Samstag 28. Februar 2026

RODDY McKINNON – TOURIST ON THE MOON

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Wie wird man sich an uns erinnern?

Seinen Urgroßvater hat Roddy McKinnon nie kennengelernt. Was er über das Leben des Seemannes aus der Normandie weiß, hat er sich aus dessen Tattoo-Motiven zusammengereimt, die sich in den Erzählungen der Familie erhalten haben: eine Rose, ein Silberfisch, ein Highlander. Im daraus entstandenen Song „Paint me a rose“ imaginiert McKinnon so eine Art Familienhistorie. Auf seinem neuen Album „Tourist on the moon“ setzt sich der Singer Songwriter mit dem Erinnern auseinander: »Wenn wir über Vergangenes erzählen, spielt meist unsere Phantasie mit hinein, wir geben unsere ganz eigene Version einer Geschichte wieder, wohl eher nicht das, was wirklich passiert ist.« Es interessierte McKinnon, warum, was und wie wir erinnern, wie man sich an uns erinnern wird. Was ist der Fußabdruck der Menschheit im Sand des Mondes wert?

Auf seinem letzten Soloalbum „Time´s a dog“ von 2024 hatte sich der gebürtige Glasgower, der heute in der Nähe des Genfer Sees wohnt, mit dem Thema Zeit auseinandergesetzt. Seine Krebserkrankung hatte im Angesicht eines möglichen baldigen Todes den Wert von Zeit plötzlich komplett verändert. Das Songwriting und der Prozess der Aufnahme hatten ihm geholfen, die Limitierung und Endlichkeit der Zeit zu akzeptieren. Einen Schritt weiter ging es darum, was man hinterlässt, in welchen Erinnerungen man weiterlebt, wie man erinnert. So geht es im Lied „Vertebrae“ um eine greifbare Hinterlassenschaft, den Wirbel eines Dinosauriers, den ein kleiner Junge findet. Wie überlagern wir als Touristen auf dem Planten Erde die Erinnerungen der Natur mit unseren Fußabdrücken? Bei einem anderen Lied leiht sich McKinnon die Erinnerungen von Joshua Greene, einem älteren Mann, den er einst in Paris getroffen hatte und der ihm von seinem Vater erzählt hatte, einem Fotografen, der mit Marylin Monroe befreundet war. Joshua hatte sich der Archivierung der Fotos seines Vaters verschrieben und konzentrierte sich dabei insbesondere auf die Bilder der Monroe, war diese doch auch ab und an seine Babysitterin gewesen. Und gerade angesichts der noch nicht besiegten Krebserkrankung sind Roddy McKinnon die neuen Erinnerungen wichtig – die, die es noch zu kreieren gibt.

»The point I am making is that when confronted by life’s challenges, the mountainous seas of life, I took an active decision to adapt, to move forward, rather than to do nothing and to resign myself. I chose not to be lost in the metaphorical sea of existence.« Roddy McKinnon im August 2025

RODDY McKINNON
TOURIST ON THE MOON

Label: Silberblick Musik
VÖ: 05.09.2025
Genre: Singer Songwriter
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BIO

Roddy McKinnon wurde 1966 in Glasgow, Schottland geboren und lebt heute in Frankreich, in der Nähe des Genfer Sees. In den 80er und 90er Jahren war er Teil einer lebhaften Glasgower Rockszene und Gitarrist der Postpunk-Rockband Re-al. Mit ihnen reiste er durch England, Schottland, Irland und die Vereinigten Staaten. Höhepunkte dieser Jahre waren ein Auftritt im Marquee Club in London und ein Live-Auftritt in einer US-Fernsehshow, die in einem Nachtclub im 13. Stock des Times Square in New York gefilmt wurde (manchmal sind solche Details wichtig). Von 1986 bis 1992 wurde Re-al von der Londoner Musikmanagementfirma Hit and Run Music verwaltet, deren Geschäftsführer Tony Smith war, dem Manager von Genesis und Phil Collins. Doch der erwartete kommerzielle Erfolg stellte sich nicht ein. McKinnon verließ die Band und spielte fortan Gitarre und Mandoline in einer keltischen Rockband und bei The Journeymen. Zur Jahrtausendwende trat die Musik dann in den Hintergrund. In dieser Zeit zog McKinnon in die Nähe des Genfer Sees und lernte dort den deutschen Singer Songwriter George Leitenberger kennen. Ab 2013 begleitete McKinnon ihn als Gitarrist und spielte auch auf dessen Alben. Ab 2017 kam seine eigene Karriere als Singer-Songwriter ins Rollen, zunächst mit ein paar Songs auf „Raw Love“, einem gemeinsamen Album mit Leitenberger. Im Jahr 2020 erschien sein erstes Soloalbum “Lucky & Damned”. Während der Aufnahmen an diesem Album erfuhr er von seiner Krebsdiagnose und befindet sich seitdem in Behandlung. Während dieser Zeit entstanden bisher drei Alben. Das vorliegende ist das zweite davon.

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