
Come Out and Play: The Offspring bringen die Jahrhunderthalle Frankfurt zum Schwitzen
Beitrag teilen
Ein einziges Deutschlandkonzert, eine ausverkaufte Jahrhunderthalle Frankfurt und ein Publikum, das offensichtlich keine Lust auf einen ruhigen Abend hatte. The Offspring machten bei ihrer exklusiven Clubshow ziemlich schnell klar, weshalb ihre Punkrock-Hymnen auch Jahrzehnte nach dem Durchbruch noch funktionieren. Vor der Bühne wurde gesprungen, gegrölt und irgendwann flog mehr Bier durch die Luft, als noch in den Bechern steckte.
Genau so musste das wohl sein.
Ein exklusives Deutschlandkonzert in Frankfurt
The Offspring waren in diesem Sommer vor allem auf großen Open-Air-Bühnen unterwegs. Auftritte beim Taubertal Festival, Rocco del Schlacko und Open Flair standen auf dem Programm. Wer keine Lust auf ein komplettes Festivalwochenende hatte, bekam mit dem Konzert in Frankfurt eine seltene Alternative.
Entsprechend begehrt waren die Tickets.
Die Jahrhunderthalle war schnell ausverkauft und bereits vor dem Auftritt des Headliners zeigte sich, dass hier viele Fans ganz gezielt wegen dieser einen Show angereist waren.
The Chats machen Frankfurt warm
Den Support übernahmen The Chats aus Australien. Und die brauchten keine komplizierte Inszenierung, um beim Frankfurter Publikum anzukommen.
Kurze Songs, Punkrock, ordentlich Tempo.
Die Australier spielten ihren Auftritt souverän herunter und trafen damit ziemlich genau den Nerv der Zuschauer. Die Stimmung stieg früh an und kühlte danach auch nicht mehr wirklich ab.
Als schließlich die Umbaupause begann, wurde es vor der Bühne merklich enger.
The Offspring legen ohne Umwege los
Dann kamen The Offspring.
Viel Anlauf brauchte die Band nicht. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte sich der Innenraum der Jahrhunderthalle in eine hüpfende, schwitzende Masse. Becher flogen, Bier gleich hinterher und die ersten Reihen feierten, als müsste die gesamte Energie des Abends innerhalb weniger Minuten raus.
Die Band hielt dagegen.
Große Ansagen waren an diesem Abend eher Nebensache. Dexter Holland, Noodles und ihre Mitstreiterkonzentrierten sich auf das, weshalb die Leute gekommen waren: Songs. Möglichst viele davon.
Das funktionierte.
„Come Out and Play“ trifft auf „Pretty Fly“
Bei einer Band, deren Geschichte bis in die 1980er zurückreicht, ist die Erwartungshaltung an eine Setlist ziemlich eindeutig. Die Fans wollen die Songs hören, mit denen The Offspring zu einer der erfolgreichsten Punkrock-Bands ihrer Generation wurden.
„Come Out and Play“ durfte deshalb ebenso wenig fehlen wie „Pretty Fly (For a White Guy)“ oder „The Kids Aren’t Alright“.
Bei den ersten bekannten Takten gingen sofort die Arme hoch.
Textsicherheit war ebenfalls kein Problem. Ganze Refrains kamen mit solcher Lautstärke aus dem Publikum zurück, dass Dexter Holland zeitweise kaum alleine singen musste. Die großen Hits funktionieren eben immer noch. Vielleicht gerade deshalb, weil The Offspring daraus keine nostalgische Zeremonie machen.
Song an. Vollgas. Nächster.
Punkrock zwischen Generationen
Interessant war der Blick ins Publikum. Dort standen längst nicht ausschließlich Fans, die „Smash“ oder „Americana“ bereits bei Veröffentlichung gekauft hatten.
The Offspring haben mittlerweile mehrere Generationen erreicht.
Während ältere Fans ihre Jugend noch einmal aufleben ließen, kannten auch deutlich jüngere Besucher jede Zeile von Songs, die teilweise vor ihrer Geburt veröffentlicht wurden. Gerade „The Kids Aren’t Alright“ zeigte, wie wenig manche Stücke der Band gealtert sind.
Musikalisch blieb der Abend ohnehin schnörkellos.
Gitarren nach vorne, Schlagzeug dahinter und Melodien, die nach wenigen Sekunden im Kopf sitzen. The Offspring haben diese Formel über Jahrzehnte perfektioniert. In Frankfurt gab es keinen Grund, daran etwas zu ändern.
„Self Esteem“ mobilisiert die letzten Kräfte
Nach rund 85 Minuten näherte sich die Show bereits ihrem Ende. Für amerikanische Punk- und Rockbands ist eine solche Spielzeit nicht völlig ungewöhnlich, und an diesem Abend fiel sie kaum negativ auf.
Dafür war schlicht zu wenig Leerlauf vorhanden.
Statt minutenlanger Ansagen wurde gespielt. Und gespielt.
Für den letzten großen Abriss hob sich die Band schließlich einen Song auf, der seit Mitte der 90er untrennbar mit The Offspring verbunden ist: „Self Esteem“.
Noch einmal ging alles hoch.
Die letzten Energiereserven wurden ausgepackt, der Innenraum sprang und sang gemeinsam und wer bis dahin noch halbwegs trocken geblieben war, hatte spätestens jetzt schlechte Karten.
Dann war Schluss.
The Offspring brauchten in Frankfurt keine zwei Stunden, um die Jahrhunderthalle auseinanderzunehmen.Rund 85 Minuten Punkrock, eine Hitdichte, bei der kaum Zeit zum Durchatmen blieb, und ein Publikum, das vom ersten bis zum letzten Song mitging, reichten vollkommen.
Schweiß, Bier und „Self Esteem“. Passt.
Text & Foto © by Jan Heesch














