
Falco – Das Musical in Mannheim: Zwischen Welthit und Absturz
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Die Sonnenbrille sitzt, der Anzug ebenso. Ein paar Bewegungen, diese lässig-arrogante Haltung, und plötzlich steht im Rosengarten jemand auf der Bühne, bei dem die Erinnerung an Falco sofort da ist. Gestern Abend, am 31. Januar 2017, gastierte „Falco – Das Musical“ in Mannheim. Alexander Kerbst übernahm die schwierige Aufgabe, aus Johann Hölzel und dessen Kunstfigur Falco einen Theaterabend zu machen, ohne dabei in eine bloße Imitation abzurutschen. Mannheim ist eine der frühen Stationen der neuen Tournee, die seit Januar durch Deutschland führt.
Das funktioniert vor allem dann, wenn die Musik übernimmt.
Alexander Kerbst findet seinen eigenen Falco
Falco zu spielen ist undankbar. Stimme, Haltung, Sprache, Kleidung, die kontrollierte Arroganz. Jeder im Saal hat sofort ein Bild im Kopf.
Kerbst nähert sich dieser Figur sichtbar an, kopiert sie aber nicht sklavisch. Er nimmt die markanten Gesten mit, lässt den Wiener Tonfall aufblitzen und setzt die Sonnenbrille durchaus als Waffe ein. Trotzdem bleibt genug eigener Raum.
Gut so.
Denn das Musical erzählt nicht allein vom Popstar auf dem Höhepunkt. Es setzt früher an, bei Johann Hölzels Weg zur Kunstfigur Falco, beim ersten Plattenvertrag und beim Aufstieg, der schließlich weit über Österreich hinausführt. Auch Abstürze, Selbstzweifel und die private Seite des Musikers gehören zur Handlung. Alexander Kerbst schrieb das Buch gemeinsam mit Stefanie Kock; Peter Rein führt Regie, Thomas Rabitsch verantwortet die musikalische Leitung. Rabitsch kennt Falcos Musik aus erster Hand: In den Achtzigerjahren war er Live-Keyboarder und Bandleader des Sängers.
Gerade diese Gegensätze machen den Abend interessant. Auf der einen Seite Falco, der den Raum beherrschen will. Auf der anderen Hans Hölzel, bei dem die Fassade immer wieder Risse bekommt.
Der Kommissar bringt Bewegung in den Rosengarten
Spätestens wenn „Der Kommissar“ einsetzt, verschiebt sich der Schwerpunkt.
Jetzt geht es weniger um Biografie, mehr um Musik. Der Rhythmus sitzt sofort, im Saal werden Köpfe bewegt, einzelne Textzeilen kommen hörbar aus dem Publikum zurück. Genau solche Momente braucht die Inszenierung.
Denn Falcos Songs sind längst größer als die Geschichten um ihre Entstehung.
„Vienna Calling“, „Jeanny“ oder später „Out of the Dark“ transportieren sehr unterschiedliche Stimmungen. Mal kühl und urban, dann dunkel, fast beklemmend. Die Produktion nutzt diese Wechsel und baut die Handlung um die musikalischen Stationen herum. Auch der Videodreh zu „Rock Me Amadeus“ und weitere markante Punkte aus Falcos Karriere fließen in die Bühnenerzählung ein.
Bei „Jeanny“ verändert sich die Atmosphäre spürbar. Weniger Show, mehr Konzentration. Der Song braucht ohnehin keine großen Erklärungen. Seine Wirkung entsteht aus Stimme, Text und dieser unangenehmen Spannung, die ihn bis heute begleitet.
Rock Me Amadeus gehört der ganzen Bühne
Dann kommt der Song, an dem kein Falco-Abend vorbeikommt.
„Rock Me Amadeus“.
Jetzt wird aus dem biografischen Musical für einige Minuten eine große Popshow. Licht, Ensemble und Musik ziehen an, Kerbst steht im Zentrum, der Rosengarten reagiert sofort.
Kein Wunder. Falco schaffte mit dem Titel etwas, das bis heute einmalig ist: „Rock Me Amadeus“ erreichte 1986 Platz eins der US-Charts und war damit der erste deutschsprachige Song an der Spitze der Billboard Hot 100. Auch in Großbritannien ging der Titel auf Platz eins.
Im Rosengarten interessiert die Statistik in diesem Moment allerdings wenig.
Der Refrain ist da. Das Publikum kennt ihn. Fertig.
Viel spannender ist, wie schnell danach wieder die dunklere Seite der Geschichte zurückkehrt. Erfolg bedeutet bei Falco eben selten nur Erfolg. Das Musical stellt das öffentliche Bild und den Menschen dahinter immer wieder gegeneinander.
Zwischen Falco und Hans Hölzel bleibt Spannung
Je näher das Ende rückt, desto stärker tritt der Mensch hinter der Sonnenbrille hervor.
Das Musical erzählt von einem Künstler, der Kontrolle ausstrahlt und gleichzeitig mit sich selbst kämpft. Diese Passagen bremsen die Show bewusst. Nicht jeder Übergang sitzt gleich stark, und manche biografische Station muss zwangsläufig verkürzt werden. Zwei Stunden Bühne können ein solches Leben nicht vollständig erzählen.
Sie können aber Momente setzen.
Wenn Kerbst wieder zum Mikrofon greift und wenig später einer der bekannten Songs beginnt, verschmelzen Darstellung und Erinnerung für einige Augenblicke. Genau dort ist die Produktion am stärksten.
Falco wäre am 19. Februar 60 Jahre alt geworden. Die neue Tournee kommt damit zu einem Zeitpunkt, an dem seine Musik ohnehin wieder stärker ins Bewusstsein rückt.
Gestern Abend im Rosengarten braucht es dafür keinen runden Geburtstag.
Sonnenbrille auf. Mikrofon in die Hand.
Und der Falke fliegt wieder.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures














