
Eckart von Hirschhausen in Mannheim: Medizin trifft Magie
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Ein Arzt erklärt seinem Publikum, warum der menschliche Körper selbst die erstaunlichsten Zaubertricks locker in den Schatten stellt. Klingt zunächst nach Fortbildung. Gestern Abend im Rosengarten Mannheim wurde daraus allerdings ein ziemlich vergnüglicher Abend. Dr. Eckart von Hirschhausen gastierte am 2. Februar 2017 mit seinem Programm „Wunderheiler – Wie sich das Unerklärliche erklärt“ in Mannheim und verband Medizin, Zauberei und Comedy auf seine ganz eigene Art. Das Programm führt Hirschhausen zurück zu zwei Themen, die ihn schon lange begleiten: Medizin und Magie.
Dabei hat der Mann auf der Bühne einen entscheidenden Vorteil: Wenn er einen Witz über Ärzte macht, kennt er die andere Seite des Schreibtisches ziemlich genau.
Zwischen Arztpraxis und Zauberkasten
Hirschhausen kommt auf die Bühne und braucht keine große Kulisse, um den Saal auf seine Seite zu ziehen. Ein paar Requisiten, Licht, Musik. Vor allem aber Geschichten.
Mal geht es um Ärzte, mal um Patienten und dann wieder um die erstaunliche Fähigkeit des Menschen, seinem eigenen Körper vollkommen falsche Dinge einzureden. Hirschhausen nimmt medizinische Begriffe auseinander, übersetzt sie in Alltagssprache und landet dabei regelmäßig dort, wo man sich selbst wiedererkennt.
Das kann unangenehm sein.
Vor allem dann, wenn man gerade noch über irgendeine menschliche Schwäche lacht und wenige Sekunden später merkt, dass man sie selbst ziemlich gut kennt.
Hirschhausen hält sich dabei nicht mit einer Pointe nach der anderen über Wasser. Er erklärt. Erzählt. Macht einen Umweg, lässt einen Gedanken kurz stehen und biegt dann plötzlich ganz woanders ab.
Das Publikum folgt ihm.
Wenn Medizin plötzlich ziemlich komisch wird
Seine Ausbildung als Arzt liefert reichlich Material.
Wartezimmer, Diagnosen, Placebos und die Frage, warum Menschen manchmal lieber an etwas Spektakuläres glauben als an eine langweilige medizinische Erklärung. Hirschhausen behandelt solche Themen nicht wie eine Vorlesung. Er zerlegt sie so lange, bis der absurde Teil sichtbar wird.
Und davon gibt es offenbar genug.
Besonders gut funktioniert das, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse auf ganz gewöhnliches menschliches Verhalten treffen. Wir wissen beispielsweise ziemlich genau, dass Bewegung gesund ist. Das bedeutet noch lange nicht, dass wir deshalb begeistert vom Sofa aufstehen.
Da braucht es keinen erfundenen Gag. Der Alltag erledigt einen guten Teil der Arbeit selbst.
Im Rosengarten wird viel gelacht, aber eben nicht ausschließlich. Zwischendurch entsteht immer wieder dieser kurze Moment, in dem man merkt: Hinter der Pointe steckt tatsächlich eine ernst gemeinte Frage.
Hirschhausen zaubert wieder
Der Titel „Wunderheiler“ ist durchaus wörtlich zu nehmen.
Bevor Eckart von Hirschhausen als medizinischer Kabarettist bekannt wurde, beschäftigte er sich intensiv mit Zauberei. Für sein aktuelles Programm holt er diese Seite wieder auf die Bühne und verbindet kleine magische Momente mit seinen Geschichten über Wahrnehmung, Erwartung und die Tricks unseres eigenen Gehirns.
Natürlich weiß jeder im Saal, dass hier keine übernatürlichen Kräfte am Werk sind.
Trotzdem schaut man genau hin.
Wie hat er das gemacht?
Genau mit dieser Reaktion spielt Hirschhausen. Denn wenn schon ein einfacher Zaubertrick unsere Wahrnehmung täuschen kann, wird schnell klar, warum Menschen auch bei vermeintlichen Heilmethoden so empfänglich für Erwartungen und Versprechen sein können.
Das Ganze bleibt Unterhaltung. Kein erhobener Zeigefinger.
Besser so.
Der Rosengarten wird zur etwas anderen Sprechstunde
Je länger der Abend dauert, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Comedy, Kabarett und populärer Wissenschaft.
Hirschhausen spricht über Gesundheit und Krankheit, ohne dass daraus ein medizinischer Vortrag wird. Er nimmt Ärzte aufs Korn, ohne den Beruf lächerlich zu machen. Und er spricht über menschliche Schwächen, während er sich selbst gleich mit in die Reihe stellt.
Diese Selbstironie trägt viel.
Denn ein Arzt, der zwei Stunden erklärt, was alle anderen falsch machen, wäre vermutlich schwer auszuhalten. Einer, der zugibt, dass Wissen allein den Menschen noch lange nicht vernünftig macht, hat es einfacher.
Immer wieder reagiert Hirschhausen auf den Saal, lässt Lacher auslaufen und setzt erst dann den nächsten Gedanken. Dadurch wirkt der Abend trotz seiner festen Dramaturgie nicht wie ein abgespieltes Programm.
Lachen ist vielleicht doch eine brauchbare Medizin
Am Ende geht man aus dem Rosengarten mit erstaunlich vielen Gedanken im Kopf.
Warum wirken Placebos? Warum lassen wir uns so leicht täuschen? Weshalb wissen wir über Gesundheit oft mehr, als wir tatsächlich umsetzen? Und warum ist der Mensch überhaupt so gut darin, sich selbst etwas vorzumachen?
Hirschhausen beantwortet nicht alles.
Muss er auch nicht.
Gestern Abend hat er vor allem gezeigt, dass Medizin ziemlich komisch sein kann, sobald man den Menschen mit in die Diagnose einbezieht.
Nebenwirkungen des Abends: Muskelkater in den Lachmuskeln nicht ausgeschlossen.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures














