Motorsport

Am Ziel – Przygonski und Gottschalk feiern Platz vier bei der härtesten Rallye der Welt

Rallye Dakar 2021

Przygonski/Gottschalk erkämpfen bei der Rallye Dakar größten gemeinsamen Karriere-Erfolg
Sieben Etappen lang: polnisch-brandenburgisches Duo verteidigt in Saudi-Arabien über 3.061 Kilometer Rang vier gegen Weltklasse-Feld
Insgesamt 4.588 Prüfungskilometer durch Steine und Geröll, über Dünen und schnelle Sandpisten sowie atemberaubende Gebirgszüge
Dschidda, 15. Januar 2021 – Mit Talent, Können, Hartnäckigkeit – und kluger Strategie: Jakub „Kuba“ Przygonski und Timo Gottschalk haben bei der Rallye Dakar Platz vier gefeiert. Das polnisch-brandenburgische Duo erreichte damit den größten Erfolg im Offroad-Rallye-Sport seit ihrem ersten gemeinsamen Einsatz bei der Rallye Katar 2019, und wenige Monate nach dem Gewinn der Polnischen Marathon-Rallye-Meisterschaft. Der Wüstenklassiker erwies sich als der gnadenlose Gradmesser für fahrerisches und navigatorisches Können, für den er seit 1984 steht. Auf der Route durch Saudi-Arabien, einer 8.070 Kilometer langen Tour von und nach Dschidda, standen neben Dünenquerungen der höchsten Kategorie auch bedingungslose Tempo-Abschnitte über Sand- und Schotterpisten auf der Agenda, Geröll- und Trial-Passagen gehörten ebenso dazu wie verwundene Pfade durch ein Gewirr von Canyons.
 
Wie hoch die Leistung von Przygonski und Gottschalk zu bewerten ist, zeigt die Besetzung des Podiums – das ausschließlich von jenen Fahrern eingenommen wurde, die zehn der vergangenen zwölf Ausgaben, und damit der Nach-Afrika-Ära, für sich entschieden hatten: Stéphane Peterhansel, diesmal mit Edouard Boulanger an seiner Seite (FRA/FRA, Mini) als Sieger, Nasser Al-Attiyah mit Matthieu Baumel als Zweitplatzierter (QAT/FRA, Toyota) sowie Carlos Sainz mit Beifahrer Lucas Cruz (ESP/ESP, Mini). Rekordsieger Peterhansel sicherte sich bei der Rallye Dakar 2021 zudem seinen 14. Sieg – sechs auf dem Motorrad und acht in der Automobil-Wertung.
„Was für ein schönes Ende, wir sind sehr stolz, dass wir die Rallye Dakar auf Platz vier beendet haben. Das ist ein herausragendes Ergebnis für uns – wenn man sieht, mit welchen Fahrern und Beifahrern wir auf Augenhöhe waren. Mehr konnten wir nicht erreichen. Die Zusammenarbeit mit Timo war wie gewohnt erstklassig. Natürlich gab es nicht nur positive Momente, auch harte Zeiten waren dabei – aber das gehört zur ‚Dakar‘ absolut dazu. Technisch lief unser Hilux perfekt, war perfekt von Overdrive vorbereitet. Das hat ebenfalls Spaß gemacht.“
Jakub „Kuba“ Przygonski nach der Rallye Dakar 2021
„Die Rallye Dakar war 2021 extrem hart, extrem anspruchsvoll und anstrengend. Für mich als Beifahrer gab es keine Minute zum Verschaufen, keine einzige einfache Prüfung. Navigatorisch gab es jeden Tag neue Herausforderungen. Für ‚Kuba‘ als Fahrer ebenfalls körperlich anstrengend, viel schwieriges Gelände. Also: Eine würdige, eine wahre ‚Dakar‘. Platz vier ist für uns ein herausragendes Ergebnis, das wir uns selbst erkämpft haben. Wir sind stolz auf das Erreichte.“
Timo Gottschalk nach der Rallye Dakar 2021
Über zwei Drittel der Distanz verteidigt: Platz vier aus eigener Kraft

Bei Kilometer 43 der fünften von insgesamt zwölf Etappen eroberten Jakub „Kuba“ Przygonski und Timo Gottschalk Platz vier bei der härtesten Rallye der Welt und verteidigte sie bis ins Ziel – vom 1.527. bis zum 4.588. Prüfungskilometer und damit über 66,7 Prozent der gesamten Distanz gegen die Uhr. Fakten, die das wahre Ausmaß der Hartnäckigkeit und Cleverness von Przygonski und Gottschalk nicht ausreichend beschreiben. Mit ihrem Toyota Hilux gehörten der FIA-Marathon-Weltcup-Champion von 2018 und der „Dakar“-Sieger von 2011 zu jener Allrad-Faktion, für die reglement-bedingt kleinere und damit anfälligere Reifen zur Verfügung stehen und die den Belastungen der steinigen Passagen allzuoft nicht standhielten. Während Konkurrenten mehrfach nicht mit der Anzahl der Ersatzräder auskamen, setzten Przygonski/Gottschalk auf einen schonenden Umgang mit den Pneus. Auf der neunten Etappe kam angesichts von vier Reifenschäden und zwei Reparaturen bei nur drei Ersatzreifen auch ihre Strategie an ihre Grenzen – dennoch verteidigten sie Platz vier mit Zähnen und Klauen.
Fünf Fragen an … Timo Gottschalk
Besser als das ausgegebene Ziel: Platz vier bei der Rallye Dakar – ohne dabei groß von Ausfällen zu profitieren. Über 3.000 Kilometern habt ihr diese Position verteidigt. Wie stolz bist Du auf das Erreichte?
„Das Ziel war Top Fünf, Platz vier ist natürlich ein richtig gutes Ergebnis, besonders, wenn man sieht, wer vor einem ist. Peterhansel, Al-Attiyah, Sainz – sie haben die ‚Dakar‘ alle mehr als einmal gewonnen. Gegen die Buggys hatten wir in diesem Jahr technisch keine Chance, gegen Al-Attiyah fahrerisch nicht. Und wir also direkt dahinter – da ist man schon stolz. Dieses Jahr ist einfach alles nach Plan verlaufen, wir sind immer am Ball geblieben und haben uns die Chance auf ein gutes Ergebnis gewahrt.“
Bitte komplettiere diesen Satz: „Das neue digitale Roadbook und ich sind nach der ‚Dakar‘ 2021 …“
„… nicht gerade beste Freunde geworden. Aber wir haben uns angenähert und arbeiten an einer professionellen Zusammenarbeit in der Zukunft.“
Mit „Kuba“ 8.000 Kilometer durch Saudi-Arabien am Tag und in einer Camper-Männer-WG in der Nacht – wie intensiv war diese Zeit, und wie würdest Du Euer Verhältnis beschreiben?
„Das mit der Männer-WG hat gut funktioniert, keine hat laut geschnarcht. Wir hatten entspannte lange Nächte in unserem Wohnmobil, jeder in seinem Abteil. Das war angenehm. Und auch im Auto: Wir sind beide nicht die großen Redner. Das hat auch gut zusammengepasst.“
Wir Daheimgeblieben haben die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen aus Saudi-Arabien sehr genossen, welche Eindrücke nimmst Du von der 2021er-„Dakar“ mit?
„Saudi-Arabien hat wirklich tolle Landschaften und wir haben viele davon erlebt, auch wahr- und mitgenommen. Es gibt eine große Variation, gerade der Nord-Osten ist schön mit den Canyons und den Bergen. Ich denke, hier kann es auch touristisch eine große Zukunft geben.“
Nach der „Dakar“, nach Tagen gefühlter Freiheit und einer Schleife von 8.000 Kilometern durch Saudi-Arabien gehts bald wieder nach Hause zur Familie in den Lockdown. Wie attraktiv ist die Vorstellung?
„Natürlich freue ich mich auf die Familie, auf Freunde – wenn auch mit Abstand. Die Füße hochzulegen ist auch eine verlockende Perspektive. Natürlich ist der Lockdown nach so viel Freiheit, Reise und Bewegung keine herausragende Aussicht, aber richtig, dass es ihn gibt.“
Vorläufiger Endstand der Rallye Dakar

01. #302 Stéphane Peterhansel/Edouard Boulanger (FRA/FRA), Mini, 44:27.11 Std.
02. #301 Nasser Al-Attiyah/Matthieu Baumel (QAT/FRA), Toyota, + 14.51 Min.
03. #300 Carlos Sainz/Lucas Cruz (ESP/ESP), Mini, + 1:01.57 Std.
04. #307 Jakub Przygonski/Timo Gottschalk (POL/GER), Toyota, + 2:36.03 Std.
05. #311 Joan Roma/Alexandre Winocq (ESP/FRA), Prodrive, +3:22.48 Std.
TV-Hinweise
Freitag, 15. Januar 2021
23:00–23:30, Rallye Dakar 2021 – Etappe 12 (Erstausstrahlung), ORF Sport+
23:35–00:05, Rallye Dakar 2021 – Etappe 12 (Erstausstrahlung), Eurosport 1

Samstag, 16. Januar 2021
05:30–06:00, Rallye Dakar 2021 – Etappe 10 (Wiederholung), ORF Sport+
22:30–23:00, Rallye Dakar 2021 – Zusammenfassung (Erstausstrahlung), ORF Sport+

Sonntag, 17. Januar 2021
02:15–02:45, Rallye Dakar 2021 – Etappe 12 (Wiederholung), ORF Sport+


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