Am 22. Oktober 2025 erscheint das neue Buch von Prof. Dr. med. Dietrich Grönemeyer: „Natürlich altern! Fit bis 100 mit der Grönemeyer-Formel“ (Südwest Verlag). Darin zeigt einer der bekanntesten Ärzte Deutschlands, wie wir mit der richtigen Haltung, bewusster Lebensführung und fünf klaren Schlüsseln nicht nur älter, sondern vor allem gesünder und glücklicher leben können.
Statt sich auf künstliche Biohacks oder Wundermittel zu verlassen, plädiert Grönemeyer für Natürlichkeit, Achtsamkeit und Lebensfreude – und erinnert uns daran, dass Altern kein Defizit, sondern eine Chance ist, tiefer, bewusster und erfüllter zu leben.
Wir haben mit Prof. Grönemeyer über sein neues Buch, seine Haltung zum Thema „Natürlich altern“ und über das, was wirklich zählt im Leben, gesprochen.

Dietrich Grönemeyer
Natürlich altern!
Verlag: Südwest
Veröffentlichung: 22.10.2025
ISBN: 978-3-517-10423-2
Preis: 25,00 €
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Lieber Herr Prof. Grönemeyer, Ihr neues Buch heißt „Natürlich altern!“. Was hat Sie persönlich dazu bewegt, sich so intensiv mit dem Thema zu beschäftigen?
Wenn ich in der Vergangenheit über »natürlich altern« nachgedacht hatte, dann störte mich zunehmend der Hype um das Modewort »Longevity«. Die neuesten technischen Möglichkeiten, das Leben mit Infusionen und Nahrungsergänzungsmitteln, mit Apps, Biohacks und Was-es-nicht-alles-gibt zu verlängern, das mag beeindruckend sein – aber mich selbst beeindruckt das nicht sehr. Ich habe nicht das Ziel, dem Leben auf Biegen und Brechen mehr Tage abzuringen. Es geht mir darum, möglichst viel Leben in unsere Tage zu bringen. Mit 60, 80 und auch mit 100. Natürlich!
Sie schreiben, dass 60 Prozent unseres Alterns durch unser Verhalten beeinflusst werden können – das klingt enorm! Welche Faktoren haben hier den größten Einfluss?
Über unseren Lebensstil haben wir das zum Großteil selbst in der Hand: Mehr Bewegung in den Alltag bringen. Genussvoll essen mit wenig Fleisch, mit mehr Gemüse und Balllaststoffen, guten Ölen. Genussgifte wie Alkohol und Nikotin reduzieren, sich bewusst Zeit für Entspannungsmomente suchen und auf einen erholsamen Schlaf achten.
Der Begriff „Longevity“ ist aktuell sehr im Trend. Sie grenzen sich davon ab und setzen auf Natürlichkeit. Warum ist Ihnen diese Abgrenzung so wichtig?
Ein Plus an Wohlbefinden jeden Tag, das ist mein Fokus. Ein Plus an Tagen, koste es, was es wolle, das ist für mich nicht das primäre Ziel. Der Idee, wie eben schon angedeutet, Alter und Tod mithilfe von Lebensstil-Optimierung, Medikamenten und medizinischer Hightech maximal zu kontrollieren, wenn nicht sogar zu übertrumpfen, kann ich nichts abgewinnen und geht für mich in die falsche Richtung.
Einer Ihrer Leitsätze lautet: „Turne bis zur Urne!“ – welche Art von Bewegung empfehlen Sie besonders im Alltag, auch für Menschen, die vielleicht erst spät damit anfangen?
Erstmal ist jede Art von Bewegung gut. Wenn wir mehr davon in den Alltag bringen, um so besser. Beim Spazierengehen mal aufs Tempo zu drücken, dann wieder mal langsamer und dann wieder schneller ist eine Form von Intervalltraining, die enorme Effekte hat. Muskeltraining im Alter ist wichtig für Koordination und Sturzprophylaxe, Tai Chi und Yoga sorgen für Kräftigung und Entspannung, sind gut für das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele.
Sie betonen die Bedeutung von Genuss – was heißt das konkret? Wie können wir uns gesund ernähren, ohne den Spaß am Essen zu verlieren?
Essen ist kompliziert geworden: Paleo oder Keto? Biobauer oder Discounter? Vegetarisch essen oder einfach alles? Schwierig, schwierig! Man will es richtig machen, ein gutes Gefühl haben, aber auch keinen Extrastress am Tisch. Aber gesunde Ernährung im Alter muss sich doch im Alltag bewähren. Sie muss praktisch sein und vor allem: lecker. Für mich selbst halte ich es gern einfach. Möglichst frisch, möglichst aus der Region, möglichst selbst gekocht. Wenn ich selbst koche, habe ich die volle Kontrolle über das, was auf den Teller kommt – und der muss bei mir immer bunt sein! Gemüse in vielen Farben ist ein guter Orientierungspunkt und macht sogar die Essensplanung einfacher, denn am besten denkt man gleich vom Gemüse her: »Heute gibt’s Brokkoli« ist eine bessere Ansage als »Heute gibt’s Bratwurst mit irgendwas dazu«. Wenn die Hälfte des Tellers mit Gemüse gefüllt ist, ist schon vieles erledigt: Ballaststoffe, Vitamine, Kohlenhydrate, alles drin. Und das Auge freut sich auch.
Das Thema Gemeinschaft und soziale Kontakte spielt in Ihrem Buch eine zentrale Rolle. Wie wirkt sich Nähe und Verbundenheit tatsächlich auf unsere Gesundheit und unser Altern aus?
Ein gutes soziales Netzwerk kann Ihre Gesundheit stabilisieren und Ihre Lebenszeit verlängern – das zeigt inzwischen eine breite wissenschaftliche Datenlage. So haben sozial eingebundene Menschen weniger Infekte, eine stabilere Psyche, haben einen besseren Schlaf, ein gesünderes Herz und tragen ein geringeres Demenzrisiko. Alles Punkte für ein längeres, wohlbefindliches Leben.
Sie sprechen auch über Entspannung, Schlaf und Gelassenheit. Warum ist „Immer mit der Ruhe“ für Sie eine so starke Lebensformel?
Schlafstörungen und Schlafmangel, Arbeitsstress und körperliche und geistige Leistungs-
schwäche durch psychische, physische, sensorische und soziale Stressoren, Angst vor Mobbing oder Arbeitsplatzverlust, familiäre Probleme, Burn-out oder depressive Verstimmungen, Infektionen und vieles mehr schaffen eine übermüdete Gesellschaft. Wir sind am Limit. Stressabbau, innere Ruhe und Entspannung finden und am Ende auch ein gesunder, erholsamer Schlaf – das sorgt für viele zusätzliche Lebensjahre.
„Natürlich altern“ bedeutet auch, nicht so sehr auf die Zahl der Jahre zu achten. Was bedeutet für Sie persönlich ein erfülltes Leben – unabhängig vom Alter?
Ich habe die 70 auch schon überquert, bin leidenschaftlich Arzt und arbeite mit viel Vergnügen in meinem Unternehmen, ich schreibe Bücher, bin seit Kindheit künstlerisch aktiv und reise viel um die Welt, um Vorträge zu halten oder an Talkrunden teilzunehmen. Ja, das macht mir sehr viel Freude, das gibt mir sehr viel Sinngefühl. Glücklich macht mich besonders auch die Liebe zu und von meiner Frau Anja und meinen Kindern. Dass mir das alles darüber hinaus noch zusätzliche Lebensjahre schenkt – das habe ich, muss ich gestehen, erst bei der Recherche für dieses Buch entdeckt.
Sie haben in Ihrer Karriere Medizin, HighTech und Naturheilkunde miteinander verbunden. Welche Rolle spielt diese ganzheitliche Sichtweise beim gesunden Altern?
Es geht nicht darum, das Altern zu besiegen. Wer das versucht, verliert. Weil er das Wesentliche übersieht: das Leben selbst. Und das bemisst sich aus dem Zusammenspiel aus Körper, Geist und Seele. Die Idee von »Optimierung bis zum letzten Blutwert« ist verführerisch, aber so hohl! Sie misst, was zählbar ist (das »Haben«) – übersieht aber, was wirklich zählt (das »Sein«). Ich glaube: Es kommt darauf an, wie wir leben. Mit wem. Und mit welchem Blick auf die Welt. Wie viel Güte, Klarheit und Humor wir einbringen. Und Liebe – zu uns und unseren Mitmenschen.
Wenn Sie den Menschen einen einzigen Rat für ein langes, glückliches Leben geben dürften – wie würde dieser lauten?
Altern ist kein Projekt, das man managen muss. Es ist ein Lebensabschnitt, den man gestalten darf. Mit etwas Disziplin, ja – aber vor allem mit Großzügigkeit. Gegenüber sich selbst. Und anderen. Dass man gut lebt, liebt und lacht. Und nicht vergisst, wem man wichtig ist. Das ist es, was bleibt. Auch wenn die Gelenke mal knirschen.
Herzlichen Dank, lieber Prof. Grönemeyer, für dieses inspirierende Gespräch.
Ihr Buch „Natürlich altern!“ erinnert uns daran, dass Altern kein Verlust, sondern eine Chance auf mehr Tiefe, Freude und Bewusstsein ist.
Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Kraft, Freude und Erfolg – und freuen uns schon heute auf viele weitere wunderbare Bücher von Ihnen! CK
Titelbild © Christian Martin Weiss



