
Peter Gabriel in Frankfurt: i/o live in der Festhalle
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Am 13. Juni 2023 machte Peter Gabriel mit seiner „i/o – The Tour“ Station in der Festhalle Frankfurt. Sieben Jahre waren seit seinen letzten regulären Konzerten vergangen. Nun stand der damals 73-Jährige wieder auf einer großen Bühne und brachte reichlich neue Musik mit. Elf Stücke des zu diesem Zeitpunkt noch unveröffentlichten Albums „i/o“ fanden ihren Weg in das Frankfurter Programm. Das fertige Album erschien erst am 1. Dezember 2023.
Gabriel machte daraus keine klassische Best-of-Show. Neue, teilweise noch kaum bekannte Songs bekamen viel Raum, während Klassiker wie „Sledgehammer“, „Red Rain“, „Don’t Give Up“, „Digging in the Dirt“ oder „Solsbury Hill“ gezielt dazwischen auftauchten. Mutig. Und für einen Künstler wie Peter Gabriel eigentlich konsequent.
Peter Gabriel startet Frankfurt mit einer kleinen Panne
Der Abend begann ungewöhnlicher als geplant.
Für den Auftakt standen zunächst nur Peter Gabriel und Bassist Tony Levin auf der Bühne. Doch Gabriels Keyboard verweigerte seinen Dienst. Techniker versuchten noch, das Instrument zum Laufen zu bringen, mussten schließlich aber aufgeben. Gabriel wechselte kurzerhand ans große Piano und spielte die ersten beiden Stücke dort. Tony Levin hielt die kleine Panne später mit trockenem Humor in seinem Tourtagebuch fest.
Mit der deutschen Version von „Here Comes the Flood“, „Jetzt kommt die Flut“, begann das Konzert entsprechend reduziert. Danach folgte „Growing Up“ in akustischer Form.
Keine bombastische Eröffnung. Gerade deshalb blieb sie hängen.
i/o steht klar im Mittelpunkt der Show
Mit „Panopticom“, „Four Kinds of Horses“ und dem Titelsong „i/o“ rückte anschließend das neue Material ins Zentrum.
Peter Gabriel veröffentlichte 2023 seine neuen Songs Stück für Stück zu den Vollmonden des Jahres. Als die Tour im Mai begann, war das komplette Album deshalb noch gar nicht erhältlich. Trotzdem vertraute Gabriel den neuen Kompositionen so sehr, dass sie einen erheblichen Teil des Programms bestimmten.
In Frankfurt folgten später unter anderem „Playing for Time“, „Olive Tree“, „This Is Home“, „Love Can Heal“, „Road to Joy“, „The Court“, „And Still“ und „Live and Let Live“. Insgesamt stammten elf Songs des Abends aus „i/o“.
Das verlangte Aufmerksamkeit. Wer ausschließlich auf die bekannten Hits wartete, musste Geduld mitbringen.
Aber Gabriel war noch nie der Typ für eine bequeme Greatest-Hits-Runde.
Tony Levin und Manu Katché bilden das vertraute Fundament
Für die Tour holte Gabriel einige seiner langjährigen Wegbegleiter zurück. Tony Levin spielte Bass und Chapman Stick, David Rhodes stand an der Gitarre und Manu Katché saß hinter dem Schlagzeug. Alle drei gehören seit Jahrzehnten zu Gabriels musikalischem Umfeld und waren bereits bei der Tourankündigung als Kern der Band bestätigt worden.
Erweitert wurde die Besetzung unter anderem durch Ayanna Witter-Johnson an Cello, Piano und Gesang, Marina Moore an Violine und Gesang, Josh Shpak an Blasinstrumenten und Keyboards sowie Don-E, Richard Evans und weitere Musiker.
Gerade diese große Band gab den Songs Raum. Mal fast kammermusikalisch, dann wieder massiv und rhythmisch. Manu Katchés Schlagzeug blieb dabei unverkennbar. Tony Levins Bass ebenso.
Ein paar Takte reichen.
Sledgehammer bringt die Festhalle in Bewegung
Natürlich gab es irgendwann diesen Moment, auf den ein beträchtlicher Teil des Publikums gewartet hatte.
„Sledgehammer“.
Der Klassiker vom 1986 veröffentlichten Album „So“ beendete den ersten Konzertteil und veränderte die Stimmung in der Festhalle sofort. Nach den konzentrierten neuen Stücken durfte nun ohne Zurückhaltung gefeiert werden.
Später folgten weitere bekannte Titel. „Don’t Give Up“, „Red Rain“ und „Big Time“ standen im zweiten Teil des Programms, bevor mit „Solsbury Hill“ einer der wichtigsten Songs aus Gabriels früher Solokarriere folgte. Die Frankfurter Setlist verband damit tatsächlich sehr unterschiedliche Phasen seines Schaffens.
Nostalgie bekam ihren Platz. Sie durfte nur nicht die ganze Show übernehmen.
Licht, Kunst und Musik werden Teil derselben Geschichte
Eine Peter-Gabriel-Show lebt seit jeher stark von ihrer visuellen Umsetzung. Auch „i/o – The Tour“ beschränkte sich nicht auf Videowände und ein paar bewegte Scheinwerfer.
Lichtobjekte, Projektionen und Kunstwerke begleiteten die neuen Songs. Schon zu Beginn schwebte ein eigens eingesetztes Lichtobjekt über der Bühne, das die Crew intern „Tinkerbell“ nannte. Tony Levin dokumentierte auch dieses Detail in seinem Frankfurter Tourtagebuch.
Die visuellen Elemente drängten sich dabei nicht permanent vor die Musik. Sie erweiterten sie.
Gerade bei den ruhigeren neuen Stücken funktionierte das besser als eine Arena-Produktion, die alle paar Sekunden den nächsten Effekt abfeuert.
In Your Eyes und Biko beschließen den Abend
Nach gut zwei Stunden näherte sich das Konzert seinem letzten Abschnitt.
„In Your Eyes“ eröffnete die Zugabe. Danach blieb nur noch ein Song.
„Biko“.
Gabriels 1980 veröffentlichter Titel über den südafrikanischen Anti-Apartheid-Aktivisten Steve Biko besitzt live bis heute eine besondere Wucht. In Frankfurt wurde er erneut zum gemeinschaftlichen Schlusspunkt des Abends.
Die Band verabschiedete sich nach und nach. Der Rhythmus blieb.
Und das Publikum sang weiter.
Setlist Peter Gabriel in Frankfurt 2023
Set 1
- Jetzt kommt die Flut
- Growing Up
- Panopticom
- Four Kinds of Horses
- i/o
- Digging in the Dirt
- Playing for Time
- Olive Tree
- This Is Home
- Sledgehammer
Set 2
- Darkness
- Love Can Heal
- Road to Joy
- Don’t Give Up
- The Court
- Red Rain
- And Still
- Big Time
- Live and Let Live
- Solsbury Hill
Zugabe
- In Your Eyes
- Biko














