Montag 5. Januar 2026

Night of the Proms 2025 in Mannheim: Eine Premiere voller Magie, Musikgeschichte und Gänsehaut-Momente

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Die Night of the Proms ist seit mittlerweile drei Jahrzehnten ein Fixpunkt im europäischen Konzertkalender. Was 1994 in Deutschland begann, hat sich längst zu einem Kult-Ereignis entwickelt, das eine stetig wachsende Fangemeinde begeistert. Die Formel ist so einfach wie genial: Klassik und Pop teilen sich eine Bühne, ohne Kompromisse, ohne künstliche Grenzen. Die Premiere der Tour 2025 in der restlos ausverkauften SAP Arena Mannheim zeigte eindrucksvoll, warum dieses Format seit Jahren Menschen aus allen Generationen zusammenbringt. Vor 9.300 Zuschauerinnen und Zuschauern entfaltete sich ein Abend, der nicht weniger wollte, als die Vielfalt der Musik zu feiern – und genau das mit einer Wucht und Emotionalität tat, die ihresgleichen sucht.

Das Herz der Veranstaltung ist traditionell das Antwerp Philharmonic Orchestra, begleitet vom Fine Fleur Chor. Unter der Leitung der brasilianischen Dirigentin Alexandra Arrieche verwandelten sie die Arena in einen Klangraum, der symphonische Tiefe und moderne Strahlkraft miteinander verband. Arrieche ist eine Dirigentin, die nicht einfach den Takt vorgibt. Sie lebt jede Phrase, formt jede Dynamik, atmet im Gefühl der Musikerinnen und Musiker mit. Diese Energie überträgt sich auf das Publikum – und genau das war auch an diesem Abend spürbar.

Ein Auftakt wie kaum ein anderer

Der Startschuss mit einem opulenten Arrangement aus „The Greatest Showman“, angeführt von Gesangssolist Rob und dem voll besetzten Orchester, war keine Aufwärmübung. Es war ein Statement. Die Night of the Proms 2025 kommt mit Kraft, Emotion und einem klaren Versprechen: Hier wird Musik nicht nur gespielt, hier wird sie erlebt.

Die Arena war kaum zur Ruhe gekommen, da trat bereits der erste internationale Star des Abends ins Rampenlicht: Joss Stone. Ihre unverwechselbare Soul-Stimme, roh, warm und voll Gefühl, füllte den Raum sofort. „Right to Be Wrong“ wurde zu einer orchestralen Soul-Ballade von fast filmischer Intensität. „You Had Me“ dagegen spielte mit Energie, Groove und einer Wucht, die zeigte, warum Stone eine der prägendsten Stimmen des modernen Soul ist. Das Zusammenspiel aus ihrer Stimme und den fließenden Linien des Orchesters war ein Paradebeispiel dafür, wie die Proms Popmusik neu atmen lassen.

Klassik mit Wucht und Atmosphäre

Einer der besonderen Momente des Abends folgte mit Mozarts „Lacrimosa/Dies Irae“. Es war keine Pause zwischen zwei Pop-Acts, sondern ein eigenes Kapitel. Der Chor setzte eine dramatische Dunkelheit, während das Orchester einen Klangteppich aus Feierlichkeit und Schwere ausrollte. In dieser Arena, in der sonst Sport und Rock dominate, war plötzlich absolute Stille – ein stiller Respekt, fast ein Innehalten. Die Night of the Proms zeigte hier, warum Klassik gerade in großen Hallen funktioniert: Sie braucht Raum, und sie füllt ihn mühelos.

Midge Ure und die Eleganz der 80er

Mit Midge Ure betrat ein Musiker die Bühne, dessen Songs eine ganze Ära geprägt haben. „Dancing With Tears in My Eyes“ bekam durch das Orchester einen emotionalen Glanz, der die Dringlichkeit des Originals noch unterstrich. „Breathe“ wirkte in der SAP Arena fast kammermusikalisch. Doch das unumstrittene Highlight war „Vienna“. Die klare, sehnsuchtsvolle Stimme Ures, die orchestralen Bögen und die schwere, fast tragende Atmosphäre machten diesen Song zu einem der Momente, die man mitnehmen und nicht so schnell vergisst.

Rhythmus, Ekstase und ein Percussion-Gewitter

Nach der ruhigen Barcarolle des APO explodierte die Bühne – und das wortwörtlich. Safri Duo, bekannt für ihre Tribal-Percussion, lieferten einen Energieausbruch, der die Arena in einen pulsierenden Rhythmuskörper verwandelte. „Cinema Time“ und „Played Alive 2025″ entwickelten sich zu ekstatischen Höhepunkten, bei denen das Orchester nicht nur Begleiter war, sondern Teil der rhythmischen Wucht. „Carol of the Bells“ im Dance-Ambiente und das treibende „The Cave“ sorgten für Szenen, die auch bei EDM-Festivals nicht fehl am Platz gewesen wären. Es war ein Moment, in dem Klassik und elektronische Energie zu etwas Neuem verschmolzen.

Vanessa Amorosi – Herz, Power und ein Klassiker

Vanessa Amorosi brachte eine ganz andere Farbe in den Abend: die große Pop-Stimme mit Soul-Einschlag, kraftvoll und gleichzeitig voller Gefühl. „Light My Fire“ war feurig und sicher dargeboten. Doch mit „Absolutely Everybody“ brach sie endgültig das Eis – die Arena tanzte, sang, strahlte. Und dann folgte „Music“ von John Miles, ein Song, der zur DNA der Proms gehört. Amorosi sang ihn mit so viel Respekt, Seele und Leidenschaft, dass man spürte, wie sehr dieser Moment auch für sie etwas Besonderes war.

Um 21:15 Uhr ging die Show in die Pause, die viele sichtbar brauchten, um die ersten 90 Minuten zu verarbeiten.

Zweite Hälfte: Ein Bogen von Oper bis Rock-Geschichte

Verdi eröffnete den neuen Abschnitt: „Va pensiero“ aus Nabucco. Das APO spielte mit großer Ruhe, getragen von der Wärme und Tiefe der Streicher. Ein würdevoller, ruhiger Auftakt.

Michael Schulte – moderne Singer-Songwriter-Klarheit

Michael Schulte brachte danach eine moderne Pop-Sensibilität ein, die im Kontrast zu den epischen Orchesterparts sehr gut funktionierte. „Falling Apart“, „You Let Me Walk Alone“ und „Back to the Start“ klangen vertraut und doch neu. Die orchestrale Dimension verlieh seinen Songs eine Tiefe, die in reinen Studio-Versionen nicht existiert. Besonders seine ESC-Nummer erzeugte Momente ehrlicher Rührung.

Klassische Dramatik und rhythmische Höhepunkte

Smetanas „Die Moldau“ war eine malerische Reise durch Klanglandschaften. Safri Duo kehrte anschließend zurück und brachte wieder Bewegung in die Arena. Der „Marionetten“-Trauermarsch setzte darauf einen nachdenklichen, schweren Kontrast.

Die Duette – zwei Welten, ein Klang

Joss Stone und Michael Schulte harmonierten in „Ordinary“ überraschend gut. Ihre Stimmen ergänzten sich, ohne sich gegenseitig zu übertönen.

Joss Stone und Vanessa Amorosi legten mit „It’s Raining Men“ und „Lady Marmalade“ ein Powervokal-Feuerwerk hin, das die Arena in absoluten Jubel versetzte. Zwei Stimmen, zwei Persönlichkeiten, eine Welle Energie.

Das APO setzte mit Tschaikowskis „Romeo & Juliet“ ein weiteres klassisches Ausrufezeichen.

Alice Cooper: Der Schock-Rocker trifft die Symphonie

Als die Lichter ausgingen, wusste jeder: Jetzt kommt der Moment, auf den viele gewartet hatten. Alice Cooper trat auf, begleitet von seiner Frau Sheryl Goddard, Tommy Henriksen und der Ausnahmegitarristin Nita Strauss. Die Mischung aus theatralischem Rock, ikonischen Songs und dem orchestralen Fundament war einzigartig.

„Only Women Bleed“ bekam eine emotionale Tiefe, die durch die Streicher fast schmerzhaft schön wurde. „Might As Well Be On Mars“ baute atmosphärisch auf, bevor „School’s Out“ zum großen Rock-Ausbruch führte. Hier vereinten sich Cooper, Orchester und Publikum in einem explosiven Höhepunkt.

Finale: Come Together – und alle waren Teil des Moments

Zum Finale kamen alle Künstlerinnen und Künstler zurück auf die Bühne. „Come Together“ in einer kraftvollen Rock-Symphony-Version war die perfekte Zusammenfassung dessen, was die Night of the Proms ausmacht: Gemeinsamkeit, kreative Fusion und die Freude an Musik ohne Genre-Grenzen. Die Night of the Proms 2025 in Mannheim war mehr als ein Konzert. Es war ein Erlebnis. Ein dreistündiger Streifzug durch Klassik, Pop, Rock, Soul und moderne Rhythmen – getragen von einem Orchester, das alle Übergänge mühelos meistert. Diese Premiere war ein Triumph und ein eindrucksvoller Beweis dafür, warum die Night of the Proms seit Jahren Kultstatus besitzt.

Text & Fotos © by Boris Korpak | bokopictures & Ewelina CK

Fotogalerie: Night of the Proms

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