Freitag 23. Januar 2026

Zwischen Erfolg und Selbstironie. KAMRAD über seine neue EP „Trying Not To Panic“, Druck, Balance und den Spaß an Musik

Meistgelesene Artikel

- Anzeige -spot_img
- Anzeige -spot_img

Mit „Trying Not To Panic“ schlägt KAMRAD ein neues Kapitel auf. Die EP erscheint am 23. Januar 2026 und wirkt wie eine ehrliche Momentaufnahme eines Künstlers, der sich mitten im Pop-Zirkus nicht verliert, sondern bewusst innehält. Nach internationalen Erfolgen mit Songs wie „I Believe“, „Feel Alive“ und „Be Mine“, ausverkauften Tourneen und seiner Rolle als Coach bei The Voice of Germany richtet KAMRAD den Blick nach innen. Es geht um Erwartungen, Zweifel, Humor und darum, bei all dem Trubel nicht durchzudrehen. Wir sprechen mit ihm über die neue EP, den Spagat zwischen Erfolg und Bodenhaftung und darüber, was ihn 2026 auf Tour antreibt. 

Deine neue EP heißt „Trying Not To Panic“. Der Titel klingt fast beiläufig, trifft aber einen Nerv. Wann hast du gemerkt, dass genau dieses Gefühl dein aktuelles Leben am besten beschreibt?

Ich denke wir alle leben zum ersten Mal und wir alle kommen ständig in Situationen, in denen wir nicht sicher sind, was wir tun oder wohin der Weg führt. Gerade bei der Masse an negativen Nachrichten und Ereignissen in der Welt, kann alles schnell zu viel werden. Bei mir ist es vor allem im Musikkontext immer ein Drahtseil-Akt, nicht die nerven zu verlieren: Egal ob erfolgreich oder nicht, dieses Lotto-Spiel mit den eigenen Gefühlen, kann schon manchmal belastend sein. Der Titel ist bewusst beiläufig bzw. locker, weil ich zeigen möchte, dass jeder Mensch durch solche Phasen geht und dass es hilft, sich das vor Augen zu führen. Alle Songs auf der EP behandeln Themen, die einen in Panik verfallen lassen könnten, aber immer mit dem positiven Fokus und mit einer gewissen Leichtigkeit, die man im Leben immer gebrauchen kann, wie ich finde.

Die EP wirkt wie eine Momentaufnahme zwischen Erfolg, Druck und Selbstironie. Was war dir wichtiger. Dich selbst zu ordnen oder den Hörerinnen und Hörern etwas mitzugeben?

Einer der größten Produzenten aller Zeiten, Rick Rubin, sagt immer: „Der beste Weg Musik für’s Publikum zu machen, ist keine Musik für’s Publikum zu machen.“ Das bedeutet in meinem Fall: Ich habe versucht, die Songs zu machen, die ausdrücken, wer ich gerade bin und wie ich mich entwickelt habe. Dabei sind Messages entstanden, die mir selbst sehr geholfen haben und in denen sich hoffentlich auch meine Fans wiederfinden. Das wäre das ultimative Ziel aber nicht der Startpunkt, weil es sonst zu verkopft wäre.

Musikalisch öffnest du deinen Sound hörbar. Mehr Synthesizer, mehr 2000er-Indie-Pop, größere Melodien. War das ein bewusster Bruch mit dem bisherigen Sound oder eine logische Weiterentwicklung?

Ich sehe den Sound der EP als zweites Kapitel von KAMRAD, das mit Be Mine begonnen hat. Die zentralen Elemente, die man von mir kennt bzw. erwartet, sind denke ich weiterhin vorhanden, es gibt aber ein kleines Upgrade – und genau das finde ich extrem wichtig. I Believe kam vor vier Jahren raus und ich finde meine Fans dürfen spüren, dass ich mich weiterentwickle und im besten Fall nie stillstehe.

Nach Erfolgen wie „I Believe“ und „Be Mine“ steigen automatisch Erwartungen. Von außen, aber auch an dich selbst. Wie gehst du heute mit diesem Druck um, ohne dass er dir die Freude an Musik nimmt?

Das Schöne ist: Die Menschen, mit denen ich Musik mache, begleiten mich seit etwa 8 Jahren. Das heißt alle Songs, die man kennt, sind im gleichen Team entstanden und wir haben immer schon Musik der Musik wegen gemacht und nie primär wegen des Erfolgs. Diese Leichtigkeit konnten wir uns im Studio beim Schreiben und Produzieren ganz gut wahren. Bei der Auswahl der Tracks für die EP, der Single etc. war dieser Druck allerdings schon spürbar, wenn ich ehrlich bin. Natürlich wünscht man sich, dass der nächste Song genau so groß wird, wie Be Mine. Allerdings muss man sich von dem Gedanken lösen, dass man nur glücklich ist, wenn es immer bergauf geht. Mir geht es um die Musik selbst, um eine langfristige Karriere und nicht nur um den schnellen Hit, deshalb konnte ich den Druck am Ende doch ganz gut ablegen.

Viele Songs auf „Trying Not To Panic“ balancieren zwischen Überforderung und Glücksgefühl. Wie ehrlich darf Pop für dich sein, ohne sich selbst zu verlieren?

Ich glaube Pop MUSS heutzutage so ehrlich sein, wie nie zuvor, weil durch Tiktok und Social Media generell eine so intensive Nähe zwischen Künstler*innen und ihrem Publikum entstanden ist, dass es nicht mehr funktioniert sich zu verstellen. Ehrlichkeit in Musik bedeutet aber nicht immer, dass man zu 100% ein Erlebnis aus seinem eigenen Leben erzählt, sondern eben auf kreative Weise über das spricht, was einen beschäftigt und das in nachvollziehbaren und interessanten Geschichten verpackt. Deshalb gibt es beispielsweise auch Trennungssongs auf der EP, obwohl ich selbst seit fast 12 Jahren in einer Beziehung bin. In meinem Umfeld gab es einige Trennungen und das Thema war sehr präsent als die EP entstanden ist und so habe ich das unterbewusst in der Musik verarbeitet.

Du arbeitest weiterhin mit dem Team, das dich von Anfang an begleitet. Wie wichtig ist dieses konstante Umfeld für deine kreative Stabilität?

Musik machen bedeutet, sich hundertprozentig zu öffnen, sich Dinge zu trauen, die auf den ersten Blick bescheuert wirken und es vielleicht auch sind. Man muss sich frei fühlen und man selbst sein können. Das fällt mir persönlich bei Leuten, mit denen ich durch jede Phase durchgegangen bin und die ich seit vielen Jahren kenne, einfach leichter als in Räumen, in denen man sich zum ersten Mal sieht. Wir holen immer mal wieder frische Leute rein, aber behalten diese vertraute Basis, damit wir uns nicht verlieren.

2024 und 2025 warst du fast durchgehend unterwegs. Festivals, Europa-Tour, TV, Preisnominierungen. Gab es einen Moment, in dem du bewusst auf die Bremse treten musstest?

Ich glaube ich hätte zwischendurch immer mal wieder kleine Zwischenbremsungen machen sollen, weil ich Ende 2025 schon gemerkt habe, dass ich an der Grenze war. Ich war dann über den Jahreswechsel zum ersten Mal seit Jahren wieder richtig im Urlaub und konnte mal auf alles zurückblicken und reflektieren. Das tat sehr gut und hat mir Kraft gegeben. Ein Vorsatz für 2026 ist auf jeden Fall, dass ich mir mehr Auszeiten nehme, weil man sonst Gefahr läuft, den Spaß an gewissen Dingen zu verlieren, von denen man eigentlich immer geträumt hat. 

Trotz internationaler Aufmerksamkeit betonst du immer wieder Humor und Leichtigkeit. Ist das eine Haltung oder auch eine Schutzstrategie?

Beides! Ich denke Humor ist die beste Waffe gegen alles Negative, das so um einen herumschwirrt. Meine Philosophie ist immer der Fokus auf das Licht am Ende des Tunnels und weniger der dunkle Tunnel selbst. Über sich selbst lachen zu können und sich nicht zu wichtig zu nehmen, ist gerade in der Musikbranche wichtig, weil wir ja nun mal nicht am offenen Herzen operieren und niemand stirbt, wenn wir mal einen schlechten Song rausbringen. Humor ist da oft die beste Therapie, wie ich finde. Und außerdem ärgert nichts einen Hater so sehr, wie wenn man einen Witz aus seinem Hasskommentar macht.

Deine Herkunft aus Velbert spielt in Interviews immer wieder eine Rolle. Was gibt dir dieser Ort heute, wo dein Alltag längst international geworden ist?

Genau den Ausgleich, den ich brauche: Ich bin 150-200 Tage im Jahr an Orten, an denen es laut ist und an denen viele Menschen sind. Ich liebe das, brauche aber immer mal wieder meine Ruhe. Das geht nirgends besser als in meiner Heimat, weil dort meine Familie ist und generell alles so ist wie vor meiner Karriere. Das holt mich immer sehr gut zurück ins „echte Leben“ und ist ziemlich essenziell für meine mentale Gesundheit. Hätte ich nicht diesen verrückten Job, wäre mir Velbert wahrscheinlich zu ruhig, aber so ist es die perfekte Mischung aus Wahnsinn und Normalität.

Ab Februar 2026 gehst du erneut auf Europa-Tour. Mit der neuen EP im Gepäck. Was sollen die Menschen nach einem Konzert mitnehmen, emotional und vielleicht auch ganz praktisch für ihren Alltag?

Meine Konzerte sollen sich anfühlen wie ein kleiner Urlaub für den Kopf: Alle Sorgen, Probleme und nervigen Themen werden einmal kurz ausgeblendet und wir haben einfach gemeinsam die Zeit unseres Lebens. Bei der neuen Show gibt es einige Überraschungen und insgesamt viele verschiedene Emotionen, die wir alle zusammen erleben. Die Überschrift ist auf jeden Fall eine gemeinsame Party und alle sind eingeladen so zu sein, wie sie sind. Genau das sollte am besten auch jeder mitnehmen: Das Leben ist einfacher und schöner, wenn man sich nicht verstellt und wenn der KAMRAD wie ein bekloppter auf der Bühne herumhüpft, dann trauen sich vielleicht auch alle anderen komplett aus sich heraus.

Vielen Dank an KAMRAD für das offene und reflektierte Gespräch. „Trying Not To Panic“ erscheint am 23. Januar 2026. Ab Februar ist KAMRAD live in zahlreichen europäischen Städten zu erleben. Interview by CK

Bild © Ben Levien Wörmann

- Anzeige -spot_img

Neuste Artikel