnen und Kursleiter nach strengen und qualitätsgesicherten Standards ausgebildet. Diese Arbeit übernimmt meine Frau Julia als geschäftsführende Gesellschafterin mit ihrem Team. Sie bietet auch selbst Eltern-Kurse an, online oder in ihrer eigenen Praxis, und hat schon zahlreiche Eltern erfolgreich unterrichtet und begleitet. 

Zum anderen wollen wir HypnoBirthing kontinuierlich weiterentwickeln und näher an die Schulmedizin heranführen. Die aktuellen geburtshilflichen Leitlinien empfehlen bereits die Nutzung vieler, eigentlich der meisten Techniken von HypnoBirthing im Geburtsalltag. Namentlich Atemübungen, Entspannungsübungen und Massagetechniken. Auch Hypnose wird schon in den Leitlinien aufgeführt, nämlich dass Hypnose unterstützt werden kann, allerdings ist dies noch keine evidenzbasierte Empfehlung. Hierfür ist weitere Forschung gefragt. Und dabei unterstütze ich die HBGE als ehrenamtlicher wissenschaftlicher Berater. 

Im Alltag benutze ich übrigens gerne HypnoBirthing-Elemente, um mich zum Beispiel in stressigen Situationen zu beruhigen. Das kommt in meinem Beruf in der Klinik oder bei der Kindererziehung häufiger vor. 

Mit Ihrem Praxisbuch wollen Sie werdende Familien noch besser unterstützen, das volle Potenzial des HypnoBirthing-Schatzes von Marie Mongan zu entdecken. Was genau bietet Ihr Buch, und ist hierfür auch die Lektüre des Originals erforderlich? 

Julia Maak: Unser Buch ist ein Praxisbuch zum Originalwerk von Marie Mongan und soll eine hilfreiche, praktische Anleitung für Eltern bieten, HypnoBirthing so zu üben, dass sie alle Elemente verankern und bei der Geburt bestmöglich abrufen können. Wir nutzen hierfür bewährte und neue Techniken. Anhand von eigenen Erfahrungen und qualitätssichernden Umfragen konnten wir genau ermitteln, welche Inhalte Eltern am besten helfen. Wir haben Übungen, Checklisten und Wochenpläne entworfen, die Eltern helfen sollen, alle Elemente im Alltag gut üben und besser nutzen zu können. Zusätzlich haben wir aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse ergänzt und alles ansprechend farbig bebildert. Unser Buch bietet einen deutlichen Mehrwert für werdende Familien, und es funktioniert für sich alleine. Eltern, die sich umfassender informieren wollen, können natürlich zusätzlich das Originalwerk von Marie Mongan lesen. 

In ihrem Buch sind auch zehn HypnoBirthing-Praxiskarten enthalten. Wie können werdende Eltern diese für ihre Bedürfnisse und Wünsche einsetzen? 

Julia Maak: Die Karten enthalten unter anderem praktische Übungen und Trainingspläne. Eltern können ihren eigenen Lerntyp testen und dadurch HypnoBirthing noch besser an ihre Vorlieben anpassen. Es gibt zum Beispiel auch eine Karte zum Verfassen eigener Affirmationen sowie eine Karte zum Ausfüllen und Eintragen der Geburtswünsche, die Mütter bzw. Eltern mit ihrem 

Geburtsteam besprechen und überreichen können. Die Praxiskarten passen genau in den Mutterpass bzw. Mutter-Kind-Pass. 

HypnoBirthing soll nicht die medizinische Vorsorge und Betreuung der Schwangerschaft und Geburt durch Ärztinnen und Ärzte oder Hebammen ersetzen, sondern werdende Eltern in dieser besonderen Zeit positiv bestärken und unterstützen. Was ist das Besondere an dieser Methode, und wo liegt der Unterschied zu anderen Ansätzen der Geburtsvorbereitung? 

Dr. med. Matthias Maak: Marie Mongan hat ein einfaches und geniales Konzept der Geburtsvorbereitung mit Selbsthypnose geschaffen, welches funktioniert und Müttern das Wissen und Vertrauen schenkt, die Geburt als etwas Schönes, Natürliches und gut Machbares zu sehen, auf das sie sich freuen können. Die Übungen bereiten Mütter und ihre Partner oder Partnerinnen gut auf die Geburt vor und geben ihnen das Selbstvertrauen, diese selbstbestimmt und angstfrei erleben zu können. 

Die Rolle des Geburtsbegleiters, zumeist des Vaters, ist hierbei in meinen Augen ein ganz besonders wichtiger Punkt. Ich hatte bei drei Geburten eine Aufgabe, wusste immer, wie ich meiner Frau helfen kann, ich war ein Teil des Geburtserlebnisses. Die klassische Geburtsvorbereitung, die ich bei unserem ersten Kind erleben konnte, hat mich nicht in die Vorbereitung und die Geburt mit einbezogen. Klassische Geburtsvorbereitung legt oft noch den Fokus auf medizinische Abläufe und Komplikationen. HypnoBirthing fokussiert sich auf eine positiv bestärkende Darstellung der Schwangerschaft und Geburt, die Sprache ist sanft und nicht medizinisch; Ziel ist, die Geburt durch HypnoBirthing, d. h. durch Selbsthypnose zu fördern. 

Bei HypnoBirthing geht es darum, die Entspannung bestmöglich zu verankern, damit sie bei der Geburt optimal abgerufen werden kann. Wie wird dieses Ziel erreicht, und welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein? 

Julia Maak: Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg von Hypnose bzw. Selbsthypnose ist die Freiwilligkeit. Hinzu kommen eine gute, professionelle Aufklärung und Information über Hypnose, damit Vertrauen in die Methode bzw. in die Kursleiterin oder den Kursleiter aufgebaut werden kann. Gegen den eigenen Willen oder zum Beispiel auch bei kognitiven Einschränkungen ist Hypnose nicht möglich. Hypnose funktioniert im Wesentlichen über kontinuierliche Übung und stete Wiederholung über mehrere Wochen. HypnoBirthing-Eltern lernen, wie sie die Ausschüttung von Wohlfühlhormonen wie Endorphinen und Oxytocin begünstigen können. Sie haben diese Entspannungsreaktion mit HypnoBirthing im Idealfall so früh wie möglich, spätestens ab der 32. Schwangerschaftswoche täglich geübt, sodass die Entspannungsreaktion des Körpers eigenverantwortlich so gut wie möglich verankert wurde. 

Schwangerschaft und Geburt sind nicht immer nur voller Sonnenschein, sondern können auch zur echten Herausforderung werden. Wie unterstützt das Praxisbuch werdende Eltern in Krisensituationen? 

Dr. med. Matthias Maak: Rein statistisch gesehen sind die meisten Schwangerschaften und Geburten aus medizinischer Sicht vollkommen unkompliziert, und es braucht keine oder nur wenig Unterstützung. Die subjektive Wahrnehmung und insbesondere die Erzählungen von Eltern und Medizinern fokussieren zumeist auf Krisensituationen. Wir Ärzte werden auch so ausgebildet, bei Hufgetrappel zuerst an Zebras zu denken und nicht an Pferde. Das soll heißen, wir lernen, zuerst an besonders seltene Umstände zu denken und nicht unbedingt an das Naheliegendste. HypnoBirthing möchte Krisen gar nicht ins Zentrum des Interesses rücken, sondern sich auf das 

Positive konzentrieren und Eltern helfen, die notwendige Entspannung zu finden. Klar kann es auch besondere Umstände und Herausforderungen geben, doch grundsätzlich muss HypnoBirthing in solchen Situationen nicht aufhören. Alle Elemente können Eltern auch dann helfen, Zuversicht, Ruhe und Kraft zu tanken. Dies beschreiben wir auch in unserem Buch in einem Kapitel über „unerwartete Wendungen“. 

Julia Maak,  Dr. med. Matthias Maak
HypnoBirthing: Der Schlüssel zu einer natürlichen Geburtserfahrung

Verlag:  Mankau Verlag 
Veröffentlichung: 01.08.2022
ISBN: 978-3863746582
Genre: Ratgeber
Preis: 22,00 €
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©Studioline Erlangen

Julia Maak, geb. 1979, ist vierfache Mutter, geschäftsführende Gesellschafterin der HypnoBirthing Gesellschaft Europa GmbH (HBGE), Dozentin für HypnoBirthing-Zertifizierungsausbildungen der HBGE und HypnoBirthing-Kursleiterin für werdende Eltern. Nach ihrem Studium der Internationalen Betriebswirtschaftslehre begann sie ihre Karriere zunächst in der Medizinprodukteindustrie, Bereich internationales Marketing und Vertrieb. Ihr erstes Kind kam in einer passiven und medizinisch geleiteten Klinikgeburt zur Welt; doch durch einen Bericht über Catherine, Herzogin von Cambridge, wurde Julia Maak auf HypnoBirthing aufmerksam und erlebte dank dieser Methode ihre weiteren Geburten auf natürliche, aktive, selbstbestimmte, angst- und einmal sogar komplett schmerzfreie Weise. So wurde es zu ihrer Berufung, werdende Eltern mit HypnoBirthing, der Geburtsvorbereitung mit Selbsthypnose nach Marie F. Mongan, auf ihrem Weg zu einer positiven, erfüllten Geburtserfahrung zu begleiten; nach ihrer Ausbildung zur zertifizierten HypnoBirthing-Kursleiterin gründete sie ihre eigene Praxis „Pura Vida Family Club“ in Erlangen und übernahm die Geschäftsführung und Leitung der Zertifizierungsausbildungen der HBGE. 

Privatdozent Dr. med. Matthias Maak, geb. 1977, arbeitete nach seinem Studium der Humanmedizin unter anderem am Universitätsklinikum rechts der Isar in München. Er ist an der chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen als Oberarzt angestellt. Als Facharzt für Allgemeinchirurgie habilitierte er und erlangte die Lehrbefugnis für das Fach Chirurgie. Ein Facharzt für Viszeralchirurgie und eine Zusatzbezeichnung Proktologie schlossen sich an. Nach der ersten schweren Geburtserfahrung als passiver Vater durfte er als aktiver HypnoBirthing-Geburtspartner seiner Frau Julia bei drei weiteren Geburten direkt miterleben, wie HypnoBirthing helfen kann. Anhand der Daten zu HypnoBirthing-Geburten, die von der HypnoBirthing-Gesellschaft Europa (HBGE) gesammelt werden, unterstützt er als ehrenamtlicher wissenschaftlicher Berater der HBGE das Ziel seiner Frau, HypnoBirthing näher an die Welt der Schulmedizin heranzuführen und zu zeigen, wie wertvoll diese Technik für Eltern und Geburtsbegleiter sein kann. 

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