Mittwoch 28. Januar 2026

Interview mit Espen Nowacki – über sein Weihnachtsmusical „Die Stille Nacht“

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Wenn es draußen schneit, Lichter die Städte in warmes Leuchten tauchen und vertraute Melodien durch die Straßen klingen, ist sie wieder da – die schönste Zeit des Jahres. Mitten in diese besondere Atmosphäre fügt sich das zauberhafte Weihnachtsmusical „Die Stille Nacht“ von Espen Nowacki ein.

Der gebürtige Norweger, der seit vielen Jahren mit eigenen Musicalproduktionen große Erfolge feiert, hat mit diesem Werk ein modernes, herzerwärmendes Stück geschaffen, das die wahre Bedeutung von Weihnachten auf neue, musikalisch mitreißende Weise erzählt.

Basierend auf dem Lukasevangelium, aber voller überraschender, humorvoller und emotionaler Momente, führt „Die Stille Nacht“ das Publikum auf eine bewegende Reise zwischen Gegenwart und biblischer Zeit. Rappende Heilige Drei Könige, ein soulbegeisterter Engel und ein rockiger Weihnachtsmann sorgen dabei für frischen Wind in der altbekannten Geschichte.

Wir durften mit Espen Nowacki, dem Autor, Komponisten und Produzenten des Musicals, über seine Inspiration, seine künstlerische Vision und die Bedeutung von Weihnachten sprechen.

Herr Nowacki, „Die Stille Nacht“ feierte 2022 Premiere und hat seitdem viele Zuschauer begeistert. Wie ist die Idee zu diesem besonderen Weihnachtsmusical entstanden?

Weihnachten ist längst ein weltweites Phänomen, das jedes Jahr rund um den Globus gefeiert wird. Jeder kennt die Geschichte von Maria und Joseph – ihre Suche nach einer Unterkunft und die Geburt Jesu mit Engeln und den Heiligen Drei Königen. Diese Geschichte wollte ich als Grundlage für ein Musical nehmen, denn erstaunlich wenige Produktionen widmen sich der Geburt Jesu. Während der Tod Christi in Musicals wie „Jesus Christ Superstar“ ausführlich behandelt wurde, bleibt seine Geburt meist im Hintergrund. Mich reizte die Idee, diese bekannte Geschichte mit einem modernen Twist zu erzählen: Was wäre, wenn heute ein junges, schwangeres Paar an fremde Türen klopfen würde? Wie würden wir reagieren – auf Wunder und auf Glauben. Mit Mitmenschlichkeit oder mit Irritation?

Sie haben das Stück nicht nur produziert, sondern auch selbst geschrieben und komponiert. Wie lange hat dieser kreative Prozess gedauert – von der ersten Idee bis zur fertigen Bühnenproduktion?


Ein vollwertiges Musical zu produzieren dauert Jahre. Zuerst muss man längere Zeit über die Idee brüten und dann langsam anfangen die Geschichte aufzuschreiben. Für „Die Stille Nacht“ haben wir das Buch parallel mit den Liedern geschrieben. Manchmal kam die Idee zu einem Lied zuerst, und wir haben die Geschichte darum gestrickt. Manchmal haben wir im Text erkannt, dass hier ein Lied hineinpasst, und dann etwas Passendes geschrieben. Wenn das alles einmal steht, ist schon ein Jahr vergangen. Mit einem Lektor habe ich das Buch danach mindestens zehnmal umgeschrieben, bevor wir mit der Struktur zufrieden waren. Danach steht ein Theaterstück mit vielen Liedern.

Wir haben auch einen Workshop gemacht, das heißt, das Musical geprobt und für uns aufgeführt, um zu sehen, was funktioniert und was nicht. Erst dann beginnt die Arbeit, die aus einem Theaterstück mit Liedern ein Musical macht. Musik und Handlung müssen integriert werden, und Teile der Szenen müssen auf die Musik abgestimmt und teilweise gesungen werden. Das ist ein harter Prozess, aber sehr lohnend, wenn es funktioniert. Danach müssen Noten und Musik fertiggestellt, Kostüme genäht, Choreografie geprobt und Marketing-Material erstellt werden. Es ist wirklich ein langer Weg, und irgendwie wird man auch nie ganz fertig, weil immer etwas weiterentwickelt werden kann. Wir haben dieses Jahr wieder ein paar Kleinigkeiten dazu geschrieben.

Das Musical verbindet die klassische Weihnachtsgeschichte mit modernen Elementen und Figuren. Warum war es Ihnen wichtig, diese Brücke zwischen Tradition und Gegenwart zu schlagen?

Mir war wichtig, die Weihnachtsgeschichte in unsere heutige Zeit zu holen und ihre Themen neu zu beleuchten. Wir leben in einer durchrationalisierten Welt, in der alles erklärbar scheint – und trotzdem halten wir an Mythen, Wundern und Glauben fest. Das finde ich spannend. Jeder feiert Weihnachten, aber nur wenige fragen sich, warum eigentlich und was daran wirklich zählt. Die ursprüngliche Geschichte kennen wir alle, doch ich wollte ihr neue Perspektiven hinzufügen, damit sie wieder berührt und zum Nachdenken anregt. Wir haben die klassische Erzählung nicht verändert, sondern vielmehr die Zwischenräume gefüllt – mit heutigen Figuren, Emotionen und Fragen, die uns alle betreffen. So entsteht eine Brücke zwischen Tradition und Gegenwart.

Viele Ihrer früheren Produktionen – von „Ab in den Süden“ bis „Best of Musicals“ – sind echte Publikumsmagneten. Worin unterscheidet sich „Die Stille Nacht“ emotional und künstlerisch von Ihren bisherigen Projekten?

Der größte Unterschied ist, dass ich bei DIE STILLE NACHT wirklich alles selbst gemacht habe. Lieder, Texte und die Geschichte stammen komplett von mir. Natürlich habe ich großartige Unterstützung von tollen Menschen bekommen, um das Stück auf ein hohes Niveau zu bringen – aber die Grundlage, also das Herz des Musicals, habe ich selbst geschrieben. Ab in den Süden und Best of Musicals sind dagegen sogenannte Jukebox-Produktionen. Dort basiert der Inhalt auf bekannten Songs – was die Arbeit natürlich deutlich einfacher macht.

Die Musik spielt in Ihren Shows immer eine zentrale Rolle. Welche musikalischen Stile und Einflüsse finden sich in „Die Stille Nacht“ wieder?

Die Musik in DIE STILLE NACHT ist sehr vielseitig, aber immer mit einem weihnachtlichen Wiedererkennungswert. Sie reicht von klassisch inspirierten Kompositionen über Pop-Balladen bis hin zu Rock- und Soul-Elementen. So ist für jeden Geschmack etwas dabei – genau so, wie es an Weihnachten sein sollte.

Das Stück richtet sich ausdrücklich nicht nur an Kinder, sondern an alle, die an Wunder glauben. Was möchten Sie dem Publikum mit dieser Botschaft besonders ans Herz legen?

Das Musical ist kein reines Kindermusical. Die Geschichte und die Produktion sind nicht kindlich, sondern bieten eine perfekte Mischung für die ganze Familie. Gebildete Erwachsene sollen genauso viel mitnehmen können wie die jungen Zuschauer, die vielleicht bisher nur vom Weihnachtsmann gehört haben.

Das Musical sollte ganz klar wertungsfrei von Religion sein. Wir wollten in keiner Weise für oder gegen die religiösen Aspekte dieser Geschichte auftreten. Wir erzählen nur eine spannende Geschichte. Wir vertreten jedoch die Ansicht, dass Glaube gut sein kann. Ob wir an den Weihnachtsmann oder an Leben auf anderen Planeten glauben, ist daher zweitrangig. Es geht darum, dass es zwischendurch guttun kann, an irrationalen Ideen festzuhalten.

Das Ensemble besteht aus erfahrenen Musicaldarstellerinnen und -darstellern, die schon in großen Produktionen auf der Bühne standen. Wie wichtig ist Ihnen bei der Besetzung die persönliche Ausstrahlung im Vergleich zur gesanglichen Perfektion?

Für mich ist es wichtig, dass alle Darsteller nicht nur gut singen und tanzen können – das gehört einfach dazu –, sondern auch schauspielerisch überzeugen. Ebenso entscheidend ist, dass sie Persönlichkeit mitbringen, denn genau das macht die Rollen lebendig und stärker. Ich habe dabei immer ein klares Bild im Kopf, wie etwas wirken soll – das ist natürlich sehr subjektiv. Auf der Bühne versuche ich, diese Vorstellung umzusetzen. Manchmal entdeckt man dabei aber etwas ganz anderes, das genauso gut funktioniert – und dann heißt es: offen bleiben, annehmen und weiterentwickeln.

Sie selbst stammen aus Norwegen, einem Land mit starken Weihnachts- und Musiktraditionen. Haben nordische Einflüsse in irgendeiner Form Eingang in „Die Stille Nacht“ gefunden?

Nein, das kann ich so nicht sagen. DIE STILLE NACHT ist eher eine Mischung aus der biblischen Geschichte und deutschen Weihnachtstraditionen. Manchmal bedienen wir die Erwartungen, manchmal brechen wir sie. Dabei wird der Inhalt immer wieder mit einem Hauch Hollywood gewürzt – sogar Kevin allein zu Haus taucht ganz kurz auf.

Weihnachten ist für viele Menschen auch eine Zeit der Reflexion und des Zusammenhalts. Welche persönliche Bedeutung hat dieses Fest für Sie?

Für mich war Weihnachten immer eine Zeit der Familie – voller Nähe, Geborgenheit und Familienfeste. Gleichzeitig war es auch eine Zeit des Überflusses: Als Kind war Weihnachten die einzige Zeit, in der wir unbegrenzt leckeres Essen und Süßgetränke genießen durften. Das war immer etwas Besonderes. Aspekte meiner Kindheit fließen auch ins Musical ein. Meine Mutter hat kurz vor Weihnachten fast immer irgendwann geweint, weil es einfach zu viel Stress wurde – so auch in DIE STILLE NACHT.

Zum Abschluss: Sie gehen mit „Die Stille Nacht“ auf große Deutschlandtournee. Worauf dürfen sich die Zuschauer besonders freuen – und gibt es vielleicht schon Pläne für neue Projekte nach der Weihnachtssaison?

Wir finden, DIE STILLE NACHT ist der perfekte Einstieg in die Advents- und Weihnachtszeit. Das Musical erinnert auf eine unterhaltsame und emotionale Weise daran, warum wir Weihnachten feiern. Und wer weiß – vielleicht glaubt man danach ein kleines bisschen mehr an den Weihnachtsmann!

Ideen und Pläne habe ich viele. Leider fehlt oft die Zeit. Man soll ja auch mal innehalten und Pause machen.

Ein herzliches Dankeschön an Espen Nowacki für dieses inspirierende und herzliche Gespräch! Mit „Die Stille Nacht“ haben Sie ein Werk geschaffen, das die Magie von Weihnachten neu entfacht und Menschen über Generationen hinweg verbindet. Wir wünschen Ihnen und Ihrem gesamten Team eine wundervolle Tournee, begeisterte Zuschauer und eine besinnliche, erfolgreiche Weihnachtssaison! Interview by CK 

Espen Nowacki – Foto urheberfrei, Quelle: Promo

Espen Nowacki’s Weihnachtsmusical „Die Stille Nacht“ gastiert am 6. Dezember in Speyer (Stadthalle).

Karten können unter https://diestillenacht.reservix.de/events gebucht werden. 

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