Donnerstag 26. Februar 2026

Biffy Clyro & Bartees Strange – Ausverkauft. Elektrisiert. Kathartisch.

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Als sich am 13. Februar 2026 die Türen der Stadthalle Offenbach öffneten, lag eine Mischung aus Vorfreude und gespannter Erwartung in der Luft. Die Halle war restlos gefüllt, jede Empore, jeder Stehplatz belegt. Das Publikum – ein Querschnitt aus langjährigen Biffy-Anhängern und neugierigen Indie-Fans – war bereit für einen Abend, der sich zwischen fragiler Intimität und brachialer Rock-Explosion bewegen sollte.

Bartees Strange: Zwischen Soul, Indie und eruptiver Energie

Den Auftakt machte Bartees Strange, dessen genreübergreifender Ansatz perfekt in einen Abend passte, der stilistische Grenzen bewusst verwischte. Mit „Baltimore“ eröffnete er sein Set und zog das Publikum sofort in seinen Bann. Seine Stimme – warm, wandelbar, zwischen Verletzlichkeit und Nachdruck pendelnd – füllte die Halle mühelos.

Sober“ brachte eine erste Steigerung der Intensität. Die Gitarre schimmerte, während der Refrain hymnisch in die Menge getragen wurde. Spätestens bei „17“ wich die anfängliche Zurückhaltung im Publikum einer spürbaren Euphorie. Köpfe nickten, erste Arme reckten sich nach oben.

Bei „Boomer“ überzeugte Bartees mit sichtbarer Spielfreude. Den emotionalen Schlusspunkt setzte „Heavy Heart“. Reduziert beginnend, entwickelte sich der Song zu einem intensiven Finale. Ein Support-Act, der nicht nur anwärmte, sondern Maßstäbe setzte.

Biffy Clyro: Triumph trotz Veränderung

Als kurz darauf das Licht erneut erlosch, brandete tosender Applaus auf. Biffy Clyro betraten die Bühne – und mit ihnen eine neue Konstellation. Bassist James Johnston musste die Tour aus gesundheitlichen Gründen pausieren, um sich vollständig auf seine Genesung zu konzentrieren. An seiner Stelle stand Bassistin Naomi Macleod auf der Bühne – und sie sollte dem Abend ihren eigenen Stempel aufdrücken.

Bereits der Opener „A Little Love“ zeigte, dass die Chemie stimmte. Naomi Macleods Basslinien waren druckvoll, präzise und mit einer Selbstverständlichkeit gespielt, die keinerlei Raum für Zweifel ließ. Frontmann Simon Neil begrüßte das Offenbacher Publikum mit sichtlicher Dankbarkeit – die Unterstützung für James Johnston war in lautstarken „Get well soon“-Rufen deutlich zu hören.

Mit „Hunting Season“ und dem wuchtigen „That Golden Rule“ nahm das Konzert Fahrt auf. Die Gitarren sägten, das Schlagzeug donnerte, und die Halle verwandelte sich in einen kochenden Hexenkessel. „Who’s Got a Match?“ wurde frenetisch mitgesungen – ein kollektiver Befreiungsschlag.

Shot One“ und „Space“ brachten eine atmosphärisch dichtere Phase. Lichtkegel durchschnitten den Nebel, während Simon Neil mit eindringlicher Stimme die emotionalen Nuancen der Songs auslotete. Spätestens bei „Wolves of Winter“ gab es kein Halten mehr – Circle Pits im Innenraum, ekstatische Gesänge auf den Rängen.

Ein besonderer Moment war „Biblical“. Tausende Stimmen verschmolzen zu einem gewaltigen Chor, der die Band beinahe übertönte. Naomi Macleod bewies hier eindrucksvoll, wie organisch sie sich ins Bandgefüge eingefügt hatte – ihre Präsenz war kraftvoll, ohne sich aufzudrängen.

Mit „Black Chandelier“ und „Instant History“ lieferten Biffy zwei moderne Klassiker, bevor „Mountains“ als regulärer Abschluss einen ersten emotionalen Höhepunkt markierte. Die Band verließ unter ohrenbetäubendem Applaus die Bühne – doch niemand glaubte ernsthaft, dass dies schon das Ende war.

Ein Zugabenblock für die Ewigkeit

Der Encore begann mit „Machines“ – reduziert, verletzlich, beinahe zerbrechlich. Die Halle hielt kollektiv den Atem an. „The Captain“ leitete anschließend wieder in hymnischere Gefilde über, bevor „Living Is a Problem Because Everything Dies“ die charakteristische Mischung aus Melancholie und Wucht präsentierte.

Bubbles“ ließ die Menge noch einmal tanzen, springen, singen – doch das wahre Finale gehörte „Many of Horror“. Als die ersten Akkorde erklangen, war die emotionale Entladung greifbar. Tausende Stimmen sangen jede Zeile, während die Band sichtbar bewegt den Moment genoss. Ein Abschluss, der unter die Haut ging.

Das Konzert in der ausverkauften Stadthalle Offenbach war mehr als nur ein Tourstopp. Es war ein Statement: für Zusammenhalt, für musikalische Weiterentwicklung und für die Kraft von Live-Musik.

Bartees Strange bewies eindrucksvoll seine Klasse als Support-Act mit Headliner-Qualitäten. Biffy Clyro zeigten sich trotz personeller Veränderung in Bestform – vielleicht sogar mit einer zusätzlichen Portion Entschlossenheit. Naomi Macleod fügte sich nicht nur würdig ein, sondern setzte eigene Akzente, die neugierig auf kommende Shows machen.

Ein Abend zwischen Ekstase und Emotionalität, zwischen brachialer Energie und leisen Momenten – und ein Beweis dafür, dass große Konzerte nicht nur gehört, sondern erlebt werden.

Bilder und Text by Jan Heesch

Bartees Strange

Biffy Clyro

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