
Revolverheld in Hirschberg: Zwei Stunden voller Energie
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Am 9. Juli 2021 verwandelte sich der Sportpark Hirschberg-Leutershausen zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen in eine große Open-Air-Bühne. Nach Johannes Oerding am Vorabend waren diesmal Revolverheld an der Reihe. Rund 1.200 Fans kamen zum ersten Auftritt der Hamburger Band in Hirschberg und erlebten einen Sommerabend, bei dem sich vieles endlich wieder nach einem richtigen Konzert anfühlte.
Klapp- und Liegestühle ersetzten zwar weiterhin das dichte Gedränge vor der Bühne, doch von Zurückhaltung war im Publikum wenig zu spüren. Das Konzert begann um 19.30 Uhr, und spätestens als Johannes Strate und seine Mitmusiker loslegten, spielte die ungewohnte Bestuhlung nur noch eine Nebenrolle.
Revolverheld hatten sichtbar Lust auf die Bühne
Nach Monaten mit eingeschränktem Tourbetrieb wirkte die Band von Beginn an konzentriert und gleichzeitig auffallend gelöst. Man musste nicht lange suchen, um zu merken, dass Revolverheld diese Abende gefehlt hatten.
Johannes Strate bewegte sich permanent über die Bühne, suchte den Kontakt zu den Zuschauerreihen und überließ die großen Refrains immer wieder den Fans. Dahinter sorgte die Band dafür, dass aus dem bestuhlten Open Air kein ruhiger Popabend wurde.
Gitarren, Schlagzeug und Bass kamen mit genügend Druck vom Bühnenrand. Gerade die älteren Titel funktionierten sofort. „Freunde bleiben“ gehörte zu den Songs, bei denen viele schon nach wenigen Takten mitsangen. Bei „Spinner“ sah es nicht anders aus.
Revolverheld mussten ihr Publikum an diesem Abend nicht erst überzeugen. Viele waren offensichtlich genau wegen dieser Lieder gekommen.
Alte Hits trafen auf „Zimmer mit Blick“
Das Programm führte durch verschiedene Phasen der Bandgeschichte. Neben den frühen Stücken standen Songs aus den jüngeren Veröffentlichungen. Einen wichtigen Teil bildete Material aus „Zimmer mit Blick“, das am 13. April 2018 erschienen war und unter anderem „Immer noch fühlen“, „Liebe auf Distanz“ und „So wie jetzt“ enthält.
Dadurch entstand kein reines Best-of-Konzert.
Revolverheld hielten die Balance zwischen Songs, die längst fest zum Liveprogramm gehören, und dem Material der damals jüngeren Bandphase. Das passte gut zu einem Publikum, in dem manche die Band bereits seit den Anfangsjahren begleiteten und andere erst deutlich später dazugekommen waren.
Mit „Leichter“ existierte zu diesem Zeitpunkt außerdem bereits ein erster Vorbote des nächsten Albums. „Neu erzählen“ erschien schließlich im Oktober 2021.
Johannes Strate ließ sich bei seinen Geschichten treiben
Zwischen den Songs blieb Johannes Strate selten einfach nur beim nächsten Titel stehen.
Immer wieder entwickelte sich aus einer kurzen Ansage eine längere Geschichte. Erinnerungen aus seiner Studienzeit, kleine Beobachtungen und der Hintergrund zu einzelnen Songs sorgten dafür, dass der Abend nicht wie eine streng abgearbeitete Setlist wirkte.
Manchmal dauerte es ein paar Minuten, bis die Band tatsächlich weiterspielte.
Das Publikum störte sich daran überhaupt nicht. Gerade diese lockeren Passagen schufen jene Nähe, die bei großen Produktionen schnell verloren geht. Strate redete nicht über die Köpfe hinweg, sondern bezog die Menschen vor der Bühne immer wieder mit ein.
Nach der langen Pause wirkte dieser direkte Austausch fast genauso wichtig wie die Musik selbst.
1.200 Fans machten aus dem Sportpark eine Konzertarena
Dass Revolverheld erstmals in Hirschberg auftraten, hatte bereits im Vorfeld für entsprechende Nachfrage gesorgt. Der Sportpark war für das Doppel mit Johannes Oerding und Revolverheld eigens zur Konzertfläche umgebaut worden. Für den Revolverheld-Abend waren kurz vor dem Termin noch zusätzliche Tickets freigegeben worden.
Am Ende standen rund 1.200 Menschen vor der Bühne.
Unter normalen Umständen wäre diese Zahl für Revolverheld vielleicht eher überschaubar gewesen. Im Sommer 2021 bekam sie eine andere Bedeutung. Konzerte fanden gerade erst wieder unter größeren Publikumskapazitäten statt. Jeder Abend musste entsprechend geplant und organisiert werden.
Davon war während der Show erfreulich wenig zu spüren.
Mit fortschreitender Spielzeit standen immer mehr Besucher an ihren Plätzen, sangen mit und machten aus dem Sportpark eine ziemlich lebendige Open-Air-Kulisse.
Fast zwei Stunden vergingen erstaunlich schnell
Revolverheld hielten das Tempo nicht permanent hoch. Ruhigere Stücke bekamen genauso ihren Platz wie die großen Mitsingnummern. Gerade dieser Wechsel sorgte dafür, dass die knapp zweistündige Show nicht eintönig wurde.
Die Band wirkte eingespielt, aber nicht routiniert im schlechten Sinne. Es gab spontane Momente, längere Ansagen und immer wieder diese sichtbare Freude darüber, wieder vor Menschen spielen zu können.
Als schließlich die Zugabe endete, waren beinahe zwei Stunden vergangen.
Nach den Monaten zuvor war vielleicht genau das die wichtigste Erkenntnis dieses Abends: Man konnte wieder draußen stehen, eine Band spielte wenige Meter entfernt und für eine Weile ging es einfach nur um Musik.
Im Sportpark Hirschberg-Leutershausen fühlte sich das am 9. Juli 2021 schon ziemlich gut an.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures














