Freitag 23. Januar 2026

Gefragt, gejagt – Yazeed Al-Rajhi und Timo Gottschalk stellen sich der Mission „Dakar“-Titelverteidigung

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Erwarte das Unerwartete, erstrebe das Unmögliche und erstarke am Unbekannten: Yazeed Al-Rajhi und Timo Gottschalk starten bei der Rallye Dakar 2026 vom 3. bis 17. Januar in Saudi-Arabien als Titelverteidiger in eine kniffligen Mission. Nach dem großen Triumph vor beinahe Jahresfrist ist die Größe der Aufgabe „Macht es noch einmal“ immens: die Route noch härter, die Gesamtwertung noch umkämpfter und das Terrain noch unvorhersehbarer. Und es gelten nicht nur die üblichen „Dakar“-Binsen, auch der Motorsport hält einige Weisheiten bereit, etwa diese hier: Nichts ist schwieriger, als einen Titel erfolgreich zu verteidigen. Bislang gelang das in der Automobilwertung mit Ari Vatanen, Pierre Lartigue, Jean-Louis Schlesser, Hiroshi Masuoka, Stéphane Peterhansel und Nasser Al-Attiyah lediglich sechs Fahrer-Legenden, und mit Bruno Berglund, Michel Périn, Jean-Paul Cottret und Matthieu Baumel lediglich vier absoluten Ausnahme-Beifahrern. Insgesamt acht Fahrern gelang mehr als ein Sieg bei der Rallye Dakar, Yazeed Al-Rajhi könnte in diesen erlauchten Kreis noch aufschließen. Timo Gottschalk gehört bereits zu den zwölf Beifahrern, denen mehr als ein Gesamtsieg gelang – neben Andreas Schulz als zweitem deutschen Vertreter.

Statistik hin, Statistik her – wenn die Rallye Dakar den nächsten Titelträger sucht, sind beschreibende Zahlen und Fakten Makulatur. Dann stellen sich Fahrer, Beifahrer und Teams der beinharten Realität. Eine Übersicht.

Die Route

Die Rallye Dakar 2026 verspricht schon in der ersten Woche kaum Gnade: Direkt nach dem Start in Yanbu werden Fahrer, Beifahrer und Material auf eine harte Probe gestellt. Schnelle Schotterpisten wechseln sich mit felsigen Passagen und weitläufigen Dünenfeldern ab – ein permanentes Wechselspiel, das höchste Konzentration verlangt.  Die Navigation wird neben beherztem Fahrstil mit zum entscheidenden Faktor. Mal gilt es, im vollen Rallye-Tempo durch offenes Gelände schnell Kilometer zu machen, dann wieder verlangen technische Abschnitte millimetergenaue Präzision. Bis zum Ruhetag könnten sich die Favoriten zu erkennen gegeben haben – doch schon kleine Unachtsamkeiten können zu Zeitverlusten führen, die sich später rächen.

Nach dem Ruhetag zeigt die Dakar ihr wahres Gesicht. Die zweite Woche gilt traditionell als Entscheidungsphase – und 2026 wird keine Ausnahme bilden. Die Etappen werden länger, die Navigation komplexer, die Sand- und Dünengebiete größer. Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen: Kondition, Erfahrung und taktisches Geschick entscheiden über Sieg oder Niederlage. Mensch und Maschine sind gleichermaßen am Limit. Ein leichtfertig eingefangener Aufhängungsschaden, ein Navigationsfehler, ein Moment der Unkonzentriertheit – und das Gesamtklassement kann sich noch einmal komplett auf den Kopf stellen.

Auf den letzten Kilometern zurück in Richtung Yanbu bleibt die Spannung bis zum Schluss erhalten. Denn die Dakar 2026 bleibt, was sie immer war: ein Marathon, der erst am Ziel wirklich entschieden ist – und nur die Stärksten und Zuverlässigsten belohnt.

Die Konkurrenz

Altmeister, Aufsteiger und Außenseiter – die Automobilwertung verspricht bei der Rallye Dakar schon auf dem Papier Weltklasse. Sie liest sich wie das Who’s Who des Marathon-Rallye-Sports. Unter anderem mischen Seth Quintero/Andrew Short im Toyota vorn mit: Das US-amerikanische Duo gilt als eines der heißesten Anwärter auf Etappensiege. Toyota schickt noch weitere Speerspitzen ins Rennen: Henk Lategan/Brett Cummings sowie der erfahrene Australier Toby Price mit Co-Pilot Armand Monleon wollen gerade in den schnellen Passagen und den gefürchteten Dünenfeldern ihr enormes Potenzial unter Beweis stellen. Guillaume de Mévius/Mathieu Baumel bilden die Speerspitze von Mini – ein eingespieltes Duo, das sich in den letzten Jahren kontinuierlich in die erweiterte Rallye-Elite vorgearbeitet hat. Dacia setzt auf geballte Power: Mit Sébastien Loeb/Édouard Boulanger schickt das Team eine der Grüßten des Sprint-Rallye-Sports ins Rennen, der bereits Dakar-Etappen gewonnen hat. An seiner Seite kämpft Marathon-Rallye-Weltmeister Lucas Moraes mit Dennis Zenz um den Gesamtsieg. Auch Ford bietet eine Mischung aus Erfahrung und Unbekümmertheit – unter anderem mit Carlos Sainz/Lucas Cruz sowie Mattias Ekström/Emil Bergqvist und „Nani“ Romi/Alex Bravo.

Die Technik

In der Fahrerwertung der Rallye Dakar setzen Dacia, Ford und Toyota auf hochentwickelte Prototypen der T1+/Ultimate-Kategorie, die trotz unterschiedlicher Marken-DNS einem ähnlichen technischen Grundkonzept folgen: Dacia tritt mit dem Sandrider an, einem radikal auf Leichtbau, Effizienz und Agilität ausgelegten Rennfahrzeug mit Kohlefaserchassis, Mittelmotor und Hybrid-Unterstützung, das besonders auf geringes Gewicht, ausgewogene Gewichtsverteilung und einfache Servicebarkeit im Biwak optimiert ist. Ford schickt den Raptor T1+ ins Rennen, einen äußerst robusten, breit gebauten Prototypen mit starkem V8-Biturbo, überarbeitetem Fahrwerk und klarer Auslegung auf Dauerhaltbarkeit und Tempo in offenen Wüstenpassagen. Toyota, wie ihn Yazeed Al-Rajhi und Timo Gottschalk pilotieren, setzt mit dem GR DKR Hilux Evo auf ein bewährtes, kontinuierlich weiterentwickeltes Konzept, das in einer südafrikanischen (Hallspeed) und einer belgischen (Overdrive) Variante als Werksentwicklung an den Start geht: ein extrem zuverlässiger, vergleichsweise kompakter T1+-Prototyp mit V6-Motor, exzellenter Traktion und großer „Dakar“-Allzweck-Tauglichkeit über zwei Rallye-Wochen hinweg, der für seine Balance aus Performance, Standfestigkeit und einfacher Reparierbarkeit bekannt ist.

Das Moment

Der Sieg von Yazeed Al-Rajhi und Timo Gottschalk bei der Rallye Dakar 2025 hat in Saudi-Arabien eine spürbare Welle der Begeisterung ausgelöst und dem Motorsport im Land einen emotionalen Höhepunkt beschert: Erstmals gewann ein saudischer Fahrer die prestigeträchtige Gesamtwertung der Automobilklasse, was den Erfolg weit über den Sport hinaus zu einem nationalen Moment des Stolzes machte. Medien, soziale Netzwerke und öffentliche Veranstaltungen griffen den Triumph begeistert auf, Al-Rajhi wurde zur Identifikationsfigur für eine junge, ambitionierte Motorsport-Generation, und die Dakar selbst gewann weiter an Bedeutung als Teil der sportlichen und kulturellen Entwicklung des Königreichs. Der Erfolg verstärkte das Interesse an Offroad-Rallyes, förderte Nachwuchsprogramme und unterstrich Saudi-Arabiens Anspruch, nicht nur Gastgeber, sondern auch sportlich prägende Nation der Rallye Dakar zu sein.

STIMMEN

Yazeed Al-Rajhi (KSA)/Timo Gottschalk (GER), Overdrive Toyota Hilux

„Es gibt gleichzeitig nichts, was ich mir mehr wünschen würde als den ‚Dakar‘-Titel zu verteidigen. Und doch ist nichts schwieriger als das. Vergangenes Jahr sind für uns Null-Fehler-Job, technische Zuverlässigkeit aber auch das Glück der Tüchtigen zusammengekommen. Es braucht wieder harte Arbeit, Fortune und taktische Finesse, den Titel erneut zu holen. Uns ist bewusst wie nahezu unbezwingbar die Rallye ist, aber auch, dass wir genau das bereits einmal geschafft haben. Wir werden bei der ‚Dakar‘ 2026 alles geben, was in uns steckt. Das ist sicher!“ YAZEED AL-RAHJI

Yazeed Al-Rajhi (KSA)/Timo Gottschalk (GER), Overdrive Toyota Hilux

„Die Route der Rallye Dakar 2026 birgt nicht nur extreme Schwierigkeiten sondern auch das Potenzial, die Spreu vom Weizen früh und gnadenlos zu trennen. Völlig klar, zu was wir zählen wollen. Aber dazu muss man nicht nur von Beginn an bei der Musik sein, sondern in jeder Millisekunde extrem wachsam. Das gilt für die Fahrer, aber auch  allemale für die Beifahrer. Genau das werden wir ab dem dritten Januar 14 Mal abrufen!“ TIMO GOTTSCHALK

Rallye Dakar
Informationen

Start: 3. Januar 2025 in Yanbu (Saudi-Arabien)
Ziel: 17. Januar 2025 in Yanbu (Saudi-Arabien)
Distanz: 4.840 WP-Kilometer, 7.994 Gesamt-Kilometer

Austragungsort: 
Die Rallye Dakar verspricht auch im Jahr 2026 das gewohnte, große Automobil-Abenteuer: Auf rund 8.000 Kilometern führt die Schleife durch Saudi-Arabien – Start und Ziel ist die Hafenstadt Yanbu am Roten Meer. Dazwischen liegen spektakuläre Wertungsprüfungen: Von den historischen Felsen al-‚Ulas über die Dünen bei Ha’il bis zur Hauptstadt Riad und den endlosen Weiten von Wadi ad-Dawasir durchquert der Tross die vielfältigsten Landschaften des Königreichs. Das Programm hat es in sich: Gerölletappen wechseln sich mit technisch kniffligen Dünenpassagen ab. Besonders hart wird es bei den zwei Marathon-Etappen – hier müssen Teams ohne externe Hilfe auskommen, nur Mensch und Maschine zählen.

Rallye Dakar
Zeitplan/Route – erste Woche

Prolog Samstag, 3. Januar 2026
Yanbu–Yanbu
Prüfung: 23 km | Verbindung: 75 km | Gesamtdistanz: 98 km

Etappe 01 Sonntag, 4. Januar 2026
Yanbu–Yanbu
Prüfung: 305 km | Verbindung: 213 km | Gesamtdistanz: 518 km

Etappe 02 Montag, 5. Januar 2026
Yanbu–al-‚Ula
Prüfung: 400 km | Verbindung: 104 km | Gesamtdistanz: 504 km

Etappe 03 Dienstag, 6. Januar 2026
al-‚Ula–al-‚Ula
Prüfung: 422 km | Verbindung: 244 km | Gesamtdistanz: 666 km

Etappe 04 Mittwoch, 7. Januar 2026
al-‚Ula–Marathon-Biwak
Prüfung: 451 km | Verbindung: 75 km | Gesamtdistanz: 526 km

Etappe 05 Donnerstag, 8. Januar 2026
Marathon-Biwak–Ha’il
Prüfung: 372 km | Verbindung: 56 km | Gesamtdistanz: 428 km

Etappe 06 Freitag, 9. Januar 2026
Ha’il–Riad
Prüfung: 331 km | Verbindung: 589 km | Gesamtdistanz: 920 km

Rallye Dakar
Zeitplan/Route – zweite Woche

Etappe 07 Sonntag, 11. Januar 2026
Riad–Wadi ad-Dawasir
Prüfung: 462 km | Verbindung: 414 km | Gesamtdistanz: 876 km

Etappe 08 Montag, 12. Januar 2026
Wadi ad-Dawasir–Wadi ad-Dawasir
Prüfung: 481 km | Verbindung: 236 km | Gesamtdistanz: 717 km

Etappe 09 Dienstag, 13. Januar 2026
Wadi ad-Dawasir–Marathon-Biwak
Prüfung: 410 km | Verbindung: 121 km | Gesamtdistanz: 531 km

Etappe 10 Mittwoch, 14. Januar 2026
Marathon-Biwak–Bisha
Prüfung: 421 km | Verbindung: 48 km | Gesamtdistanz: 469 km

Etappe 11 Donnerstag, 15. Januar 2026
Bisha–Al Henakiyah
Prüfung: 347 km | Verbindung: 535 km | Gesamtdistanz: 882 km

Etappe 12 Freitag, 16. Januar 2026
Al Henakiyah–Yanbu
Prüfung: 310 km | Verbindung: 408 km | Gesamtdistanz: 718 km

Etappe 13 Samstag, 17. Januar 2026
Yanbu–Yanbu
Prüfung: 105 km | Verbindung: 36 km | Gesamtdistanz: 141 km

Rallye Dakar
Starterliste (Auszug)

201 Yazeed Al-Rajhi/Timo Gottschalk (KSA/GER), Toyota

202 Henk Lategan/Brett Cummings (ZAF/ZAF), Toyota

203 Seth Quintero/Andrew Short (USA/USA), Toyota

204 Toby Price/Armand Monleón (AUS/ESP), Toyota

205 Eryk Goczał/Szymon Gospodarczyk (POL/POL), Toyota

206 Marek Goczał/Maciej Marton (POL/POL), Toyota

207 Jean-Luc Pisson/Loïc Delacour (FRA/FRA), Optimus

208 Lionel Baud/Lucie Baud (FRA/FRA), Mini

209 Michał Goczał/Diego Ortega (POL/ESP), Toyota

210 Hernán Garcés/Juan Pablo Latrach (ARG/ARG), Toyota

211 Juan Cruz Yacopini/Daniel Oliveras (ARG/ARG), Toyota

212 Cristina Gutiérrez/Pablo Moreno (ESP/ESP), Dacia

213 Saood Variawa/François Cazalet (ZAF/FRA), Toyota

214 Mathieu Serradori/Loïc Minaudier (FRA/FRA), Century

215 Zhang Biaobiao/Ma Wenke (CHN/CHN), JJ Sport

216 Benediktas Vanagas/Aisvydas Paliukėnas (LTU/LTU), Toyota

217 Denis Krotov/Konstantin Zhiltsov (KGZ/KGZ), Ford

218 Guy Botterill/Oriol Mena (ZAF/ESP), Toyota

219 Sébastien Loeb/Édouard Boulanger (FRA/FRA), Dacia

220 Han Wei/Li Ma (CHN/CHN), HanWei

221 Martin Prokop/Viktor Chytka (CZE/CZE), Ford

222 Guillaume de Mevius/Mathieu Baumel (BEL/FRA), Mini

223 Lucas Moraes/Dennis Zenz (BRA/GER), Dacia

224 Brian Baragwanath/Leonard Cremer (ZAF/ZAF), Century

225 Carlos Sainz/Lucas Cruz (ESP/ESP), Ford

226 Mattias Ekström/Emil Bergkvist (SWE/SWE), Ford

227 Nani Roma/Álex Haro Bravo (ESP/ESP), Ford

228 Mitch Guthrie/Kellon Walch (USA/USA), Ford

229 Daniel Schröder/Henry Carl Köhne (GER/GER), Volkswagen

230 Christian Lavieille/Valentin Sarreaud (FRA/FRA), Optimus

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