Mit seiner neuen EP „Mondlandung“ lädt Andreas Liebert dazu ein, kurz innezuhalten. Seine Musik entzieht sich dem Lärm der Gegenwart, sucht nach Bedeutung in den Zwischenräumen und lässt Platz für Gedanken, die sonst oft untergehen.
Angelehnt an die Ästhetik der Hamburger Schule – mit Bands wie Tocotronic, Die Sterne oder Blumfeld – gelingt Liebert eine poetische Bestandsaufnahme des Jetzt: leise, ehrlich und kompromisslos persönlich.
Kurz vor seiner „Mondlandung“-Tour im November 2025 sprechen wir mit Andreas über Entschleunigung, Inspiration und darüber, warum leise Töne manchmal die lauteste Wirkung entfalten.
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Mehr InformationenAndreas, der Titel deiner neuen EP „Mondlandung“ klingt nach Aufbruch, Entdeckung und vielleicht auch Einsamkeit. Wie kam es zu diesem Namen – und was bedeutet er für dich persönlich?
Der Titel kam aus einem Bild, das nicht mehr weggeht. Mondlandung heißt Aufbruch und Einsamkeit zugleich. Aber auch Resignation, Aufgeben und trotzdem weitermachen, weil es keine Alternative gibt. Es geht viel um Alltag, obwohl das das genaue Gegenteil ist – unvorstellbar und trotzdem hat es funktioniert. Für mich hängt auch der Titel an dem Jahr, in dem mein Großvater starb. Ein Loch, das geblieben ist. Mondlandung ist alles und nichts zugleich.
Deine Songs wirken sehr reduziert – Gitarre, Gesang, wenig Ablenkung. War diese Schlichtheit eine bewusste Entscheidung oder hat sie sich organisch ergeben?
Live soll nichts ablenken, die Songs sind so gebaut, dass sie auch in einem stillen Raum funktionieren. Die Musik ist der Rahmen für die Texte, für die Geschichten. Im Studio hatten wir alles an Instrumenten da, aber mir ging es um Leichtigkeit, als bewussten Kontrast zu den sperrigen, schweren Texten.
Du beschreibst deine Musik als eine, die sich „Zeit nimmt und nicht auf schnelle Antworten setzt“. Wie schwierig ist es, mit dieser Haltung in einer beschleunigten Musikwelt zu bestehen?
Mit meiner Musik wollte ich nie in dieser beschleunigten Welt bestehen. Es geht darum zu schwimmen, Halt zu verlieren, alles ehrlich zu nehmen. Konzerte absagen, falsche Entscheidungen treffen – das gehört dazu. Trotzdem alles ein bisschen leicht nehmen, weil es zum Leben gehört. Niemand hat sofort Antworten. Man versucht, denkt nach, spricht darüber, teilt Erfahrungen. Irgendwann kommt die Antwort, die sich richtig anfühlt.
Deine Texte wirken oft wie kleine Alltagsbeobachtungen – leise, aber präzise. Woher nimmst du deine Inspiration? Aus Gesprächen, Momenten, Erinnerungen?
Vor allem aus dem Alltag, aus kleinen Beobachtungen, aus dem eigenen Scheitern, den winzigen Lösungen, den schweren & leichten Tagen. Aus Dingen, die viel zu schnell zu Erinnerungen werden. Die Zeit sucht sich ihre Themen und ich versuche ihr entgegenzutreten.
Viele Hörer fühlen sich an die Hamburger Schule erinnert. Wie stehst du zu diesem Vergleich – und welche Künstler haben dich tatsächlich geprägt?
Der Begriff schwebte lange in der Luft, während ich Musik machte. Es gibt Musiker, die dazu passen, aber wie das klingt, weiß niemand genau. Als ich mit der Musik anfing, wusste ich nichts davon. Erst Leute mit viel Musikgeschichte steckten meine Songs in diese Ecke, es fielen Namen wie Blumfeld und Die Sterne. Erst als ich das einordnete, machte ich mich damit vertraut – und mochte es.
In einer Zeit, in der Musik häufig über Algorithmen statt über Inhalte funktioniert – wie wichtig ist dir das Live-Erlebnis und die direkte Begegnung mit dem Publikum?
Sehr wichtig. Es geht ums Zuhören in beide Richtungen. Auf der Bühne hören die Menschen zu, lassen sich an die Hand nehmen, tauchen mit mir in meine Vergangenheit – vielleicht eine Parallele zu ihrer eigenen. Danach der Austausch. Ich höre zu, was die Songs in ihnen auslösen, wie sie sie verstehen. Das war mir immer wichtig.
Wenn du auf der Bühne stehst: Was möchtest du, dass die Menschen mitnehmen, wenn sie deine Songs hören?
Ich möchte einladen, sich auch mit den unbequemen Fragen auseinanderzusetzen, dass es manchmal unbequem sein muss, um das Schöne und Leichte zu finden. Mir geht es um Kommunikation, darum, Menschen wirklich kennenzulernen, die Zeit miteinander bewusst zu genießen – kein Carpe Diem, sondern ehrlich und aufmerksam.
Die EP wirkt trotz aller Melancholie tröstlich. Ist „Mondlandung“ für dich auch ein Hoffnungssignal?
In meinen Songs, egal wie dunkel oder verloren die Stimmung ist, steckt immer Hoffnung, auch wenn es nur darum geht, seinen Frieden mit Situationen zu finden. Diese Hoffnung ist es, die mich durch die Tage trägt.
Die Tour startet im November – von Fürth bis Graz. Was erwartest du von diesen Abenden? Und gibt es Orte, auf die du dich besonders freust?
Ich freue mich auf alle Abende, es ist immer ein bisschen wie in eine Glaskugel zu blicken, weil man nie weiß, wer oder was einen erwartet. Ich erwarte gute Abende, mit Menschen, die zuhören und bereit sind, sich 60 Minuten lang auf mich und die Musik einzulassen.
Zum Schluss: Wenn du in einem Satz beschreiben müsstest, was „Mondlandung“ für dich bedeutet – welcher wäre das?
Mondlandung ist, wenn Hallo und Tschüss so dicht nebeneinanderstehen, dass man sich fragt, was eigentlich wichtiger war.
Lieber Andreas, vielen Dank für deine Zeit, deine Offenheit und deine Gedanken. Wir wünschen dir alles Gute für die Veröffentlichung der neuen EP „Mondlandung“ und eine inspirierende, erfolgreiche Tour im November. Möge die Reise genauso still, ehrlich und bedeutungsvoll sein wie deine Musik. Interview by CK
Titelbild © Sven Sindt
ANDREAS LIEBERT – MONDLANDUNG-TOUR
7.11.2025 – Fürth, Kaltscher
8.11.2025 – Göttingen, Kleiner Ratskeller
9.11.2025 – Flensburg, Imagine Bar am Deutschen Haus
10.11.2025 – Mainz, Schick
11.11.2025 – Essen, Felis
12.11.2025 – Leipzig, Café Westen
14.11.2025 – Graz (AT), Kunst Klub Kräftner



