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Mit „belooped“ wagen De-Phazz keinen nostalgischen Rückblick. Pit Baumgartner nutzt das legendäre MPS-Archiv nicht als Museum, sondern als lebendiges Rohmaterial. Genau darin liegt die Stärke dieses Albums. Es geht nicht um Retro-Ästhetik um ihrer selbst willen. Es geht um Bewegung, Rhythmus und darum, historische Aufnahmen in einen neuen Kontext zu stellen.
Schon der Opener „Wave“ mit Oscar Peterson zeigt die Richtung. Baumgartner verändert die Substanz nicht radikal. Stattdessen arbeitet er mit Atmosphäre, Groove und Raumgefühl. Die Produktionen wirken warm, detailreich und erstaunlich respektvoll gegenüber den Originalen. Gleichzeitig tragen sie unverkennbar die Handschrift von De-Phazz. Die Verbindung aus Lounge, Nu Jazz, Downbeat und organischer Elektronik funktioniert auch 2026 noch erstaunlich gut.
Besonders stark ist das Album immer dann, wenn Baumgartner den Mut zur Zurückhaltung zeigt. „This Girl’s in Love With You“ mit Ella Fitzgerald lebt nicht von Effekten, sondern von Timing und Eleganz. Die Stimme bleibt Mittelpunkt. Die moderne Produktion legt sich nur vorsichtig darunter. Auch „Love & Happiness“ mit Monty Alexander entwickelt einen hypnotischen Flow zwischen Jazzclub und nächtlicher Bar-Lounge.
Interessant wird „belooped“ vor allem dort, wo neue Elemente ins Material eingreifen. Joo Kraus bringt auf „Capricorn“ zusätzliche Dynamik hinein. Sandie Wollasch verleiht „Do I Have To?“ eine neue emotionale Ebene. Diese Eingriffe wirken meist organisch und musikalisch nachvollziehbar.
Trotzdem bleibt das Projekt nicht frei von Risiken. Manche Übergänge bewegen sich gefährlich nah an jener Hochglanz-Lounge-Ästhetik, die De-Phazz seit Jahren begleitet. Einige Tracks verlieren dadurch etwas Reibung und improvisatorische Offenheit. Gerade Jazz lebt oft von Unschärfe, Risiko und Brüchen. „belooped“ wirkt dagegen stellenweise fast zu kontrolliert. Wer radikale Dekonstruktion erwartet, wird hier nicht fündig.
Doch genau darum scheint es Baumgartner auch nicht zu gehen. Seine Idee ist keine Provokation gegen den Jazzkanon. Er versteht diese Stücke als Restaurierung. Dieser Ansatz funktioniert erstaunlich gut, weil er nie respektlos wirkt. Statt die Originale zu überfahren, öffnet er sie für neue Hörgewohnheiten und ein Publikum außerhalb klassischer Jazzzirkel.
Die größte Leistung von „belooped“ liegt deshalb weniger im technischen Remix-Handwerk als im kulturellen Brückenschlag. De-Phazz zeigen, dass Jazzgeschichte nicht konserviert werden muss, um relevant zu bleiben. Dieses Album tanzt nicht auf den Trümmern des Archivs. Es lädt die Vergangenheit auf die Tanzfläche der Gegenwart ein.
TEXT CK

De-Phazz
belooped
Label: MPS
VÖ: 24.07.2026
Genre: Jazz
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