Interviews

Special: Artists and their Tattoos Interview with Christian Leding from LEDING

Heute ist Christian von der Band LEDING unser Gast. Ihr letztes Studio-Album hat die Band am 1. Oktober 2019 über bandcamp released. Wie viele andere haben LEDIND während des Lockdowns an ihrer Musik gearbeitet und aus dem Streaming für ihre Fans wurde so das Live-Album „Homebound“ am 1. April 2020 veröffentlicht. Vor Kurzem hat mich zudem die Nachricht erreicht, dass LEDING zusammen mit CAMP CUISINE und dem OWLS ‚N‘ BATS Festival den KULTURKREIS STERNBERG gegründet haben, um die Kulturarbeit in der Region zu unterstützen. In diesen schweren Zeiten ist das ein sehr wichtiger Schritt. Ich drücke allen Gründern die Daumen, dass alles so klappt, wie Sie es wollen. Aber jetzt zurück zu unsere Hauptthema.

Wann wurde das erste Tattoo bei Dir gestochen und für welches Motiv hast Du Dich entschieden? Wie lange musstest Du darüber nachdenken?

Das ist gar nicht so lange hin. Ich glaube es war 2011. Dafür musste ich nicht lange überlegen, denn irgendwie stand es schon sehr lange fest für mich: es ist ein Pentagram auf dem die Zahl 1985 prangt und zwar ganz im Stile des Artworks der Sisters Of Mercy.

Wie viele Tattoos hast Du insgesamt? Gibt es davon welche von denen Du eine Geschichte erzählen könntest/möchtest und was sie Dir insbesondere bedeuten?

Ich habe tatsächlich nur zwei Tattoos. Das eben beschriebene habe ich mir stechen lassen, damit ich niemals vergesse, wo ich herkomme, wie alles begann. Im Jahr 1985 hörte ich die Sisters Of Mercy zum ersten Mal und von da an war es um mich geschehen. Nur wenige Bands haben mich derart beeindruckt und begleiten mich mittlerweile über Jahrzehnte. Ihre Musik ist immer für mich da, wie ein guter Freund oder eine Art schützender Geist, welcher mich begleitet, geleitet und an den ich mich wenden kann, wann immer ich will. Das klingt sehr pathetisch, aber so sehe ich das.

Mein anderes Tattoo ist das Cover-Artwork vom zweiten Album der Chameleons ‚What does anything mean – basically?‘. Die Chameleons zählen für mich auch zu den ikonischen Bands, welche mich immer begleiten. Das Artwork hat Reg Smithies erstellt, einer der Gitarristen der Band. Ich finde es fantastisch in vielerlei Hinsicht.

Planst Du Dir weitere Tattoos stechen zu lassen?

Nicht konkret. Immerhin war ich schon durchaus ein paar Jahre alt, als ich mich zum ersten Mal hab stechen lassen. Ich habe mir also ordentlich Zeit gelassen und werde da nichts überstürzen. Wenn die Zeit gekommen ist und ich mich für ein Motiv entschieden habe, wird es konkret werden. Aber das kann durchaus noch dauern.

Wurden alle Tattoos bei demselben Tätowierer gestochen? Wie hast Du den Tätowierer ausgewählt und wer hat die Skizze(n) für Dich gemacht?

Ja, beide wurden vom selben Tätowierer gestochen. Ich bin tatsächlich auf gut Glück in das Studio gegangen, ohne Empfehlung oder so. Ich habe das Gespräch gesucht, meine Vorstellungen waren ja sehr klar, und wir haben uns sofort sehr gut verstanden. Er konnte sehr schnell nachvollziehen, warum ich die Motive für mich ausgewählt hatte. Eine Skizze war nicht notwendig, was ja irgendwie selbstredend ist.

Wie lange hat die längste Sitzung gedauert?

An dem Chameleons Motiv hat er sieben Stunden gestochen mit einer kurzen Pause. Es waren dann nochmal über zwei Stunden in der zweiten und finalen Sitzung.

Tattoos stechen zu lassen ist schmerzhaft. Wie kannst Du die Schmerzen während der Sitzung aushalten, was lenkt Dich ab?

Die Schmerzen kann ich recht gut ertragen. Gute Musik hilft über die Stunden, da kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen.

Hast Du jemals bereut ein Tattoo stechen zu lassen?

Nein. Dies liegt vielleicht daran, dass ich mich erst hab stechen lassen als ich schon weit über dreißig war. Da hat man eine gewisse Reife erlangt und so manche „Jugendsünden“ hinter sich gelassen.

Welche Arten von Tattoos sind für Dich tabu, welche würdest Du niemals stechen und Dir auch niemals stechen lassen?

Zum einen ist für mich ist alles unterhalb der Gürtellinie und oberhalb des Kragens tabu. Zum anderen würde ich mir nicht irgendwelche Motive aussuchen, die keinerlei Bedeutung für mich haben. Also zum Beispiel ein Motiv, welches einfach nur gut oder cool aussieht. Da muss für mich weitaus mehr dahinter stecken.

Es heißt, es macht süchtig, sich tätowieren zu lassen – hat man einmal damit angefangen kann man nicht mehr aufhören. Wie siehst Du das?

Das kann ich wahrlich nicht bestätigen (lach), habe ich doch bisher nur zwei.

Im Moment ist es modern sich tätowieren zu lassen, viele Leute denken gar nicht darüber nach, dass sie das Tattoo das ganze Leben tragen müssen. Sie wollen cool sein und mit dem Strom schwimmen. Oftmals kommen sie zum Tätowierer mit der Aussage „zeigen Sie mir, was Sie haben“. Wie denkst Du darüber? Der Tätowierer arbeitet dann nicht mehr als Künstler sondern wird zum „Massenproduzenten“.

Das ist das, was ich im Grunde schon vorher erwähnt habe: ich bin erst im reiferen Alter damit angefangen und bin mir darüber bewusst, dass ein Tattoo für immer ist. Ich brauche kein Tattoo, um mit der Mode zu gehen oder um andere zu beeindrucken oder zu empören. Das ist für mich absolute Privatsache. Dies bedeutet aber auch, dass ich niemanden rein reden möchte, wenn es um Tätowierungen geht. Jeder muss da seinen eigenen Weg finden.

Früher herrschte die verbreitete Meinung Tattoos seinen asozial – man hatte Schwierigkeiten eine Anstellung zu finden. Hat sich diese Meinung heute geändert oder muss man noch immer mit Vorurteilen rechnen?

Ich denke das hat sich sicherlich geändert, da es zur Mode geworden ist. Es sind schon lange nicht mehr die Rockmusiker, Seeleute oder Knastis, die sich stechen lassen. Es ist längst im Mainstream angekommen.

Klar gibt es Berufsgruppen, wo Tätowierungen gar nicht gern gesehen werden, aber die wird es wohl immer geben.

Zu guter Letzt… was empfiehlst Du unseren Lesern, die ihr erstes Tattoo planen? Worauf sollten sie achten bzgl. Auswahl des Studios, des Tätowierers, der Stilrichtung… Welche Ratschläge hast Du?

Meine Empfehlung ist, sich unbedingt Zeit zu lassen und gut und lange zu überlegen, ganz besonders dann, wenn man noch sehr jung ist. Auch sollte man sich an ein etabliertes Studio und einen erfahrenen Tattoo-Künstler wenden. Und: man sollte es für sich selbst machen lassen und nur für sich selbst. Nur dann kann es ein Leben lang seine Bedeutung für einen tragen.

Links LEDING:

Facebook: https://www.facebook.com/ledingmusic/

Website: https://www.leding.me/

Project by Daria Tessa and Daniela Vorndran, Interview by Daria Tessa
Title Picture and picture 1 by
Christian Leding, picture 2 by Michael Nowakowski

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