Von donnernden Riffs und rockenden Legenden
Ein warmer Maiabend, die Batschkapp und zwei Rock-Acts, die gemeinsam über ein halbes Jahrhundert Bühnenerfahrung auf die Bretter bringen – was nach einem nostalgischen Trip klingt, entpuppt sich als kraftvolles Live-Erlebnis, das zeigt, dass klassischer Hard Rock alles andere als verstaubt ist.
Y&T – Feuer frei mit kalifornischer Rockenergie
Den Anfang machten Y&T, die kalifornischen Veteranen rund um Frontmann Dave Meniketti. Dass diese Band nichts von ihrer Energie eingebüßt hat, zeigten sie bereits mit dem Opener „Open Fire“, der seinem Titel alle Ehre machte. Der Sound war satt, Menikettis Stimme gewohnt kraftvoll und das Publikum sofort auf Betriebstemperatur.
Mit „Don’t Stop Runnin’“ und „Mean Streak“ knallten die Riffs wie eh und je, während das melancholisch-schöne „Midnight in Tokyo“ für Gänsehaut sorgte. Der emotionale Höhepunkt kam jedoch mit „I Believe in You“ – eine Ballade, bei der man spürte, wie tief Y&T ihre Fans über Jahrzehnte hinweg berührt haben. Klassiker wie „Black Tiger“ und „Rescue Me“ durften ebenso wenig fehlen wie der final hymnische Abschluss „Forever“, der den Saal in ein kollektives Mitsingen verwandelte. Y&T bewiesen eindrucksvoll, warum sie auch nach über 40 Jahren noch zu den Großen gehören.
Gotthard – Schweizer Präzision trifft auf Rockpower
Als Headliner des Abends betraten Gotthard gegen 21:15 Uhr die Bühne – und legten mit „AI & I“ und dem kraftvollen „Thunder & Lightning“ gleich gewaltig vor. Sänger Nic Maeder präsentierte sich stimmlich in Hochform, und auch der Rest der Band spielte tight und mit spürbarer Spielfreude.
Mit Klassikern wie „All We Are“, dem rockigen „Burning Bridges“ und der Mitsing-Hymne „Anytime Anywhere“ bewiesen Gotthard, dass sie nach wie vor das Erbe des verstorbenen Steve Lee würdevoll weitertragen. Besonders emotional wurde es bei der Akustik-Einlage mit „Let it be“, „Falling“ und „Tell Me“, die die Batschkapp für einen Moment in ein Wohnzimmer mit Lagerfeuerromantik verwandelte.
Die zweite Hälfte des Sets brachte die Halle endgültig zum Kochen: „Mountain Mama“, „Top of the World“ und das explosive „Lift U Up“ sorgten für ausgelassene Stimmung, während ein fulminantes Drumsolo die instrumentale Klasse der Band unterstrich.
Nach frenetischem Applaus kehrten Gotthard für eine Zugabe zurück, die es in sich hatte: Mit dem Joe-South-Cover „Hush“ und dem euphorischen „Mighty Quinn“ verabschiedeten sich die Schweizer mit einem letzten Paukenschlag.
Zwei Bands, zwei unterschiedliche, aber perfekt harmonierende Rock-Welten – der Abend in der Batschkapp war eine Lehrstunde in Sachen Live-Rock. Y&T gaben den würdigen Auftakt mit einem energiegeladenen Set zwischen Hard Rock und Gefühl, während Gotthard als Headliner das Publikum mit Power, Charme und Professionalität begeisterten. Ein unvergesslicher Abend für alle Rock-Fans – und der Beweis, dass ehrlicher, handgemachter Rock ’n’ Roll zeitlos ist.
Text und Bild by Jan Heesch



