MANNHEIM. Es ist schon ein kleines Wunder der Unterhaltungskunst: Wenn die Ehrlich Brothers in die SAP-Arena einladen, wird aus einem ganz normalen Nachmittag ein magisches Erlebnis für Jung und Alt. Unter dem funkelnden Titel „Diamonds“ präsentierten die Illusionskünstler einen glanzvollen Best-of-Mix aus zehn Jahren Bühnenzauberei. Eigentlich sollte diese Tour nur ein Jahr dauern – doch der Ticketansturm ist so hartnäckig wie ein verbogenes Stück Bahnschiene. Und ja: Auch die wird hier kurzerhand mit bloßen Händen gekrümmt.
Monstertrucks, die plötzlich auf der Bühne stehen, fliegende Magier, die sich in Schmetterlinge verwandeln – bei den Ehrlich Brothers scheint das Unmögliche Pause zu machen. Rund 7.500 Zuschauerinnen und Zuschauer füllten die Arena in der Nachmittagsvorstellung, darunter viele Kinder mit Eltern oder Großeltern. Schulferien, der Jahresstart noch in weiter Ferne – bessere Voraussetzungen für ein Familienabenteuer gibt es kaum. Der Auftakt? Groß, laut und spektakulär. Mitten im Publikum tauchten Gestalten in Diamantschliff-Anzügen auf, bewaffnet mit brennenden Fackeln. Ein vier Meter hohes Stahlgerüst senkte sich von der Hallendecke, ging in Flammen auf – und dann standen sie da: Chris und Andreas Ehrlich.
Showbeginn auf Hollywood-Niveau. Andreas trug diesmal eine Halskrause. Eine Verletzung bei den Vorbereitungen für die XXL-Show im Juni 2026 im Deutsche Bank Park in Frankfurt hatte ihn erwischt. Dort soll eine zehn Meter hohe, tonnenschwere Illusion gezeigt werden. In Mannheim jedoch war von Einschränkungen nichts zu merken – Magie kennt offenbar keine Schonung. Was immer wieder fasziniert: die unglaubliche Harmonie der Brüder. Locker, kumpelhaft und angenehm nahbar wirken sie, fast so, als würde alles spontan passieren. Dabei sitzt jeder Handgriff perfekt. Die Show fühlt sich nie nach starrem Drehbuch an – eher so, als hätte jede Vorstellung ihren eigenen Zauber.
Die heimlichen Stars des Nachmittags waren allerdings die Kinder. Mit spielerischer Leichtigkeit eroberten die Ehrlich Brothers deren Herzen. Chris setzt sich einfach auf den Boden, klaut Popcorn aus Kinderhänden oder plaudert auf Augenhöhe. Diese Nähe zog sich durch viele Showmomente – etwa als ein junges Mädchen hautnah miterlebte, wie Chris scheinbar unmöglich durch eine massive Stahlplatte schritt. Die Kameras fingen das Staunen ein, die Leinwände zeigten große Augen, offene Münder – und die Arena tobte. Mut bewies auch der elfjährige Zauberlehrling Jonathan Mutlu, der sich vor tausenden Zuschauern auf die Bühne wagte. Beim Biegen von Eisenbahnschienen krachte, funkte und zischte es gewaltig. Unterstützt wurde das Kunststück von einem seit fast 40 Jahren verheirateten Paar aus dem Publikum – die „Kraft der Liebe“ durfte natürlich nicht fehlen. Das Ergebnis: ein stählernes Herz, später beliebtes Fotomotiv. Kurzzeitig wurde es manchem mulmig, als Flammenwerfer über den Köpfen des Publikums Feuer spuckten und die Hitze deutlich spürbar war. Doch kaum hatte man wieder Luft geholt, stand auch schon ein Monstertruck auf der Bühne – einfach so. Als Süßigkeiten ins Spiel kamen, zeigte sich endgültig, wie viele Kinder im Saal waren.
Hunderte stürmten nach vorne, als Bonbons mit einer Spezialkanone in die Ränge geschossen wurden. Und für alle, die zu kurz kamen, regnete es Süßes mit kleinen Fallschirmen vom Hallendach. Zum Finale wurde es leise und fast poetisch: Aus Papier entstand eine Blume, aus der Blume – durch eine Stichflamme – eine echte Rose. Und dann der große Abschluss: Mit der klaren Botschaft, dass Träume wahr werden können, hoben die Ehrlich Brothers ab. Schwerelos schwebten sie über die Bühne, ohne sichtbare Sicherung, ohne Ruckeln, ohne Erklärung. Staunen pur. Seit über zehn Jahren verzaubern die Ehrlich Brothers Europas Bühnen – und von Ermüdungserscheinungen keine Spur. Ihr Charme, ihr Witz und ihre ansteckende Lebensfreude wirken stärker denn je. Mannheim jedenfalls war für einen Nachmittag fest in magischer Hand.
Text und Foto: Helmut Dell



