Interviews

Special: Artists and their Tattoos

Interview mit Tobias Hübner from Forensick

Heute haben wir Tobias Hübner zu Gast. Er war von 2010 bis 2017 Sänger bei FORENSICK, einer klassischen Heavy-Metal-Band im Stil von IRON MAIDEN, die vor ihrer Auflösung zwei Alben sowie eine EP weltweit veröffentlicht hat. Jetzt singt er in verschiedenen großen Rock-Coverbands in Süddeutschland, ist aber fest bei THE WOODPECKERS angestellt. Natürlich ist Tobias auch sehr schön tätowiert, und ich freue mich sehr, seine Geschichte mit euch zu teilen.

Wann wurde das erste Tattoo bei Dir gestochen und für welches Motiv hast Du Dich entschieden? Wie lange musstest Du darüber nachdenken?

Mein erstes Tattoo habe ich mir 2008 stechen lassen. Ein Notenschlüssel auf dem rechten Schulterblatt, inspiriert von der Stilistik des Speth-Logos. Musik bedeutet für mich schon immer unglaublich viel, daher war die Auswahl des ersten Tattoo-Motivs recht schnell erledigt.

Wie viele Tattoos hast Du insgesamt? Gibt es davon welche von denen Du eine Geschichte erzählen könntest/möchtest und was sie Dir insbesondere bedeuten?

Insgesamt müssten es inzwischen 14 Tattoos sein. Meine erste „größere“ Session war der Iron Maiden-Eddie vom Life After Death-Cover auf dem linken Oberarm. Iron Maiden ist meine absolute Lieblingsband und hat tolle Vorlagen, die als Tattoo in Frage kommen würden. Daher lag es nahe, mich für solch ein Motiv zu entscheiden. Außerdem hab ich zwei Motive meiner ehemaligen Band Forensick auf dem Oberarm, einfach als Verewigung einer coolen Zeit, die wir hatten.
Das persönlichste Motiv ist das Neuste, das ich mir Anfang September 2019 habe stechen lassen. Mein Sohn Emil ist Ende August recht spät tot zur Welt gekommen. Seinen Fußabdruck trage ich seitdem auf dem linken Unterarm für immer bei mir. Das für mich schönste Tattoo, das ich mir eigentlich nie hätte stechen lassen wollen…

Planst Du Dir weitere Tattoos stechen zu lassen?

Geplant ist momentan keins, aber mich überkommen die Ideen immer recht plötzlich, daher bin ich mir sicher, dass es in naher Zukunft weiter gehen wird ?

Wurden alle Tattoos bei demselben Tätowierer gestochen? Wie hast Du den Tätowierer ausgewählt und wer hat die Skizze(n) für Dich gemacht?

Die ersten beiden Tattoos waren bei anderen Tätowieren. Aber ab Tattoo Nummer 3 vertrau ich nur noch demselben Tätowierer meine Hautverschönerung an. Michi von der Soulgallery in Horb am Neckar ist einfach für mich der Beste, er hat mit mir gemeinsam alle Motive entworfen und dann auch umgesetzt. Ich würde momentan zu keinem anderen gehen.

Wie lange hat die längste Sitzung gedauert?

Ich glaube, dreieinhalb Stunden war die längste Sitzung bisher. Länger als 4 Stunden sollte man auch nicht unbedingt am Stück tätowiert werden. Macht auch irgendwann nicht mehr wirklich viel Spaß 😉

Tattoos stechen zu lassen ist schmerzhaft. Wie kannst Du die Schmerzen während der Sitzung aushalten, was lenkt Dich ab?

Die Schmerzen sind einem ja vorher bewusst, daher sollte man sich auch nicht darüber beschweren beziehungsweise jammern 😀 Michi und ich quatschen immer recht viel, daher ließ sich alles bisher recht gut aushalten, auch wenn es natürlich sehr schmerzhafte Stellen gibt, die Hautfalte zwischen Oberarm und Achselhöhle war die bisher schlimmste.

Hast Du jemals bereut ein Tattoo stechen zu lassen?

Nein, nicht wirklich…

Welche Arten von Tattoos sind für Dich tabu, welche würdest Du niemals stechen und Dir auch niemals stechen lassen?

Wenn Tattoos eine persönliche Bedeutung haben, gibt es keine Tabus. Auch wenn die Bedeutung dafür nachlassen sollte, erinnert es an den damaligen Moment.
Tabu sind für mich persönlich sinnlose Motive, wie Tribals, asiatische Schriftzeichen oder so etwas wie Sterne. Auch komplette Namensschriftzüge wären eher nichts für mich.
Außerdem bin ich der Meinung, man sollte Tattoos nach Bedarf verdecken können, also würde für mich auch der Hals, die Hände oder das Gesicht niemals in Frage kommen.

Es heißt, es macht süchtig, sich tätowieren zu lassen – hat man einmal damit angefangen kann man nicht mehr aufhören. Wie siehst Du das?

Ich würde es nicht als Sucht bezeichnen, man weiß irgendwann worauf man sich einlässt und möchte das dann fortführen sobald die Vorstellung für das nächste Motiv existiert.
Eine Sucht ist ein krankhaftes Verlangen, das in Verbindung mit Schmerzen für mich nicht wirklich Sinn machen würde 😉

Im Moment ist es modern sich tätowieren zu lassen, viele Leute denken gar nicht darüber nach, dass sie das Tattoo das ganze Leben tragen müssen. Sie wollen cool sein und mit dem Strom schwimmen. Oftmals kommen sie zum Tätowierer mit der Aussage „zeigen Sie mir, was Sie haben“. Wie denkst Du darüber? Der Tätowierer arbeitet dann nicht mehr als Künstler sondern wird zum „Massenproduzenten“.
Klar, für den Tätowierer sind solche Kunden gut verdientes Geld, aus betriebswirtschaftlicher Sicht des Tätowierers macht das auf jeden Fall Sinn und würde ich auch niemals ablehnen. Sich tätowieren zu lassen, nur um „cool“ sein zu wollen, mit einem Motiv, das aus dem Katalog stammt und nicht individuell zu der eigenen Persönlichkeit passt stelle ich mir schwierig vor. Aber jeder Volljährige sollte sich darüber bewusst sein.

Früher herrschte die verbreitete Meinung Tattoos seinen asozial – man hatte Schwierigkeiten eine Anstellung zu finden. Hat sich diese Meinung heute geändert oder muss man noch immer mit Vorurteilen rechnen?
Ich denke dadurch, dass inzwischen 14% in Deutschland tätowiert sind, hat sich diese Meinung beziehungsweise dieses Vorurteil leicht verändert. Es gehört inzwischen mehr dazu, als das platte erste Erscheinungsbild. Gute Personaler mit guten Menschenkenntnissen sollten dies für das Unternehmen erkennen, Menschen nicht auf ein Tattoo zu reduzieren.

Zu guter Letzt… was empfiehlst Du unseren Lesern, die ihr erstes Tattoo planen? Worauf sollten sie achten bzgl. Auswahl des Studios, des Tätowierers, der Stilrichtung… Welche Ratschläge hast Du?
Geht einfach mal in das Tattoo-Studio, das euch anspricht und schaut, ob es nach dem Betreten immer noch zu eurem Favorit gehört. Es sollte hygienisch sein und einfach ansprechen. Schaut nicht nach dem Geld, gute Arbeit kostet einfach ein paar Euro mehr. Und bei einer Lebensentscheidung sollte man nicht unbedingt sparsam oder geizig sein, vorher lieber bleiben lassen oder noch eine Weile sparen.
Und es sollte natürlich im Besten Fall ein persönlich bedeutsames Motiv sein. Wenn das alles gegeben ist, ab geht’s unter die Nadel 😉

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