Prophets of Rage mit Tom Morello, B-Real und Chuck D bei ihrem Konzert im Schlachthof Wiesbaden

Prophets of Rage zerlegen den Schlachthof Wiesbaden

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Wenn Musiker von Rage Against the Machine, Public Enemy und Cypress Hill gemeinsam auf einer Bühne stehen, ist ein gemütlicher Rockabend eher unwahrscheinlich. Genau das zeigte sich im Schlachthof Wiesbaden, als Prophets of Rage mit einer Mischung aus Rap, Metal, Funk und politischer Wut über die Bühne fegten.

Schon die Besetzung liest sich wie ein ziemlich wuchtiges Stück Musikgeschichte: Tom Morello, Tim Commerford und Brad Wilk von Rage Against the Machine trafen auf B-Real von Cypress Hill sowie Chuck D und DJ Lord von Public Enemy.

Den Abend eröffneten die Nova Twins.

Nova Twins heizen Wiesbaden ein

Die Aufgabe eines Supports ist bei einer Band wie Prophets of Rage nicht gerade dankbar. Das Publikum weiß ziemlich genau, auf wen es wartet.

Die Nova Twins ließen sich davon wenig beeindrucken.

Mit ihrem eigenwilligen Mix aus Alternative Rock, Punk, elektronischen Sounds und schweren Basslinien sorgten sie früh für Bewegung im Schlachthof. Kein vorsichtiges Herantasten. Die beiden Musikerinnen nutzten ihre Spielzeit, um ordentlich Krach zu machen und die ersten Reihen auf Betriebstemperatur zu bringen.

Dann war die Bahn frei.

Drei Bands, eine verdammt große Wall of Sound

Als Prophets of Rage loslegten, wurde schnell klar, warum diese Supergroup live so gut funktioniert. Hier standen keine Musiker nebeneinander, die lediglich ihre berühmten Namen verkaufen wollten.

Die Kombination hatte Druck.

Brad Wilk und Tim Commerford lieferten das massive Rhythmusfundament, während Tom Morello seiner Gitarre wieder jene Sounds entlockte, bei denen man gelegentlich zweimal hinschauen musste, ob er tatsächlich noch eine Gitarre in den Händen hielt.

Darüber wechselten sich B-Real und Chuck D am Mikrofon ab. Zwei völlig unterschiedliche Stimmen, die gerade deshalb funktionierten.

Rage Against the Machine-Hits bringen den Schlachthof zum Kochen

Natürlich warteten viele Fans auf die großen Rage Against the Machine-Klassiker.

Bei Songs wie „Bulls on Parade“„Guerrilla Radio“ und vor allem „Killing in the Name“ wurde aus dem Schlachthof endgültig ein Hexenkessel. Die Riffs sind Jahrzehnte alt, ihre Wirkung haben sie nicht verloren.

Kaum setzt Morello die ersten bekannten Gitarrentöne, weiß der Raum, was kommt.

Und grölt mit.

Gerade hier zeigte sich allerdings auch, wie Prophets of Rage mit dem Erbe ihrer Vorgängerband umgingen. B-Real und Chuck D versuchten nicht, Zack de la Rocha zu kopieren. Sie machten die Songs auf ihre Art und hielten damit genügend Abstand zum Original, ohne dessen Wucht zu verlieren.

Public Enemy und Cypress Hill gehören genauso dazu

Das Repertoire beschränkte sich keineswegs auf Rage Against the Machine.

Public Enemy hatten Ende der 80er mit Stücken wie „Fight the Power“ und „Don’t Believe the Hype“ Hip-Hop politisch und musikalisch mitgeprägt. Cypress Hill wiederum brachten einen völlig anderen Stil mit und wurden mit Songs wie „Insane in the Brain“ weltweit bekannt.

Genau diese unterschiedlichen musikalischen Biografien bildeten das Fundament von Prophets of Rage.

Im Konzert wechselten Rap, harte Gitarren und groovende Passagen ständig die Richtung. Dazu kamen Songs der Band selbst, unter anderem Material von der EP „The Party’s Over“ und dem 2017 veröffentlichten Debütalbum „Prophets of Rage“.

Tom Morello bleibt eine Klasse für sich

Natürlich wanderte der Blick an diesem Abend immer wieder zu Tom Morello.

Sein Gitarrenspiel gehört zu den unverwechselbarsten Sounds des Alternative Metal. Statt sich auf klassische Soli zu beschränken, behandelt Morello sein Instrument seit Jahrzehnten wie einen Klanggenerator. Schalter, Effekte, Feedback und ungewöhnliche Spieltechniken gehören genauso dazu wie schwere Riffs.

Live wirkt das noch verrückter.

Während Commerford und Wilk stoisch das Fundament legen, kann Morello darüber praktisch machen, was er will. Und macht es auch.

Prophets of Rage verbinden Musik mit politischer Haltung

Hinter der Gründung von Prophets of Rage stand von Beginn an mehr als die Idee einer prominent besetzten Supergroup. Die Musiker verstanden das Projekt auch als politische Stimme.

Morello hatte Prophets of Rage 2016 in einer Zeit ins Leben gerufen, die in den USA von heftigen gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen geprägt war. Das passte zu den Biografien der beteiligten Bands. Rage Against the Machine und Public Enemy hatten gesellschaftliche Konflikte schließlich schon Jahrzehnte zuvor zum zentralen Bestandteil ihrer Musik gemacht.

Im Schlachthof wurde diese Haltung nicht zur Nebensache. Sie gehörte zum Konzert.

Ein Clubabend mit ordentlich Druck

Die vielleicht größte Stärke dieser Show lag am Ende trotzdem nicht in großen Namen oder politischen Botschaften, sondern in der schieren Live-Energie.

Prophets of Rage funktionierten als Band.

Das klingt selbstverständlich, ist es bei Supergroups aber keineswegs. In Wiesbaden griffen die unterschiedlichen Stile ineinander. Morellos Gitarrenriffs trafen auf Wilks Schlagzeug, Commerfords Bass und zwei Rapper, die genug eigenes Profil mitbrachten, um den Klassikern ihren Stempel aufzudrücken.

Und wenn schließlich ein kompletter Schlachthof „Killing in the Name“ brüllt, braucht es ohnehin keine lange Erklärung mehr.

Text & Foto © by Jan Heesch

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