Donnerstag 29. Januar 2026

Zwischen Tanzfläche und Tiefgang – Toni Mogens über Nähe, Lärm und leise Stärke

Meistgelesene Artikel

- Anzeige -spot_img
- Anzeige -spot_img

Toni, deine neue Single „Lost & Found“ ist ein stiller, emotionaler Kontrapunkt – wie fühlt es sich an, mit so viel Verletzlichkeit nach außen zu gehen?

Es ist immer viel schwieriger, Ruhe und Zerbrechlichkeit in Songs zu übertragen und auch mit der Öffentlichkeit zu teilen – und doch merke ich, dass es meist genau solche Songs sind, die auch eine starke Verbindung mit den Hörer:innen aufbauen. Es kostet mich immer wieder Überwindung, auch diese Themen anzusprechen, aber daraus sind bisher auch die schönsten und persönlichsten Gespräche mit meinen Fans entstanden.

Der Song ist bewusst leiser als der Rest deines kommenden Albums „Home“. Warum war es dir wichtig, genau mit dieser Ballade einen Schlusspunkt zu setzen?

Es fällt mir bei der aktuellen Schnelllebigkeit immer schwerer, sich kurz Zeit zu nehmen und zu realisieren, was man alles erlebt hat und wie privilegiert man auch ist. „Lost & Found“ als letzter Song gibt genau diesen Moment der Reflexion – wie nach einem Marathon, nachdem man nochmal ein paar Meter weitergeht, um zu realisieren, was man gerade geschafft hat.

Vielleicht dann ja auch nur kurz Luft holt, um über den nächsten Lauf nachzudenken.

„Lost & Found“ klingt sehr persönlich. Gab es einen bestimmten Moment, der dich zu diesem Song inspiriert hat?

Seit ich mich entschieden habe, in der Musikbranche zu arbeiten, bin ich unglaublich viel unterwegs, und es ist immer schwerer, Beziehungen zu pflegen und aufrechtzuerhalten. Im Song geht es darum, dass man sich jedoch keinen Druck machen muss, da wahre Freundschaften und Liebe auch ohne ständige Nähe funktionieren können. Ob das einem leichtfällt, ist natürlich eine andere Frage 😊

Manchmal kann Distanz auch Beziehungen stärken. In so einer Situation ist der Song auch entstanden.

Du sprichst davon, dass man leise werden muss, um wirklich zu fühlen – wie findest du in einem oft lauten Alltag solche ruhigen Momente für dich?

Meist kommen diese Momente erst spät am Abend, und beim Songwriting kann es dann auch oft eine lange Nacht werden. Doch das ist das Schöne an den Nächten – dass man dort die Tage und das Erlebte am besten reflektieren kann.

Produziert wurde der Song von Jonas Frank – wie sah eure Zusammenarbeit aus, gerade bei so einem intimen Stück?

Ich kenne Jonas noch aus meiner Zeit in Stuttgart, und gerade bei ruhigen Stücken ist es immer schön, erst mal im Studio anzukommen, Kaffee zu trinken und sich über den Song und die aktuellen Gefühle auszutauschen.

Da wir uns lange nicht gesehen hatten, gab es viel zu erzählen, und die eigentliche Aufnahme ging dann sehr schnell, da wir wussten, wohin die Reise musikalisch gehen sollte.

Dein neues Album vereint 90s-Vibes, Boyband-Charme und emotionale Tiefe. Wie gelingt dir der Spagat zwischen Tanzbarkeit und echtem Gefühl?

Das ist genau das, was ich an Popmusik, speziell aus den 90ern, liebe. Man schreibt Songs meist als Balladen an Gitarre oder Klavier. Statt jedoch die Musik auch in diesem Stil zu produzieren, verkleidet man teilweise ernste oder traurige Inhalte in bunte musikalische Popkostüme und eingängige Mitsing-Parts. Das ergibt ein Songbild, das mir persönlich gerade große Freude macht, da ich selbst ein sehr positiv eingestellter Mensch bin – jedoch gerne auch Themen wie gescheiterte Beziehungen in Songs verpacke.

Du hast schon viele Bühnen bespielt – vom Wohnzimmer bis zur Fernsehshow. Wie verändert sich deine Performance, wenn ein Song wie „Lost & Found“ im Set auftaucht?

Ein großer Unterschied entsteht bereits bei Songs, die ich mit einem Instrument performe. Bei den Shows mit Band stehe ich mittlerweile auch oft nur mit Mikrofon auf der Bühne und genieße die Interaktion mit dem Publikum. Setze ich mich nun bei „Lost & Found“ ans Klavier, entsteht schon mal eine deutlich intimere Stimmung.

„Lost & Found“ zählt auch zu den Songs, die ich nur solo performen werde. Mir ist es hier wichtig, alle im Publikum zu erreichen – und so versuche ich, jede Bühne, egal wie groß, zum Wohnzimmer werden zu lassen.

Als Songwriter wurdest du mehrfach ausgezeichnet – wie unterscheidet sich das Schreiben für andere von dem für dich selbst?

Sobald ich weiß, dass ein Song für mich ist, verbindlicht sich meist mein Songwriting, und ich schreibe ihn so, wie ich ihn mit Band auf der Bühne auch performen möchte. Ich sehe meine größte Stärke in der Live-Performance und freue mich schon beim Songwriting, Parts zu schreiben, bei denen ich genau weiß – „diesen Chor werde ich mal mit dem Publikum singen“ oder „hier werden wir live ein Gitarrensolo einbauen“.

Mit „Home“ beschreibst du nicht nur ein Album, sondern auch ein Gefühl. Was bedeutet „Zuhause“ für dich – persönlich wie musikalisch?

Als Karlsruher, der dann sechs Jahre in Fellbach bei Stuttgart gewohnt hat und nun in Berlin ist, hat sich mein Gefühl von „Zuhause“ verändert. Es ist weniger der Ort, sondern die Menschen und die gemeinsamen Erlebnisse, die ich mit den Leuten habe. Meine Eltern, mein Bruder, Freunde – ganz egal, wo wir uns sehen, dort ist für mich in diesem Moment mein Zuhause.

Musikalisch hat sich dieses Gefühl ebenso mit angepasst. Songs werden zum Zuhause, und es ist egal, ob er jetzt mehr poppig, rockig oder in den Schlager geht, egal ob Englisch oder Deutsch – solange ich mich mit dem Song identifizieren kann und es sich richtig anfühlt, fühle ich mich in der Musik zu Hause.

Wenn jemand „Lost & Found“ zum ersten Mal hört – was wünschst du dir, dass dieser Mensch dabei empfindet oder mitnimmt?

„Lost & Found“ ist kein trauriger Song – setz dich auf einen bequemen Stuhl oder leg dich ins Bett, schließe die Augen und denk an deine Liebsten, die du vielleicht lange nicht gesehen hast, aber bei denen du genau weißt: Sie sind da für dich – und du für sie, egal, was andere denken oder sagen.

Toni Mogens
Lost & Found

Label: Motor Entertainment
VÖ: 20.06.2025
Genre: Pop
Bei iTunes kaufen

Auf Apple Music anhören

Lieber Toni, danke für deine Zeit, deine Offenheit und dieses wunderbare Gespräch. „Lost & Found“ ist ein berührender Ruhepunkt mit Tiefe – und wir freuen uns sehr auf dein neues Album „Home“. Alles Gute für die kommenden Shows und deine musikalische Reise! CK

Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
- Anzeige -spot_img

Neuste Artikel