Mittwoch 28. Januar 2026

Roxette in Frankfurt – eine Rückkehr, die unter die Haut geht

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Es gibt Konzerte, die nach ein paar Tagen verblassen. Und es gibt solche, die man noch lange im Kopf behält, weil plötzlich wieder spürbar wird, warum bestimmte Songs zu Lebensbegleitern geworden sind. Genau das passierte am Sonntag in der myticket Jahrhunderthalle Frankfurt, als Roxette mit Per Gessle und der neuen Sängerin Lena Philipsson die Bühne übernahmen. Der Saal war voll, die Stimmung von Beginn an neugierig, fast erwartungsvoll – schließlich traten beide in eine Geschichte ein, die über Jahrzehnte gewachsen ist.

Kurz nach 20 Uhr wird es dunkel, die Hintergrundmusik endet, und die Band startet ohne große Umschweife mit „The Big L“. Ein direkter Einstieg, der das Publikum kurz überrascht, aber schon mit dem zweiten Song löst sich alles. „Sleeping in My Car“ knallt rein wie ein vertrauter Motor, der sofort anspringt. Das Klatschen wird lauter, die ersten Refrains werden mitgesungen. Genau hier beginnt der Abend richtig.

Lena Philipsson trägt eine gewaltige Verantwortung. Marie Fredriksson war für viele nicht nur eine Stimme, sondern ein Gefühl. Und genau deshalb wirkt es so stark, wie respektvoll und gleichzeitig selbstbewusst Lena diese Rolle annimmt. Sie kopiert niemanden. Sie bringt ihre eigene Farbe rein, bleibt aber stets dicht am Geist der Songs. Per Gessle wechselte noch vor wenigen Monaten selbst zwischen Lust und Zweifel, ob der Name Roxette je wieder auf einer Bühne stehen würde. Doch die Begegnung mit Lena im Studio riss ein Fenster auf, das viele Fans nicht mehr erwartet hatten.

Der Mittelteil des Abends zeigt, wie zeitlos dieses Repertoire ist. „Crash! Boom! Bang!“, „Wish I Could Fly“, „Fading Like a Flower“, „Almost Unreal“ – all diese Songs tragen sich selbst. Die Band drumherum verstärkt sie, ohne sie auszuschmücken. Und sie tut das mit echter Klasse: Christoffer Lundquist, Magnus Börjeson, Magnus „Norpan“ Eriksson, Dea Norberg, Jonas Isacsson und Clarence Öfwerman stehen seit Jahren, teils seit Jahrzehnten mit Roxette auf der Bühne. Man spürt, wie vertraut und eingespielt diese Gruppe ist. Jeder weiß, wann er lauter muss, wann leiser, wann Raum entsteht.

Einer der emotional stärksten Momente kommt dann mit „It Must Have Been Love“. Der Song wird Marie Fredriksson gewidmet. Der Saal ist still, wirklich still. Lena nimmt sich komplett zurück, Per wirkt für einen Moment nach innen gekehrt. Und als der Refrain einsetzt, singen die Menschen im Saal so geschlossen, dass man fast das Gefühl hat, die ganze Halle hält die Luft an.

Mit „How Do You Do!“, „Dangerous“ und „Joyride“ kippt der Abend dann wieder ins Euphorische. Bei „Joyride“ baut die Band ein kurzes Augenzwinkern ein: ein Pippi-Langstrumpf-Intro, das das Publikum zum Lachen bringt. Es zeigt, dass hier trotz aller Geschichte noch immer Spielfreude steckt.

Nach der Pause wird es akustisch. „Spending My Time“ nur mit Per und Lena ist einer dieser stillen, ehrlichen Momente, die man so nicht planen kann. „Listen to Your Heart“ schiebt sich direkt hinterher, bevor schließlich „The Look“ das Konzert endgültig in den kollektiven Mitsingmodus kippt. Mit „Queen of Rain“ endet ein Abend, der sowohl Respekt vor der Vergangenheit zeigt, als auch eine selbstbewusste Zukunft ankündigt.

Was bleibt: Roxette sind wieder da. Nicht als Kopie der Vergangenheit, sondern als Weitererzählung einer Band, die zu viele wichtige Songs hat, um sie im Archiv liegen zu lassen. Das Vermächtnis von Marie Fredriksson ist dabei kein Schatten, sondern ein Teil der Kraft, die diese Musik bis heute trägt. Per Gessle und Lena Philipsson tragen diese Flamme weiter – und Frankfurt hat das am Sonntag nicht nur gesehen, sondern wirklich gespürt.

Text & Fotos © by Boris Korpak | bokopictures

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