
Bülent Ceylan zündet mit „Luschtobjekt“ ein Comedy-Feuerwerk im Das Wormser
Beitrag teilen
Gestern Abend erlebte die Nibelungenstadt ein Comedy-Spektakel der absoluten Meisterklasse: Der begnadete Mannheimer Comedian Bülent Ceylan gastierte mit seinem mittlerweile 12. Live-Programm in der restlos begeisterten Location Das Wormser – Theater. Unter dem vielsagenden und herrlich selbstironischen Titel „Luschtobjekt“ nahm der Ausnahmekünstler sein Publikum mit auf eine wilde, ungebremste Reise durch die absurden Abgründe der heutigen Schönheitsideale, skurrilen Fetische und alltäglichen Wahnsinnigkeiten. Von der allerersten Sekunde an war das Publikum im Saal voll da, hängte an den Lippen des Entertainers und quittierte jeden noch so kleinen Gag mit tosendem, ohrenbetäubendem Applaus.
Satire auf die Generation Instagram: Nippel statt Nietzsche
Die scharfsinnige Prämisse des Abends lautete unmissverständlich: Von der sogenannten „Generation Instagram“ lernen, heißt im modernen Showgeschäft siegen lernen! Genau aus diesem Grund zeigte Bülent Ceylan seinem feiernden Publikum an diesem Abend keineswegs die kalte Schulter, sondern völlig schonungslos die blank rasierte Brust. In einer Gesellschaft, die scheinbar nur noch in Filtern und perfekten Posen denkt, macht sich der Comedian kurzerhand selbst zum ultimativen LUSCHTOBJEKT.
Seine klare, augenzwinkernde Devise für das ausverkaufte Gastspiel im Das Wormser lautete: Optik statt Inhalt, Nippel statt Nietzsche! Hochtrabende Kabarettpreise müssen da eben einfach mal auf der Strecke bleiben. Stattdessen bediente der gebürtige Kurpfälzer als fleischgewordenes Objekt der Begierde virtuos alle nur denkbaren Geschlechter, Fetische und Vorlieben. Ob osmanophile Kurpfalz-Lover, hingebungsvolle Langhaar-Fetischisten oder ganz spezielle Liebhaber von großen Nasen und kleinen Bärten – bei Bülent packte im Theater-Saal ausnahmslos jeden die reine, ungebändigte „Wolluscht“. Doch keine Sorge: Wer Intelligenz und Wortwitz sexy findet, durfte dank der raffinierten Pointen am Ende des Abends ebenfalls vollauf befriedigt den Heimweg antreten.
Von objektophilen Göttern, Nutella und fliegenden Hämmern
Aber der Comedian beließ es in seinem Programm nicht nur dabei, sich selbst auf das Podest der allgemeinen Begierde zu heben. In gewohnt schonungsloser und liebevoll spöttischer Manier nahm er sich auch die kuriosen Vorlieben anderer Menschen zur Brust – und verschonte dabei auch nicht seine ganz eigenen Schwächen. Völlig ungeniert plauderte er über seine persönliche Faszination für Frauenfüße und seine innige Liebe zu Nutella.
In der heutigen, völlig überreizten Zeit kann offenbar absolut alles zu einem Luschtobjekt werden: seien es teure Autos, die neuesten blinkenden Smartphones, kalte Roboter oder gar Menschen, die eine erotische Bindung zu Bäumen aufbauen. Und da laut Ceylans brillanter Logik selbst die allmächtigen Götter im Himmel tief im Inneren objektophil veranlagt sind, durfte eine göttliche Premiere nicht fehlen. Da der nordische Donnergott Thor bekanntermaßen eigentlich ein waschechter Mannheimer ist, verriet er auf der Bühne im Das Wormser weltexklusiv und zum allerersten Mal, wo, wann und vor allem wie bei ihm der sagenumwobene Hammer hängt. Ein Moment, der für wahre Lachtränen im Publikum sorgte.
Ein geniales Wiedersehen mit den absoluten Kultfiguren
Was wäre eine Show des Ausnahme-Entertainers ohne seine geliebten, schizophrenen Alter Egos, die im Laufe der Jahre absoluten Kultstatus erreicht haben? Mit im Gepäck hatte Bülent Ceylan natürlich auch an diesem Abend in Worms seine berühmt-berüchtigte Truppe: Der ewig sprücheklopfende Hasan, der chronisch schlecht gelaunte Harald, der legendär grantige Mompfred und die herrlich naive Anneliese brachten den Theatersaal förmlich zum Kochen.
Perfekt ergänzt wurde dieses etablierte Figuren-Ensemble durch völlig neue, großartige Charaktere. So gab es ein umjubeltes Wiedersehen mit dem himmlischen Engel, den Millionen begeisterte TV-Zuschauer bereits aus dem Fernseh-Hit „The Masked Singer“ kannten, sowie den bereits erwähnten, kurpfälzischen Donnergott Thor. Jede Figur war bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und fügte sich nahtlos in den roten Faden der Show ein.
Authentische Momente, Spontaneität und große Emotionen
Was diesen Abend im Das Wormser – Theater jedoch letztlich von einer reinen Stand-up-Show zu einem wahrhaft magischen Erlebnis machte, war die unfassbare Spontaneität und greifbare Menschlichkeit des Künstlers. Immer wieder brach Bülent Ceylan gekonnt aus seinem festen Skript aus und fügte spontane, tagesaktuelle Gedanken in das laufende Programm ein. Ob messerscharfe Kommentare zu aktuellen politischen Themen, blitzschnelle Interaktionen mit den Zuschauern in den vorderen Reihen oder zutiefst private Einblicke – der Entertainer zeigte sich von seiner verletzlichsten und authentischsten Seite.
Besonders still und andächtig wurde es im Saal, als er völlig unvermittelt persönliche Erinnerungen aus seinem eigenen Leben teilte. Rührende, aber auch herrlich absurde Anekdoten über Dinge, die sein geliebter Vater einst gesagt oder getan hatte, verliehen dem Abend eine ungeheure emotionale Tiefe. Genau dieser Balanceakt zwischen lautem, derbem Humor und leisen, tiefgründigen Momenten beweist, dass Bülent Ceylan nicht nur ein meisterhafter Komiker, sondern ein begnadeter Geschichtenerzähler mit einem riesigen Herzen ist. Ein grandioser Abend in Worms, der noch sehr lange in bester Erinnerung bleiben wird.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures














