Am Freitag, 13. Februar 2026, machte die EUROPEAN DUÉL TOUR Halt im Mit dem neuen bislang ambitionierteste Album „Duél“ im Gepäck kommen Jinjer am 13. Februar 2026 in den Schlachthof Wiesbaden. Nach über sechs Jahren kehrt die Band um Sängerin Tatjana Shmayluk mit großer Headliner-Tour nach Europa zurück. Die Erwartungen hängen greifbar in der Luft. Schon beim Einlass wird diskutiert, spekuliert, gehofft.
Den Auftakt an diesem Abend machen Textures aus Tilburg – Polyrhythmik rollt wie eine Welle durch den Schlachthof. Die Bühne liegt fast komplett in kühlem Blau, darüber leuchtet auf der LED-Wand lediglich das weiße Bandlogo. Gitarrenwände drücken schwer nach vorn, die Drums setzen ihre präzisen Akzente und die tiefen Growls bilden den dunklen Fixpunkt im Sound. Melodische Momente flackern nur kurz auf, das Keyboard bleibt als dezente Schicht im Hintergrund. Der inzwischen dicht gefüllte Schlachthof ist schon nach zwei Songs hellwach und spürbar unter Strom.
Heimspiel dann für Unprocessed. Moderner Metal zwischen technischer Schärfe und melodischer Weite. Harte Riffs treffen auf eingängige Gitarrenläufe mit fast spanischem Flair hier und da. Synths legen eine atmosphärische Spur darunter. Sechs Jahre ohne Wiesbaden – man merkt der Band an, dass die Freude groß ist endlich wieder in ihrer Heimatstadt auf der Bühne zu stehen. „Macht mal Lärm“, fordert der Frontmann auf, treibt die Menge weiter an, ruft zum Springen, zum Öffnen des Pits. Kaum sind die Worte ausgesprochen, geht ein Ruck durch die Crowd. Arme schnellen nach oben, die ersten Reihen geraten in Bewegung, und in der Mitte bildet sich wie selbstverständlich ein Kreis. Die Fans lassen sich nicht zweimal bitten und sie springen, schieben, feiern den Moment mit voller Wucht.
Jetzt sind Jinjer am Zug.
Was im Fotograben sofort auffällt: Die Bühne wirkt beinahe leer. Kein klassisches Bühnenbild, keine Ablenkung, nicht einmal ein sichtbares Mikrofonstativ dominiert die Front. Alles wirkt reduziert. Klar. Fast kühl.
Schon beim zweiten Song kommen die ersten Crowdsurfer von hinten über die Köpfe der Menge nach vorne in den Graben. Kein langsames Warmwerden, kein vorsichtiges Antesten. Das Publikum ist sofort da – körperlich und laut.
Das Schlagzeug thront auf einer zweiten Ebene und ist visuell in die riesige LED-Wand eingebunden, nicht einfach nur beleuchtet, sondern Teil des Konzepts. Die Visuals sind keine bloße Hintergrunddekoration, sondern ein aktiver Bestandteil der Show. Mal abstrakt-flirrend, mal düster-organisch, dann wieder mit klaren grafischen Elementen.
Im Zentrum der Bühne steht Tatiana Shmayluk, gekleidet in einem Outfit, das bewusst mit Erwartungen bricht. Statt klassischer Metal-Ästhetik trägt sie eine Art modernes, dekonstruiertes Kleid mit hellen Stofflagen, Spitze, transparenten Elementen und ein eng geschnürtes Korsett, das der Silhouette Struktur gibt. Die Inszenierung spielt mit Gegensätzen. Sie wirkt fragil, beinahe viktorianisch in der Anmutung. Doch sobald sie zwischen klarem Gesang und Growls wechselt, verschiebt sich die Wahrnehmung komplett. Die feinen Materialien stehen im starken Kontrast zur Härte der Musik und verstärken genau dadurch ihre Wirkung. Die Stimme übernimmt, definiert den Raum neu und die scheinbare Zerbrechlichkeit wird zur Stärke. Gerade weil die Bühne so reduziert bleibt, entsteht eine enorme Fokussierung. Keine Ablenkung, kein überladenes Bühnenbild. Präsenz ersetzt Dekoration. Gleichzeitig trägt die Band das Fundament dieser Intensität. Der Bass legt einen dichten, druckvollen Unterbau, die Gitarre arbeitet mit präzisen, technisch anspruchsvollen Riffs. Das Schlagzeug wirkt wie das ordnende Element. Gerade in den ruhigeren Momenten wird deutlich, wie kontrolliert die Dynamik aufgebaut wird, bevor sie sich wieder entlädt. Wer Jinjer noch nie live erlebt hat, ist auf vieles vorbereitet aber vermutlich nicht auf diese Wucht ab Sekunde eins.
Neben „Duél“ treffen neue Songs wie „Green Serpent“, „Fast Draw“, „Tantrum Teacher“, „Kafka“, „Hedonist“ und „Someone’s Daughter“ direkt ins Mark. Dazu Highlights aus „Wallflowers“ wie „Vortex“ und „Disclosure“, das rhythmisch markante „Judgement (& Punishment)“ vom Album „Macro“ sowie Fan-Favoriten wie „I Speak Astronomy“, „Sit Stay Roll Over“ und „Perennial“. Eine Setlist wie ein Spannungsbogen durch die Bandgeschichte.
Mit einsetzendem Trockeneis-Nebel bekommt der Abend eine neue Tiefe. Der schwere Dunst kriecht über die Bühne, während farbige Spots scharfe Schneisen ins Weiß ziehen. Tatjana pendelt erneut scheinbar mühelos zwischen klarem Gesang und finsteren Growls; ein Duell auf offener Fläche. Vor der Bühne hält der Pit dagegen und tobt bis zum letzten Akkord.
Erwartungen? Nicht nur erfüllt – übertroffen.
Text & Fotos © by Silke Kemmer
Textures
Unprocessed
Jinjer







































































