Mittwoch 28. Januar 2026

OneRepublic in der Festhalle Frankfurt – Zwischen Gänsehaut und Stadiongefühl

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Frankfurt, 7. November 2025. – Wenn Ryan Tedder auf die Bühne tritt, dann wirkt es fast so, als würde er nicht einfach ein Konzert eröffnen, sondern eine große Erzählung beginnen – eine Geschichte aus Emotionen, Pop-Hymnen und ehrlicher Begeisterung. Am Freitagabend verwandelten OneRepublic die Frankfurter Festhalle in einen vibrierenden Klangdom. 13.000 Fans feierten eine Show, die zwischen intimer Singer-Songwriter-Nähe und epischem Stadionpop pendelte – und die bewies, warum diese Band auch nach fast zwei Jahrzehnten noch zur absoluten Weltspitze gehört.

Bereits mit dem Eröffnungsstück „Feel Again“ setzten OneRepublic ein kraftvolles Statement. Die Halle bebte, als Tedder – gewohnt charmant und energiegeladen – auf die Bühne stürmte, begleitet von einem Meer aus Lichtern, die synchron zum Herzschlag des Beats pulsierten. Die Band wirkte vom ersten Moment an eingespielt, fokussiert und doch sichtlich begeistert. Der Sound: glasklar, warm, perfekt ausbalanciert – eine Seltenheit in der akustisch herausfordernden Festhalle.

Mit „Kids“ und „Good Life“ folgten zwei Songs, die das Publikum sofort mitsingen ließ. Tedder animierte die Menge mit einem breiten Grinsen, hob immer wieder das Mikrofon Richtung Fans, und das kollektive „Oh-oh-oh“ schallte bis in die letzten Reihen. Schon hier wurde klar: Diese Show würde kein klassisches Popkonzert werden, sondern ein gemeinsames Erlebnis zwischen Band und Publikum.

Ein Highlight früh im Set: „RUNAWAY“, das sich zu einer tanzbaren Hymne steigerte, in der Gitarrist Zach Filkins und Drummer Eddie Fisher den Rhythmus zu einem treibenden Puls verdichteten. Danach folgten „Secrets“ und „Rescue Me“, die das Tempo hochhielten – mal elektronisch, mal organisch, aber stets mit dieser unverkennbaren OneRepublic-Signatur: große Emotionen, verpackt in präzise produzierte Pop-Arrangements.

Mit „Run“ und „Stop and Stare“ bewiesen die Amerikaner ihre Vielseitigkeit – zwischen introspektiver Ballade und hymnischer Aufbruchsstimmung. Besonders „Stop and Stare“ sorgte für ein Gänsehautmoment, als Tedder die letzten Refrains a cappella und nur vom Publikum getragen sang.

Dann wurde es intim: Die Band wechselte auf eine kleine Bühne mitten im Publikum – eine Entscheidung, die für unmittelbare Nähe sorgte. Akustisch und reduziert erklangen „Life in Color“ und „Something I Need“, zwei Songs, die Tedder mit sichtlicher Freude performte. Die Fans sangen leise mit, Smartphones leuchteten wie ein Sternenhimmel über der Menge.

Die Überraschung des Abends folgte mit einem Cover: „Halo“ von Beyoncé. Tedder – der bekanntlich als Songwriter für Stars wie Adele, Taylor Swift und Beyoncé selbst gearbeitet hat – interpretierte den Song mit eindrucksvoller Stimmkraft und Emotionalität. Eine Hommage an die Popgeschichte und gleichzeitig ein Beweis seines eigenen musikalischen Einflusses.

Zurück auf der Hauptbühne, nahm das Konzert wieder Fahrt auf. Mit „Lose Somebody“, dem Kygo-Collaboration-Hit, und dem Klassiker „Apologize“ erreichte die Show ihre erste emotionale Spitze. Der Song, der 2007 OneRepublics Karriere weltweit ins Rollen brachte, wurde in einer neu arrangierten Version gespielt – weniger melancholisch, dafür mit einem dynamischen Aufbau, der die ganze Halle in Bewegung versetzte.

Eine besondere Überraschung: Tedder kündigte mit sichtlicher Freude „I Need Your Love“ an – ein bislang unveröffentlichter Song, der an diesem Abend seine Live-Premiere feierte. Der Track, getragen von einem treibenden Beat und hymnischem Refrain, klingt wie eine Brücke zwischen den frühen OneRepublic-Balladen und dem modernen Pop von „I Ain’t Worried“. Die Fans reagierten begeistert – und man darf sicher sein, dass dieser Song bald seinen Weg auf ein kommendes Album finden wird.

Die zweite Hälfte des Abends war eine einzige Feier der Leichtigkeit. „I Ain’t Worried“, bekannt aus Top Gun: Maverick, brachte das Publikum endgültig zum Tanzen. Danach folgten „Sunshine“ und „I Lived“ – zwei Songs, die die optimistische Grundstimmung der Band perfekt einfingen. Tedder nutzte die Gelegenheit, um das Publikum an die Freude des Moments zu erinnern: „Egal, was draußen passiert – heute sind wir hier, um das Leben zu feiern.“

Ein instrumentales Highlight lieferte Gitarrist Zach Filkins mit einem virtuosen Gitarrensolo, das Folk-, Flamenco- und Rockelemente kunstvoll verband. Das Publikum honorierte die Darbietung mit minutenlangem Applaus, bevor mit „Counting Stars“ einer der größten OneRepublic-Hits des Abends erklang. Der Song, seit Jahren fester Bestandteil der Popkultur, verwandelte die Festhalle endgültig in ein tobendes Meer aus Stimmen, Händen und Licht.

Zum Abschluss präsentierte die Band „I Don’t Wanna Wait“ und „If I Lose Myself“, die beide in einer beeindruckenden Soundwand gipfelten. Doch das vielleicht emotionalste Ende kam mit einem weiteren Cover: „Wonderwall“ von Oasis. Tedder stand allein auf der Bühne. Die gesamte Festhalle sang mit – ein Moment, der den Abend auf magische Weise abrundete.

Nach fast zwei Stunden verabschiedete sich OneRepublic mit einem Versprechen: „We’ll be back soon – Germany, you always feel like home.“

OneRepublic lieferten in Frankfurt eine mitreißende, musikalisch makellose Show, die gleichermaßen Herz und Beine bewegte. Die Setlist balancierte geschickt zwischen Nostalgie und Neuem, zwischen Mainstream und Authentizität. Ryan Tedder bewies erneut, dass er einer der letzten großen Poparchitekten unserer Zeit ist – ein Musiker, der Geschichten in Klang verwandelt und dabei nie den Kontakt zum Publikum verliert.

Wer an diesem Abend in der Festhalle war, ging mit einem Lächeln nach Hause – und dem Gefühl, dass Popmusik manchmal genau das Richtige ist, um die Welt ein bisschen heller klingen zu lassen.

Text und Bilder by Jan Heesch

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