Rhein Neckar Löwen

Gummersbach feiert „Big Points“ gegen zahnlose Löwen

Bittere 23:28-Niederlage am 26. Bundesliga-Spieltag

Carsten Lichtlein war ein Sieggarant der Gummersbacher. Die Rhein-Neckar Löwen haben am Donnerstagabend 23:28 (11:13) beim VfL Gummersbach verloren. Damit sorgte der Altmeister aus dem Oberbergischen für eine große Überraschung am 26. Spieltag der DKB Handball-Bundesliga und landete zwei „Big Points“ im Kampf gegen den Abstieg. Die Löwen kamen gut ins Spiel, führten früh mit 5:1. Als sich mehr und mehr Fehler ins Spiel der Gelben schlichen, kam Gummersbach auf. VfL-Keeper Carsten Lichtlein war mit 15 Paraden genauso entscheidend für den Coup wie der Rückraum, in dem unter anderem Eirik Köpp und Ivan Martinovic glänzten. Bei den Löwen waren Andy Schmid und Alex Petersson mit je fünf Treffern beste Werfer.

Im Sky-Interview sagte ein sichtlich betroffener Schmid: „Wir haben wohl gemeint, hier im Vorbeigehen zwei Punkte mitnehmen zu können. Der gute Start hat dieses Gefühl vielleicht noch verstärkt. Durch die dann verworfenen Bälle holen wir Gummersbach ins Spiel.“ An der eigenen Leistung ließ der gewohnt offen sprechende Kapitän kein gutes Haar: „Das war eine desolate Vorstellung von A bis Z, haben einfach richtig besch… gespielt.“ Oliver Roggisch, der Sportliche Leiter der Löwen, sah das ähnlich: „Das war ein schlechtes Spiel von uns. Nach dem guten Beginn haben wir zwei Gänge zurückgeschaltet. Carsten Lichtlein hat zudem einen Sahnetag erwischt. Wir denken wohl, wir können hier mit 80 Prozent gewinnen.“ Dafür habe man schließlich die Quittung bekommen. Mit Blick auf das nächste Spiel sagte Roggisch: „In Nantes am Samstag müssen wir uns ganz anders präsentieren.“ Auch Trainer Nikolaj Jacobsen verwies auf die dürftige Leistung und verlangte von seiner Mannschaft eine deutliche Steigerung für Samstag, wenn es für die Löwen im Achtelfinal-Rückspiel bei HBC Nantes um den Einzug ins Viertelfinale der VELUX EHF Champions League geht.

Guter Löwen-Start, dann kommt Gummersbach

Der Start auf der Platte in Gummersbach gelingt den Löwen ausgesprochen gut. Mit 0:2 und 1:5 aus Sicht der Heimmannschaft gehen sie in Führung, dabei zeigen sich insbesondere die beiden Schweden Mikael Appelgren (Tor) und Jerry Tollbring (Linksaußen) in bester Verfassung. Auch der zuletzt im Formtief steckende Mads Mensah findet gut in die Partie, markiert die Treffer zum 0:2 und zum 3:6 (11.). Gummersbach arbeitet sich nach schwachem Beginn über die Abwehr ins Spiel. Immer besser verschieben die Oberbergischen, haben ihre Probleme aber nach wie vor im Herausrücken – und im eigenen Abschluss.

Tollbring verwertet nach Appelgrens fünfter Parade einen Gegenstoß zum 3:7 (13.). Alles sieht nach dem erwarteten Favoritensieg aus. Beim 6:8 durch Ivan Martinovic haben sich die Blauen immerhin auf zwei Treffer herangesogen (19.). Die Löwen haben ihre Probleme, vor allem im Abschluss schleichen sich mehr und mehr Flüchtigkeitsfehler ein. Davon profitiert Carsten Lichtlein. Der VfL-Keeper schraubt seine Quote fast minütlich nach oben. Angefeuert von seinen Paraden bekommen die Gummersbacher immer mehr Selbstvertrauen.

Jacobsen gibt taktisch und personell alles


Löwen-Coach Jacobsen versuchte viel – nichts fruchtete.
Löwen-Coach Jacobsen versucht gegenzusteuern. Er bringt Alex Petersson für den glücklosen und mehrfach geblockten Vladan Lipovina, später Geburtstagskind Filip Taleski für den abbauenden Mensah. Die Fahrigkeit aus dem Spiel seiner Mannschaft bekommt der Trainer damit aber nicht. Im Gegenteil. In der 24. Minute erzielt Stanislav Zhukov mit dem 9:10 den ersten Anschlusstreffer seit dem 1:2, kurze Zeit später gelingt Moritz Preuss der erste Ausgleich überhaupt (10:10, 26.). Als dann VfL-Spielmacher Pouya aufdreht, das 11:11 und 12:11 markiert, schwimmen die Löwen so richtig. Eirik Köpps 13:11 zur Pause macht die Enttäuschung der ersten Halbzeit aus Löwen-Sicht komplett. Lichtlein hat zu diesem Zeitpunkt mit acht Paraden fast eine 50-Prozent-Quote. Dazu kommen zwei verworfene Siebenmeter durch Schmid und Tollbring.

Die Konzentrationsmängel bekommen die Löwen auch nach dem Seitenwechsel nicht in den Griff. Dabei probiert Coach Jacobsen personell wie taktisch einiges. Zunächst bringt er Andreas Palicka ins Tor, Steffen Fäth für Taleski auf halblinks. Beim Stand von 16:14 (37.) darf auch Andy Schmid verschnaufen, für ihn kommt Mads Mensah auf Rückraum Mitte. Das Spiel der Löwen bleibt so oder so fehleranfällig. Gummersbach hingegen verfolgt eine klare Linie, spielt geduldig die Angriffe lange aus und hat zunächst mit Eirik Köpp den besten Mann der zweiten Halbzeit.

Gummersbach mit Wurfgewalt, Cleverness – und Lichtlein

Sein fünftes Tor bringt das 18:15, Petersson antwortet mit seinem fünften Treffer zum 18:16 (41.). Jannik Kohlbachers Steal und Bogdan Radivojevics toller Gegenstoß markieren den Anschlusstreffer (18:17, 42.). Dass dies der letzte in diesem Spiel für die Löwen bleiben soll, hätte wohl niemand vermutet. Andy Schmid kommt zurück, trifft auch gleich zum 20:18 (46.). Köpp kontert mit dem sechsten Tor zum 21:18 (47.). Nun darf auch Junglöwe Max Kessler ran. Gas geben aber die Gummersbacher: Martinovic ist nicht mehr zu halten, trifft zum 22:18, 23:19 und zum 24:19 (52.). Dazwischen bringt Jacobsen den siebten Feldspieler, stellt in der Abwehr auf 5:1-Deckung um. Das Problem bleiben aber die individuellen Fehler.


Am Ende herrschte Frust bei den Löwen. 
Nach Kesslers erstem Saisontor zum 24:20 und dem 24:21 durch Taleski keimt Hoffnung bei den Löwen (53.). Zunichte wird diese gemacht vom überragenden Lichtlein. Seine 14. Parade gegen Taleski bedeutet eine 41-Prozent-Quote für den Ex-Nationalspieler. Schröter mit dem 25:21 bringt die Überraschung dann wirklich auf den Weg (55.). In den letzten fünf Minuten können die Badener nicht mehr entscheidend zulegen, auch weil es die Gummersbacher clever zu Ende spielen. Martinovics achtes Tor stellt auf 26:21 – da ist die Partie gelaufen. Nach 60 Minuten steht es 28:23 für den VfL. Und das verdientermaßen.

VfL Gummersbach – Rhein-Neckar Löwen 28:23 (13:11)

Gummersbach: Lichtlein, Puhle – Baumgärtner, Zhukov (2), Preuss (2), Becker, Pouya (5), Martinovic (8), Schröter (1), Köpp (6), Herzig, Dayan, Busch, Xhafolli, Sommer (4/1), Bialowas

Löwen: Palicka (ab 31.), Appelgren – Schmid (5/1), Lipovina, Radivojevic (3), Tollbring (4), Abutovic, Mensah (3), Fäth, Groetzki, Taleski (2), Guardiola, Petersson (5), Kohlbacher, Kessler, Ahouansou

Trainer: Torge Greve – Nikolaj Jacobsen

Schiedsrichter: Lars Geipel / Marcus Helbig

Strafminuten: Sommer (2), Becker (2), Schröter (2), Zhukov (2) – Petersson (2)

Siebenmeter: 1/1 – 1/3

Löwen: Schmid wirft Siebenmeter an die Latte (8.), Tollbring wirft Siebenmeter an die Latte (21.)

Spielfilm: 0:2, 1:2, 1:5, 3:5, 4:8, 6:8, 7:10, 10:10, 10:11, 13:11 (HZ), 13:12, 17:14, 18:15, 20:17, 22:18, 23:19, 24:19, 24:21, 26:21, 28:23 (EN)

Text RNL // Bild DG CGRN

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