Motorsport

Nervenaufreibend: Robin Frijns

gewinnt DTM-Thriller auf der Nürburgring

Turbulentes Rennen mit drei Safety-Car-Phasen
Frijns mit Blitzstart, Drama für Nico Müller
Je fünf Audi und BMW unter den Top Ten

Mit einem Tourenwagen-Spektakel wie aus dem Bilderbuch wurden die Zuschauer beim sechsten Saisonlauf der DTM verwöhnt. Das erste Rennen auf der 3,6 Kilometer kurzen Sprintvariante des Nürburgrings hatte am Samstag alles zu bieten. Am Ende hieß der strahlende Sieger Robin Frijns (NED, Audi), der sich mit einem perfekten Start durchsetzte und die Führung nicht mehr aus der Hand gab – den drängenden Versuchen der Konkurrenz zum Trotz. Titelverteidiger René Rast (GER, Audi), der auf der Sprintstrecke bereits drei Mal siegreich war, kreuzte als Zweitplatzierter die Linie. Mit Marco Wittmann (GER) auf Rang drei ist erneut ein BMW-Pilot auf dem Podium vertreten. Je fünf Audi und BMW unter den Top Ten sorgten für ein ausgeglichenes Markenverhältnis.

Bereits der Rennauftakt verlief äußerst unterhaltsam: Robin Frijns erwischte einen Blitzstart und zog direkt an Polesitter Rast vorbei. Nico Müller versuchte es anschließend außen in Kurve eins mit einem Überholversuch gegen Rast, musste aber zurückstecken und wurde im Anschluss vom hinter ihm lauernden Philipp Eng (GER, BMW) kassiert. Weiter hinten im Feld gab es in den ersten Runden intensive Zweikämpfe, die nicht ganz ohne Kontakt abliefen. So kam es dann auch wenig später zur ersten Safety-Car-Phase des Rennens, die aufgrund eines Trümmerteils auf der Strecke von der Rennleitung beschlossen wurde. Alle Piloten hatten die Zeit bis zur ersten Neutralisierungsphase bereits für ihre Pflichtstopps genutz – es folgte ein packender Kampf um die Position, frei von jeder Taktik.

Dreher-Drama für Nico Müller

Beim ersten Restart gab es unter den Top drei keine Veränderung, dafür jedoch ein Drama für den Meisterschaftsführenden Nico Müller: Der Schweizer drehte sich nach einem Kontakt mit Jamie Green und fiel ans Ende des Feldes zurück. Ein Grund für dessen Abt-Team, eine alternative Boxenstrategie zu wählen und Müller zum Reifenwechsel zu beordern, während die Spitzengruppe weiter auf der Strecke blieb. Das änderte sich ab der 15. Runde, als Loïc Duval (FRA, Audi) nach einem Ausritt ins Kiesbett und anschließendem Kontakt mit der Reifenbarriere die zweite Safety-Car-Phase auslöste. Der Franzose konnte seinen Audi RS 5 DTM aber wieder zurück auf die Strecke lenken und zunächst weiter fahren.

Zweiter Restart: Wittmann nutzt die Gunst der Stunde, dritter Restart: Rast kontert

Beim zweiten Restart, der nach Indy-Car-Manier in Zweierreihen durchgeführt wurde, gab es zunächst keine Veränderungen unter den Top drei. In Kurve zwei nutzte allerdings Wittmann die Gunst der Stunde und schob sich mit einem gekonnten Überholmanöver außen an Rast vorbei. Ein Dreikampf zwischen Lucas Auer (AUT, BMW), Fabio Scherer (SUI, Audi) und Duval sorgte für einen Crash zwischen den beiden Audi-Fahrern, für die das Rennen beendet war. Dies führte zur dritten und letzten Safety-Car-Phase, nach deren Ende das Rennen jedoch ohne weitere Zwischenfälle beendet werden konnte. Dieses Mal konterte Rast jedoch Wittmann aus, übernahm wieder Platz zwei und unternahm einen letzten Angriff auf Frijns. Eine gute halbe Sekunde trennten ihn am Ende vom Sieger.

Vor dem zwöften Rennen der DTM-Saison 2020 (Sonntag ab 13:00 Uhr live in SAT.1) führt Nico Müller, der am Samstag Schadensbegrenzung betrieb und trotz seines Drehers noch auf Platz fünf landete, nach wie vor die Gesamtwertung an mit nun 216 Punkten. Frijns holt durch seinen Sieg auf und liegt nur noch 13 Zähler zurück, Rast bleibt Dritter mit 180 Punkten.

Stimmen – 1. Rennen, Nürburgring Sprint

„Das war ein schwieriges Rennen. Gerade am Start war es nicht einfach, die Position zu verteidigen. Es war wirklich nervenaufreibend im Cockpit. Ich habe immer wieder einen Vorsprung herausgefahren, und dann kam wieder das Safety-Car auf die Strecke, und alles ging wieder von vorne los. Grundsätzlich war mein Start gut, und ich konnte mich sofort etwas absetzen. Am Ende kam René Rast ziemlich nahe, vor allem in den Kurven eins und neun. Ich wusste, ich darf keinen Fehler machen. Das war entscheidend, aber ich bin habe es als Sieger ins Ziel geschafft. Ich habe mitbekommen, dass Nico Müller wohl ein ereignisreiches Rennen hatte, deshalb war es umso wichtiger, diesen ‚big point‘ zu machen.“

Robin Frijns (NED), Audi, Sieger

„Der Start war schwierig, weil ich am Freitag leider keine Startübungen machen konnte. Bei den Restarts aus der zweiten Position habe ich einmal nicht die perfekte Linie erwischt, so dass Marco Wittmann vorbei gehen konnte. Beim nächsten Indy-Restart war es dann wieder umgekehrt. Ich wusste, dass es auf die letzte Runde ankommt, aber mein Angriff kam etwas zu spät. Okay, ich habe Punkte auf Nico Müller gewonnen, aber dafür Punkte auf Robin Frijns verloren. Einer der beiden ist immer vor mir. Nach dem bescheidenen Freitag war die Pole-Position und der zweite Platz im Rennen auf jeden Fall ein sehr gutes Ergebnis für mich.“

René Rast (GER), Audi, 2. Platz

„ Mein Start war ganz ordentlich, doch mit der ersten Safety-Car-Phase wurde es etwas chaotisch. Bei drei Indy-Restarts konnte ich einen nutzen, um an René Rast vorbeizugehen, beim nächsten Mal ging es umgekehrt aus. Dadurch, dass die meisten ihren Pflichtstopp bereits vor der ersten Safety-Car-Phase absolviert hatten, war das Rennen weniger von der Strategie geprägt, mehr von der einen Performance. Es musste auch niemand mit den Reifen haushalten, da diese durch die drei Safe-Car-Phasen ja über etliche Runden geschont wurden. Ich bin jedenfalls sehr glücklich, dass ich es von Startplatz aufs Podium geschafft habe.“

Marco Wittmann (GER), BMW, 3. Platz

Ergebnis – 1. Rennen, Nürburgring Sprint
01. Roin Frijns (NED), Audi RS 5 DTM, 39 Runden in 59.51,551 MInuten
02. René Rast (GER) Audi RS 5 DTM, + 0,660 Sek.
03. Marco Wittmann (GER), BMW M4 DTM, + 1,573 Sek.
04. Philipp Eng (AUT), BMW M4 DTM, + 2,984 Sek.
05. Nico Müller (SUI), Audi RS 5 DTM, + 4,743 Sek.
06. Jonathan Aberdein (RSA), BMW M4 DTM, + 5,211 Sek.
07. Ferdinand Habsburg (AUT), Audi RS 5 DTM, + 8,513 Sek.
08. Sheldon van der Linde (RSA), BMW M4 DTM, + 8,846 Sek.
09. Mike Rockenfeller (GER), Audi RS 5 DTM, 14,970 Sek.
10. Timo Glock (GER), BMW M4 DTM, + 17,292 Sek.

Schnellste Rennrunde: Nico Müller (SUI), Audi SR 5 DTM, 1.21,785 Min.
Pole-Position: René Rast (GER), Audi RS 5 DTM, 1.19,472 Min.
Wetter: 24°C, sonnig
Strecke: 36°C, trocken

Wow-Fact – 1. Rennen, Nürburgring Sprint

20

Neben den zweiten Auftritt der DTM auf dem Nürburgring beobachtet die Motorsportwelt an diesem Wochenende natürlich auch die 88. Auflage des 24-Stunden-Rennens von Le Mans. Beide DTM-Marken Audi und BMW feierten auch schon beim Langstreckenklassiker an der Sarthe Erfolge. Außerdem waren nicht weniger als 20 Fahrer, die das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewinnen konnten, auch in der DTM aktiv.

Allen voran natürlich Tom Kristensen, Le-Mans-Rekordhalter mit neun Siegen, der auch für Audi in der DTM fuhr. Weitere mehrmalige Le-Mans-Sieger mit DTM-Vergangenheit sind Frank Biela und Emanuele Pirro, jeweils mit fünf Siegen, Yannick Dalmas mit vier Erfolgen sowie Klaus Ludwig, Allan McNish, Dindo Capello, Marco Werner und Marcel Fässler, die es jeweils auf drei Le-Mans-Siegen brachten. Auch Benoît Tréluyer, der im November 2019 das ‚Super GT x DTM Dream Race’ in Fuji bestritt, brachte es auf drei Le-Mans-Siege. Zählt man den Franzosen mit, dann sind es sogar 21 Fahrer mit einer DTM-Connection. Von den aktuellen DTM-Fahrern gewannen Mike Rockenfeller (2010) und Loïc Duval (2013) an der Sarthe.

Und da war dann noch …

… der Audi A4 DTM. Nicht nur die Autos aus der ersten Ära der DTM von 1984 bis 1996 faszinieren bis heute die Fans in den beiden Serien Tourenwagen-Classics und Tourenwagen-Legenden, die beide auf dem Nürburgring im Rahmenprogramm der DTM an den Start gehen. Mittlerweile haben auch schon Fahrzeuge aus der ‚neuen’ DTM, die seit 2000 ihre Rennen austrägt, den motorsportlichen Klassikerstatus erreicht. Bei den Tourenwagen-Classics startet Stefan Rupp mit einem Audi A4 DTM. In den Jahren 2004 und 2007 (jeweils mit Mattias Ekström), 2008 und 2009 (jeweils mit Timo Scheider) sowie 2011 (mit Martin Tomczyk) fuhr Audi mit dem A4 den DTM-Titel ein.

Text & Bild Quelle – ITR GmbH DTM-Media-Team

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