1. Isaak, deine Tour heißt „ENJOY THAT LIFE’S A TOUR“. Was bedeutet dieser Titel für dich persönlich?
Der Titel leitet sich von einem meiner (bisher unveröffentlichten) Songs ab wo es heißt “enjoy that life’s a bitch”. Ich bin ein Mensch, der Kontraste liebt. Ich liebe den Winter, weil’s mir da immer so scheiße geht & ich im Frühling extrem aufblühen kann. Ich umarme quasi alles was sich nicht gut anfühlt, sodass ich alles, was sich gut anfühlt umso mehr umklammern kann.
2. Du hast sowohl melancholische Balladen als auch energiegeladene Songs im Repertoire. Wie entscheidest du, welche Emotion du in einem Song einfangen möchtest?
Das entscheide ich ehrlich gesagt gar nicht. Wenn ich Songs schreibe, spiele ich erstmal nur rum, bis irgendwann irgendetwas passiert wo ich denke “das ist special”. Dann versuche ich Elemente hinzuzufügen, die sich in dem Moment einfach richtig anfühlen & sobald ein grobes instrumentales Konstrukt steht, versuch ich mir selbst zuzuhören. Was denke ich? Woran erinnere ich mich? Was fühle ich? Dabei kann alles entstehen, je nachdem was gerade in mir ist und unbedingt raus möchte.
3. Deine Stimme ist außergewöhnlich kraftvoll. Wie trainierst du sie, um dieses beeindruckende Lungenvolumen beizubehalten?
Viel zu wenig auf jeden Fall. Das intensivste Stimmtraining das ich mache ist Blubbern mit Lax Vox. Da hat man eine 0,5 L Flasche die etwa drei Finger hoch mit Wasser gefüllt ist und dort steckt man einen Silikonschlauch hinein, durch den man seine Gesangsübungen reinblubbert. Aber grundsätzlich würde ich sagen, dass das intensivste Stimmtraining die Konzerte an sich sind. Wenn ich z.B. im Winter (Januar/Februar) nur wenige Gigs spiele, dann brauche ich oft eine regelmäßigere Konzerte, um wieder in Routine zu kommen. Außerdem schummle ich oft mit der Setlist, indem ich einige entspanntere Songs zu Anfang performe, sodass ich mich während des Konzert quasi warm mache für die Brecher.
4. Mit „Always on the Run“ hast du Deutschland beim ESC vertreten. Wie hat diese Erfahrung deine Karriere und dein Songwriting beeinflusst?
Meine Karriere hat der Song sehr beeinflusst, letztlich läuft seither alles in einer viel schnelleren Geschwindigkeit, das Team ist größer, mehr Gigs, mehr TV & Radio Auftritte, mehr Songwriting Sessions. Aber ich glaube nicht, dass der Song irgendetwas an meinem Songwritingprozess geändert hat.
5. Du bist nicht nur Musiker, sondern auch zweifacher Vater. Wie schaffst du es, Familie und Tourleben zu vereinbaren?
Gute Frage. So richtig herausgefunden habe ich es immer noch nicht. Aber ohne Familie geht gar nichts. Meine Frau hält mir sehr viel den Rücken frei & meine Eltern sind sehr viel für uns da. Wäre das nicht, gäbe es keine Chance das irgendwie zu jonglieren.
6. In Frankfurt trittst du im Nachtleben auf – was bedeutet es dir, in kleineren, intimen Venues zu performen im Vergleich zu großen Bühnen?
Ich bin ehrlich gesagt gar nicht so der Fan von großen Venues. Je größer die Venue, desto kleiner die Energy im Raum. Ich glaube das liegt u.a. daran, dass man sich in einer Crowd von 5.000-10.000 Leuten einfach zu anonym fühlt. Da ist man eher dazu verleitet mit seinem Partner zu quatschen, denn der Künstler ist so weit weg von mir, der kriegt das nicht mit. Aber so denken halt sehr viele im Publikum & dadurch entsteht eine fast allgemeine Unaufmerksamkeit. Vor wenigen 100 Leuten traut sich das keiner, da die Gefahr bestehen könnte, dass dem Künstler mein störendes Verhalten auffällt. Ist nur eine Mutmaßung von mir, aber ich glaube ich liege damit gar nicht so falsch.
7. Deine Musik hat Millionen von Streams erreicht. Spürst du einen besonderen Druck, diesen Erfolg immer wieder zu übertreffen?
Nein, das wird schon.
8. Welche Künstler oder musikalischen Einflüsse haben dich in deiner Karriere am meisten inspiriert?
Ich denke an erster Stelle steht James Morrison mit seinem Album “Songs for me truths for you”. Aber sonst komme ich auch aus einem sehr christlichen Elternhaus & habe demnach von Klein auf sehr viel Worship Music Inspiration eingetrichtert bekommen, ich denke, das spiegelt sich heute sehr in meinen Melodien wieder, auch wenn’s textlich gar nicht der Fall ist. Weitere große Inspirationen sind Jason Mraz, Panic! At the disco, Foy Vance, JP Saxe, Damien Rice.
9. Du hast als Straßenmusiker angefangen. Gibt es eine besondere Erinnerung aus dieser Zeit, die dich bis heute prägt?
Etliche. Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen oder aufhören soll. Aber ich kann mich erinnern, wann mir Eier gewachsen sind. Ich habe in meiner Heimatstadt Minden Straßenmusik gemacht (war zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich um die 13-15 Jahre alt), da öffnete sich aus einer Wohnung im ersten OG des mir gegenüber stehenden Gebäudes ein Fenster und ich hörte eine sehr tiefe, laute Stimme schreien: “Willst du, dass ich dir die Gitarre rektal einführe? Dann sing weiter!”. Ich sah zu ihm rauf, er war ca. 2 Meter groß, Glatze (mit Narben auf der Glatze, der sah aus wie ein Endgegner). Man kannte ihn in Minden, Türsteher. Ich hatte einige Passanten um mich, die meiner Musik lauschten. Ich hab mich fast eingeschissen, aber dachte mir “das kannst du so nicht stehen lassen”, also hab ich meinen ganzen Mut zusammen genommen und zurück gerufen: “Das kann aber schon netter sagen.” Ich dachte, der kommt jetzt runter und haut mich kaputt. Er entgegnete dann mit “anscheinend ja nicht, jeden Tag das Gejaule, ich kann’s nicht mehr hören”, dann sind allerdings meine Zuhörer & Zuhörerinnen mit eingestiegen und haben ihm ebenfalls zugerufen “doch, doch, das kann man durchaus netter sagen”, dann gab’s ein kleines Wortgefecht, bis er abschließend kopfschüttelnd sein Fenster schloss. Seitdem hab ich mir ne große Fresse wachsen lassen & erschreckend gut damit durchgekommen.
10. Was können deine Fans von deinem Konzert in Frankfurt und generell von deiner kommenden Tour erwarten?
In allererster Linie wirklich geile Musik. Ich habe so eine krasse Band, eine absolute Wucht. Kein Halbplayback, kein Autotune, alles echt gespielt. Ich rede außerdem echt viel auf der Bühne, erzähl viele Geschichten & auch echt ne Menge Bullshit. Mein Output ist einigen Punkten vllt auch zwischendurch mal nicht ganz jugendfrei. Ich nehme mir viel Zeit für meine Fans. Nach jedem Konzert wird’s eine Limitless Autogrammstunde am Merchstand geben, wo wir Fotos machen können & einfach ne schöne Zeit haben dürfen. Ich freue mich echt irre drauf!
Isaak, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast! Deine Leidenschaft für die Musik und deine authentische Art begeistern deine Fans immer wieder. Wir freuen uns darauf, dich live auf deiner „ENJOY THAT LIFE’S A TOUR“ zu erleben und wünschen dir weiterhin viel Erfolg – sowohl auf der Bühne als auch im Leben! CK
Dankeeeeeeeeeeeeeeee, freue mich auf euch!




