Dave Stewart live mit dem Eurythmics-Songbook 2023 in der myticket Jahrhunderthalle Frankfurt

Dave Stewart in Frankfurt: Eurythmics-Songbook lebt wieder

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Am 26. November 2023 ging es in der myticket Jahrhunderthalle Frankfurt musikalisch zurück in eine Zeit, in der Synthesizer, markante Gitarren und eine unverwechselbare Stimme den Popsound der 1980er-Jahre prägten. Dave Stewart machte mit seiner „Eurythmics Songbook: Sweet Dreams 40th Anniversary Tour“ Station in Frankfurt und feierte damit vier Jahrzehnte seit dem Durchbruchsalbum „Sweet Dreams (Are Made of This)“ von 1983. Frankfurt gehörte neben Düsseldorf und Berlin zu den drei deutschen Stationen der Tour.

Annie Lennox war nicht dabei. Das war von Beginn an klar. Stewart versuchte allerdings auch nicht, die Eurythmics einfach zu kopieren. Stattdessen stellte er eine starke Frauenband zusammen und gab den alten Songs neue Stimmen.

Dave Stewart bringt das Eurythmics-Songbook nach Frankfurt

Als Dave Stewart auf die Bühne der Jahrhunderthalle kam, stand dort kein Mann, der sich ausschließlich auf der Vergangenheit ausruhen wollte. Mit 71 Jahren griff der Mitbegründer der Eurythmics zur Gitarre und führte durch einen Abend, dessen musikalisches Fundament zwar vier Jahrzehnte alt war, live aber erstaunlich frisch wirkte.

Die Tour hatte einen besonderen Stellenwert. Erstmals seit mehr als 20 Jahren konnten Fans wieder eine komplette Konzertshow erleben, die sich dem Eurythmics-Songbook widmete.

Natürlich war Annie Lennox dabei die große Abwesende. Stewart machte daraus aber keinen Ersatzversuch. Statt einer einzelnen Sängerin, die Lennox imitieren sollte, verteilte er die Songs auf unterschiedliche Stimmen und Charaktere.

Das war die richtige Entscheidung.

Kaya Stewart, Vanessa Amorosi und RAHH übernehmen die Stimmen

Im Zentrum standen neben Stewart die Sängerinnen Vanessa AmorosiRAHH und seine Tochter Kaya Stewart. Dahinter spielte eine komplett weiblich besetzte Band mit Hannah Koppenburg an den Keyboards, Yasmin Ogilvie am Saxofon, Indiara Sfair an der Mundharmonika, Julia Lamb am Bass und Ellie East am Schlagzeug.

Acht Musikerinnen und Sängerinnen. Dazu Dave Stewart.

Gerade diese Besetzung gab dem Abend seinen eigenen Charakter. Vanessa Amorosi konnte mit ihrer kraftvollen Stimme die großen Rock- und Soulmomente tragen, während RAHH und Kaya Stewart andere Nuancen in die bekannten Melodien brachten.

Für Kaya war die Verbindung zu diesen Songs ohnehin persönlich. Sie ist Dave Stewarts Tochter und zugleich das Patenkind von Annie Lennox. Stewart erzählte während der Tour, dass seine Tochter bereits als Kind mit den Eurythmics-Liedern aufgewachsen sei.

Here Comes the Rain Again sorgt für Gänsehaut

Die eigentlichen Stars des Abends waren trotzdem die Songs.

„Here Comes the Rain Again“, „Love Is a Stranger“, „Would I Lie to You?“, „Missionary Man“ oder „There Must Be an Angel (Playing with My Heart)“ gehören längst zu jener Sorte Popmusik, bei der wenige Takte reichen. Man erkennt sie sofort.

Gerade „Here Comes the Rain Again“ entfaltete in der Jahrhunderthalle seine besondere Wirkung. Für den Frankfurter Tourtermin ist eine Liveaufnahme des Songs dokumentiert.

Stewarts Gitarrenspiel blieb dabei ein zentraler Bestandteil. Mal zurückhaltend, fast beiläufig. Dann wieder schmutziger, bluesiger und deutlich rockiger als manche Studioaufnahme der Eurythmics vermuten lässt.

Auch am Keyboard zeigte Stewart, wie stark er diese Musik über Jahrzehnte geprägt hat. Nicht als nostalgischer Verwalter. Eher als jemand, der genau weiß, an welchen Stellen man einen alten Song verändern kann und wo man besser die Finger davon lässt.

Sweet Dreams wartet bis zum großen Moment

Natürlich hing über dem gesamten Abend ein Song.

„Sweet Dreams (Are Made of This)“.

Das Stück und das gleichnamige Album machten Eurythmics 1983 international zu Stars. Die Jubiläumstour entstand genau aus diesem Anlass und führte Stewart im November 2023 durch Großbritannien und Europa.

Live braucht dieser Synthesizerlauf keine Erklärung. Sobald er einsetzt, ist die Reaktion da.

Die Tourprogramme rund um Frankfurt führten „Sweet Dreams (Are Made of This)“ als Zugabe beziehungsweise großen Abschluss des Abends. Auch „The Miracle of Love“, „Sisters Are Doin’ It for Themselves“ und „There Must Be an Angel“ gehörten zum festen Kern dieser Shows.

Da sitzt dann plötzlich niemand mehr ruhig da.

Eurythmics ohne Annie Lennox funktionieren anders

Natürlich verändert sich diese Musik ohne Annie Lennox. Ihre Stimme ist mit den Eurythmics so eng verbunden, dass man sie nicht einfach ausblenden kann.

Genau deshalb funktionierte Stewarts Ansatz.

Er stellte keine Kopie auf die Bühne. Vanessa Amorosi, RAHH und Kaya Stewart sangen die Stücke mit ihren eigenen Stimmen, während Stewart selbst als Gitarrist, musikalischer Kopf und Gastgeber den roten Faden hielt. Annie Lennox hatte dem Projekt ihren Segen gegeben, tourt selbst aber nicht mehr regelmäßig.

Das Ergebnis klang vertraut und trotzdem anders.

Manchmal etwas rockiger. Manchmal souliger. An anderen Stellen beinahe überraschend roh.

Und dann kam wieder diese eine Melodie aus den Achtzigern, bei der die ersten Sekunden genügten und die ganze Jahrhunderthalle wusste, was zu tun war.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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