
Dieter Thomas Kuhn bringt die SAP Arena Mannheim zum Feiern
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Bunte Hemden, Schlaghosen, Sonnenblumen und jede Menge Schlager: Am 23. September 2023 verwandelten Dieter Thomas Kuhn & Band die SAP Arena Mannheim für einen Abend in eine riesige Partyfläche. Unter dem Tourmotto „Hello Again! Viel zu lang war die Zeit“ kehrte der Tübinger Entertainer nach Mannheim zurück und traf dort auf ein Publikum, das schon optisch deutlich machte, dass dieser Abend nicht zum stillen Zuhören gedacht war. Die SAP Arena hatte für das Konzert einen Beginn um 19:30 Uhr angekündigt.
Schon vor dem ersten Ton dominierten Blumenketten, Sonnenbrillen, Perücken und Kleidungsstücke, die irgendwo zwischen 70er-Jahre-Fernsehshow und privater Schlagerparty lagen. Genau diese Lust am Verkleiden gehört seit Jahren fest zu den Konzerten von Dieter Thomas Kuhn. Niemand nimmt sich hier sonderlich ernst.
Die Songs dagegen kennt fast jeder.
„Hello Again“ und Mannheim singt sofort mit
Nach dem Intro „Musik ist Trumpf“ eröffnete Kuhn den musikalischen Teil mit „Sag mir quando, sag mir wann“, ehe „Hello Again“ folgte. Die dokumentierte Mannheimer Setlist führte anschließend unter anderem über „Michaela“, „Griechischer Wein“, „Am Tag als Conny Kramer starb“ und „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“.
Es dauerte entsprechend nicht lange, bis die SAP Arena geschlossen mitsang.
Genau darin liegt die Stärke dieser Show. Kuhn präsentiert keine eigenen großen Pop-Epen, sondern nimmt bekannte deutsche Schlager und macht daraus eine gemeinschaftliche Party. Viele der Stücke begleiten das Publikum seit Jahrzehnten. Manche kennt man von den Eltern, andere aus dem Radio, vom Vereinsfest oder aus Nächten, an deren Ende längst niemand mehr behaupten möchte, eigentlich gar keinen Schlager zu hören.
Bei Dieter Thomas Kuhn fällt diese letzte Hemmung schnell.
Schlaghosen, Föhnwelle und eine Band mit Spaß an der Sache
Natürlich gehört auch die Optik zum Konzept. Die berühmte Föhnwelle, Plateauschuhe, glitzernde Stoffe und kräftige Farben sind längst Teil der Bühnenfigur Dieter Thomas Kuhn. Bereits seit den 1990er-Jahren interpretiert er bekannte Schlager mit einer Mischung aus Respekt, Ironie und sichtbarer Freude am Genre. Die SAP Arena beschreibt seine Konzerte selbst als farbenfrohe Happenings, die Menschen zum gemeinsamen Feiern zusammenbringen.
In Mannheim funktionierte das genauso.
Kuhn bewegte sich locker über die Bühne, suchte immer wieder den Kontakt zu den Fans und überließ ihnen bei vielen Refrains ohnehin einen großen Teil der Arbeit. Seine Band lieferte dazu den druckvollen Rahmen. Aus Schlagern, die ursprünglich häufig deutlich zurückhaltender produziert wurden, entstanden live große Arena-Nummern.
Perfekte Hochglanzinszenierung war dabei gar nicht nötig. Entscheidend war die Stimmung.
Und die stimmte.
Von „Griechischer Wein“ bis „Ich war noch niemals in New York“
Die Songauswahl war praktisch eine Reise durch mehrere Jahrzehnte deutschsprachiger Unterhaltungsmusik. „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens gehörte ebenso zum Programm wie „Ich war noch niemals in New York“, „Michaela“ oder der Jürgen-Marcus-Klassiker „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“.
Bei diesen Liedern wurde schnell sichtbar, wie generationsübergreifend das Publikum inzwischen ist.
Wer Dieter Thomas Kuhn bereits während des großen Schlager-Revivals der 90er-Jahre erlebt hatte, stand neben Menschen, die damals noch nicht einmal geboren waren. Trotzdem funktionierten dieselben Refrains.
Das ist schon bemerkenswert.
Gerade „Griechischer Wein“ braucht keine große Einführung. Wenige Takte genügen, und tausende Stimmen setzen ein. Spätestens dann wird aus einem Konzert eine kollektive Schlagerparty.
Nostalgie, aber kein Museumsabend
Natürlich lebt ein Dieter-Thomas-Kuhn-Konzert stark von Nostalgie. Das lässt sich kaum bestreiten.
Doch der Abend wirkte deshalb nicht wie eine musikalische Museumstour.
Dafür ist das Publikum viel zu aktiv. Es wird getanzt, mitgesungen, gewunken und zwischendurch immer wieder gelacht. Kuhn selbst spielt mit der Überzeichnung seiner Bühnenfigur, ohne die Musik lächerlich zu machen. Gerade diese Balance trägt das Konzept seit Jahrzehnten.
Dass sein Schlager-Revival weit über kleine Clubbühnen hinausgewachsen ist, zeigte die SAP Arena eindrucksvoll. Aus frühen Konzerten wurden über die Jahre große Open-Air- und Arena-Shows, und selbst nach langer Karriere funktioniert diese Mischung aus Musik, Kostüm und kollektiver Feierlaune noch immer.
Drei Stunden Schlagerparty in Mannheim
Die für Mannheim dokumentierten Konzertdaten nennen einen Start um 19:30 Uhr und ein Ende gegen 22:30 Uhr. Rund drei Stunden also, in denen Dieter Thomas Kuhn & Band ziemlich tief in den deutschen Schlagerkatalog griffen.
Das Publikum bekam genau das, wofür es gekommen war.
Bekannte Refrains. Eine Band mit Spielfreude. Farben, die man im Alltag vielleicht lieber nicht miteinander kombinieren würde. Und dieses besondere Gefühl, dass für einen Abend sämtliche musikalischen Berührungsängste vor der Arena abgegeben wurden.
Als schließlich die letzten Songs verklangen, waren viele Stimmen deutlich beanspruchter als zu Beginn. Die bunten Hemden sahen noch genauso auffällig aus, ihre Träger allerdings etwas weniger frisch.
So muss das wohl sein.
Dieter Thomas Kuhn & Band machten aus der SAP Arena keine feierliche Hommage an vergangene Schlagerzeiten. Sie machten daraus eine Party.
Und Mannheim machte mit.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures














