
Lordi in Stuttgart: Monsterparty im Wizemann
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Am 19. April 2024 verwandelte sich das Im Wizemann in Stuttgart für einen Abend in ein ziemlich schräges Gruselkabinett. Lordi machten mit ihrer „Unliving Pictour Show 2024“ Station in der Landeshauptstadt, begleitet von All For Metal und Crimson Veil. Letztere waren kurzfristig ins Tour-Line-up gerückt, nachdem die ursprünglich angekündigten Supreme Unbeing nicht mehr dabei waren.
Monster, martialischer Heavy Metal, düstere Klangwelten und eine Bühnenshow, bei der Zurückhaltung ganz sicher nicht zum Konzept gehörte. Das passte.
Crimson Veil eröffnen mit düsterer Atmosphäre
Den Anfang machten Crimson Veil. Die britische Band um Sängerin Mishkin Fitzgerald schlug dabei deutlich andere Töne an als die beiden folgenden Acts. Metal und Rock trafen auf düstere, beinahe filmische Klangwelten, während das E-Cello von Hana der Musik eine ungewöhnliche zusätzliche Farbe gab.
Gerade Mishkin zog mit ihrer Performance schnell die Blicke auf sich. Klargesang und Screams wechselten sich ab, ihre elegante Erscheinung stand dabei in spannendem Kontrast zur dunklen musikalischen Atmosphäre. Auch Hana wusste ihr E-Cello wirkungsvoll in Szene zu setzen.
Mit „Hex“ durfte einer der bekannteren Songs der Band natürlich nicht fehlen. Musikalisch präsentierte sich Crimson Veil souverän und passte mit dem düsteren Ansatz durchaus in diesen Abend.
Ganz überspringen wollte der Funke zum Publikum allerdings noch nicht. Die ganz große Stimmung blieb während des ersten Sets aus. Als atmosphärischer Einstieg funktionierte Crimson Veil trotzdem.
All For Metal verwandeln das Wizemann in Valhalla
Danach änderte sich das Bild schlagartig.
All For Metal betraten die Bühne und machten vom ersten Moment an klar, dass jetzt klassische Heavy-Metal-Unterhaltung angesagt war. Die Band setzte auf große Gesten, mächtige Refrains, martialische Outfits und reichlich Spielfreude.
Das Debütalbum „Legends“ lieferte dafür reichlich Material. Songs wie „Born In Valhalla“, „Gods Of Metal“ und natürlich „All For Metal“ kamen beim Publikum bestens an und wurden lautstark gefeiert.
Besonders gut funktionierte das Zusammenspiel der beiden Sänger. Tetzels tiefe und kraftvolle Stimme traf auf die deutlich höheren Vocals von Antonio Calanna. Gerade diese Kombination gibt dem Sound von All For Metal live seinen eigenen Charakter und sorgt bei den eingängigen Refrains schnell für Mitsing-Momente.
Optisch blieb die Band ihrer musikalischen Welt treu. Leder, martialische Elemente und nordische Motive bestimmten das Bühnenbild. Zwei Tänzerinnen tauchten ebenfalls immer wieder auf der Bühne auf und machten aus dem Support-Slot endgültig eine ausgewachsene Metal-Show.
Zum Ende mobilisierte die Band noch einmal die letzten Reserven im Publikum. Stillstehen war da längst keine echte Option mehr.
Lordi eröffnen ihre monströse Horror-Show
Dann wurde es endgültig finster.
Lordi gehören seit Jahrzehnten zu den Bands, bei denen die Show mindestens genauso wichtig ist wie die Musik. Weltweite Aufmerksamkeit erlangten die Finnen spätestens 2006, als sie mit „Hard Rock Hallelujah“ den Eurovision Song Contest gewannen.
In Stuttgart brauchte es allerdings keine Erinnerung an diesen Erfolg. Das Publikum wusste ziemlich genau, weshalb es gekommen war.
Nach einer theatralischen Einleitung tauchten nach und nach die bekannten Monsterfiguren auf der Bühne auf. Schließlich erschien Mr. Lordi selbst und übernahm das Kommando.
Mit „Unliving Picture Show“ und „Lucyfer Prime Evil“ ging es direkt in die düstere Welt der Band. Schon während der ersten Minuten wurde klar, dass hier kein gewöhnliches Hardrock-Konzert stattfinden würde.
Masken, Requisiten, Nebel und Horrorfiguren bestimmten das Bild. Lordi setzen seit jeher auf eine bewusst überzeichnete Mischung aus Heavy Metal, klassischem Horrorfilm und Geisterbahn. Im Wizemann funktionierte genau das wieder erstaunlich gut.
Lordi spielen sich durch ihre Bandgeschichte
Musikalisch beschränkte sich die Show keineswegs auf aktuelles Material. Lordi griffen tief in ihren umfangreichen Backkatalog und lieferten über den Abend hinweg Songs aus unterschiedlichen Phasen ihrer Karriere.
Dabei bekam auch jeder Musiker seinen eigenen Moment. Ein Schlagzeugsolo sorgte schon relativ früh für zusätzliche Bewegung im Publikum, später folgten Bass- und Gitarrenpassagen, bei denen die einzelnen Bandmitglieder stärker in den Mittelpunkt rückten.
Trotzdem blieb das eigentliche Herzstück die komplette Inszenierung.
Denn bei Lordi passiert auf der Bühne fast ständig etwas. Requisiten tauchen auf, Figuren verschwinden wieder, Mr. Lordi dirigiert das Geschehen und irgendwo dazwischen läuft immer noch ein ziemlich druckvolles Hardrock-Konzert.
Man kann diese Show für vollkommen überzogen halten. Genau darin liegt aber ihr Reiz.
Halbe Sachen gibt es bei Lordi nicht.
Hard Rock Hallelujah beendet die Monsterparty
Nach mehr als 90 Minuten näherte sich der Abend seinem erwarteten Höhepunkt. Und an einem Song führte natürlich kein Weg vorbei.
„Hard Rock Hallelujah“.
Der ESC-Siegertitel von 2006 ist längst das Markenzeichen der Band. Selbst Besucher, die Lordi schon mehrfach live gesehen haben, wissen ziemlich genau, was jetzt kommt. Trotzdem funktioniert der Song noch immer.
Das Wizemann sang lautstark mit, die letzten Energiereserven wurden mobilisiert und die Monster verabschiedeten sich mit dem Stück, das ihre Karriere einst weltweit veränderte.
Geisterbahn geschlossen.
Text & Fotos Daniel Selke














