Eure neue Single „no pressure“ ist ein starkes Statement gegen den gesellschaftlichen Druck. Wann habt ihr für euch gemerkt, dass es genau dieser Song jetzt sein muss?
Micha:
Einen genauen Zeitpunkt gab es, da glaube ich gar nicht. Diesen gesellschaftlichen Druck gibt es ja schon lange Zeit, aber insbesondere in den letzten Jahren ist dieser Druck immer stärker geworden, was wir als selbständige Musiker auch immer mehr am eigenen Leib spüren.
Eine Musikindustrie in der Krise (vor allem für kleinere Künstler), steigende Lebenskosten und vor allem Mieten ließen uns keine Wahl, als über dieses Thema zu sprechen beziehungsweise zu schreiben. Aber nicht nur unser persönlicher Struggle hat uns zu diesem Song gebracht. Auch in unserem Umfeld können wir bei der größten Mehrheit diesen Leistungsdruck spüren und mit diesem Song wollten wir nicht nur unser persönliches Verhältnis zu diesem Thema zeigen, sondern auch so vielen Menschen ein Zeichen geben, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein sind.
Der Song klingt leichtfüßig, hat aber eine tiefe, wichtige Botschaft. Wie schwer oder leicht ist euch das Songwriting diesmal gefallen?
Micha:
Dieser Song hat uns tatsächlich fast zwei Jahre von der ersten Idee bis zum heutigen Ergebnis gekostet. Das hatte aber hauptsächlich musikalische Gründe. Hierbei könnte der gesellschaftliche Druck, den perfekten Song zu schreiben, ironischerweise eine Rolle gespielt haben. Das Writing in Bezug auf den textlichen Inhalt hingegen fiel nicht besonders schwer. Die Problematik ist uns – auch durch eigene Erfahrung – sehr bekannt. Dementsprechend fiel es uns nicht sehr schwer, die passenden Worte zu finden. Wir wussten schon ziemlich genau, was wir sagen wollten.
Die Zeile „Es wär’ schon schön, wenn sich was ändert, aber no pressure“ trifft voll ins Herz. Gibt es persönliche Geschichten, die euch besonders inspiriert haben?
Micha:
Das Schöne an solchen Textzeilen ist, dass jeder seine eigene kleine Geschichte dazu hat. So ist es natürlich auch bei uns. Jeder von uns hat seine persönlichen Geschichten zu dieser Textzeile. Für mich ist es auf persönlicher Ebene die aktuelle Situation in der Musikbranche für kleinere KünstlerInnen. Ganz weit oben dabei sind große Ungerechtigkeiten in der Vergütung durch Streaming-Plattformen. Es wäre durchaus sehr schön, wenn sich da etwas ändert, aber wir wissen auch, dass das nicht in unseren Händen liegt. Also in diesem Kontext ist das wohl eher ironisch zu verstehen.
„no pressure“ fühlt sich an wie ein kleiner Befreiungsschlag. Hat sich durch den Song auch euer Blick auf eure eigene Entwicklung als Band verändert?
Micha:
Ganz sicher hat dieser Song auch Einfluss auf unsere Entwicklung. So gut es eben geht, haben wir versucht, uns immer mehr frei zu machen von diesem gesellschaftlichen Druck und das wirkt sich auch positiv auf unsere Arbeit aus. Das Musikmachen und Songwriting ohne Druck ist mit das Schönste, was es für uns gibt. Nur leider, leider kann sich keiner komplett frei davon machen, da nunmal jeder etwas zu Essen und eine Bleibe braucht, die bezahlt werden muss. Nichtsdestotrotz hat uns das Schreiben des Songs und alles, was damit verbunden ist, gezeigt, dass man sich mehr frei machen kann, als man es vielleicht vermuten würde.
Nach der Single kommt die „NO PRESSURE TOUR“ im Herbst 2025 – worauf freut ihr euch bei den Konzerten am meisten?
Micha:
Auf die Menschen! Die Menschen, die zu unseren Konzerten kommen, kennen die Thematiken und Emotionen, die wir in unseren Songs transportieren. Bei einem Konzert in einer großen Gruppe versammelt zu sein, ist immer etwas Besonderes: für uns und auch für das Publikum. In heutigen Zeiten ist dies wichtiger denn je. Gegen die Vereinsamung zu viel Individualismus und für lebensfrohe Gemeinschaften.
Gerade live seid ihr für eure ehrlichen, energetischen Auftritte bekannt. Was erwartet eure Fans auf der neuen Tour – gibt es Überraschungen?
Micha:
Eine riesige Feuershow und 20 TänzerInnen oder ähnliches wird es leider nicht geben, aber dafür wird es musikalisch so einige Überraschungen geben, über die wir natürlich erstmal nichts verraten wollen. Bei unseren Live-Konzerten haben wir schon immer etwas anders gemacht und wir spielen nicht einfach nur die Songs genauso, wie sie in der Produktion klingen. LIVE war und ist für uns immer etwas einmaliges gewesen. Jedes Konzert ist anders und das lieben wir. Unsere Fans können also mit einem einmaligen Konzertabend rechnen, den sie vermutlich so schnell nicht vergessen werden.
Inwiefern spiegelt „no pressure“ auch die Richtung des kommenden Albums wider, an dem ihr gerade arbeitet?
Micha:
No Pressure spiegelt einen großen Teil unseres Albums wider. Wir sind auch nur ein Spiegel einer Gruppe der Gesellschaft und die Thematik ist noch viel größer als nur dieser Song. Auch unser Song „müde” beschäftigt sich mit der gleichen Thematik nur aus einem anderen Blickwinkel.
Neben dieser Thematik gibt es aber auch andere sehr persönliche Themen, die wenig oder sogar nichts mit der Gesellschaft zu tun haben. Insbesondere Trennung und Verlust werden eine Rolle spielen. Auch hier denken wir, dass dies Themen sind, in denen sich jeder in irgendeiner Form wiederfinden wird.
Eure Texte sind oft zwischen Persönlichem und Gesellschaftlichem angesiedelt. Wie schafft ihr diesen besonderen Spagat beim Schreiben?
Micha:
Eigentlich ist das ziemlich einfach. Wir schreiben einfach über das, was uns persönlich bewegt und betrifft. An einem Tag ist das was ganz persönliches, was ein Bandmitglied erlebt hat und an einem anderen Tag ist es eben eine Thematik wie bei „no pressure“. Auch wenn das vielleicht abgedroschen klingt. Wir sind einfach nur wir selbst und schreiben über unser Leben und was uns bewegt.
Ihr seid seit Jahren ein starkes Team. Wie gelingt es euch, als Band in einer sich ständig verändernden Musiklandschaft authentisch zu bleiben?
Micha:
Wir wollen das einfach so. Warum können wir so einfach auch nicht beantworten, aber wir selbst sein war uns immer wichtig und das wollen wir für keinen Preis verkaufen. Und es gab durchaus Momente in unserer kleinen Karriere, in denen wir unsere Authentizität hätten verkaufen können. Aber das würde das Ganze für uns sinnlos machen.
Was möchtet ihr den Leuten mit auf den Weg geben, die gerade selbst viel Druck spüren – und was bedeutet für euch persönlich heute: „no pressure“?
Micha:
Traut euch Dinge zu wagen, traut euch Dinge zu verändern. Schaut mal, was passiert, wenn ihr ein wenig Sicherheit abgebt, aber dafür mehr Freiraum gewinnt. Der gesellschaftliche Druck wirkt meist größer als er ist. Bleibt bei euch. Nicht alles, was die Gesellschaft einem vorschreibt, muss so akzeptiert werden und richtig sein. Traut eurem eigenen Bauchgefühl, dann kann man nicht viel falsch machen. Und tut euch vor allem zusammen. Gemeinschaft ist das wahrscheinlich wichtigste. Niemand muss allein sein.
Ein riesiges Dankeschön an dich, Micha Voßmeier von 2ersitz, für deine Zeit, deine offenen Antworten und dieses großartige Interview! Wir freuen uns riesig auf eure neue Musik und natürlich auf die „NO PRESSURE TOUR“ 2025! CK

„NO PRESSURE TOUR“ 2025
Beitragsbild: Pressefoto



